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Montag, 20.11.2017
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Plastikfressende Schönheit

Die metergroße Filterreuse von Bathochordaeus fängt auch Mikroplastik

Dieses im Meer treibende halbtransparente Gebilde ist mehr als einen Meter groß. Es handelt sich um die Filterreuse von Bathochordaeus charon – eines nur wenige Zentimeter kleinen Manteltieres. Mit seiner schleimbeschichteten Filterreuse fängt das Tier Futterpartikel aus dem Wasser – und verschmäht dabei auch Mikroplastik nicht, wie Forscher herausgefunden haben.

Larvaceen sind bizarre Tiere: Diese wurmähnlichen Wesen ähneln eher einer schwebenden Kaulquappe als einem Verwandten der sessilen Seescheiden und Salpen. Dennoch gehören auch sie zu den Manteltieren. Und ähnlich wie ihre Verwandte ernähren auch sie sich, indem sie organische Partikel aus dem Wasser filtern.

Doch ihr Werkzeug dafür ist spektakulär: Der selbst nur wenige Zentimeter große Bathochordaeus charon konstruiert zum Futtererwerb eine teilweise mehr als einen Meter großes Filterreuse. Diese schleimbeschichtete Reuse schwebt als zartes Gebilde durch das Wasser und setzt sich dabei allmählich mit Partikeln zu. Bathochordaeus weidet dann diese Partikel nach und nach ab. Ist der Filter nach einiger Zeit zu stark mit ungenießbaren Teilchen verklebt, stößt das Tier dieses Haus ab und es sinkt auf dem Meeresgrund.

Das Spannende daran: Forscher des Monterey Bay Aquarium Research Institute (MBARI) haben jetzt herausgefunden, dass Bathochordaeus selbst Mikroplastik nicht verschmäht, wenn es sich auf seiner Filterreuse ablagert. Die Larvacee frisst die Plastikpartikel, obwohl sie weder nahrhaft noch verdaubar sind. Dies scheint ihm aber nicht zu schaden – zumindest nicht kurzfristig. Nach zwölf Stunden scheidet das Tier das Mikroplastik mit seinem Kot wieder aus.

Interessant ist dies vor allem deshalb, weil der Kot relativ schnell zum Meeresboden absinkt. Mit ihm wird daher auch das Mikroplastik schneller aus dem Verkehr gezogen als normalerweise üblich. Noch schneller geht es, wenn Bathochordaeus seine zugesetzte Filterreuse abstößt, um eine neue zu produzieren. Das "verbrauchte" Gebilde sinkt mehr als doppelt so schnell zum Grund wie die Kotpellets – mit immerhin 800 Metern pro Tag.

Allerdings: Auch in der Tiefsee und im Meeresboden ist das Mikroplastik nicht völlig aus der Welt. Denn auch in diesen Bereichen leben Tiere, die diese Partikel aufnehmen und an ihnen zugrunde gehen können, wie die Forscher betonen.