Chinesische Astronomen beobachteten im Jahr 185 vor Christus eine Supernova: die Explosion des Sterns RCW 86. Dank einer Kooperation des NASA-Röntgenobservatoriums Chandra und des Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte ESO haben Astronomen jetzt einen neuen und einzigartigen Blick auf dieses Supernovarelikt geworfen.
Lange Zeit schon vermuteten Astronomen, dass die sich ausdehnenden, in der Supernova abgestoßenen Hüllen sterbender Sterne eine Schlüsselrolle für die Beschleunigung der kosmischen Strahlung spielen. Diese besteht vorwiegend aus Protonen, die sich nahezu mit Lichtgeschwindigkeit bewegen. Doch erst jetzt, mit den neuen Daten zu RCW 86, konnten die Forscher ein Supernovarelikt auf frischer Tat ertappen.
Die Beobachtungen enthüllten erstmals, dass die noch heute sichtbare Schockwelle der lange vergangenen Explosion sich mit der Geschwindigkeit von einem bis drei Prozent der Lichtgeschwindigkeit ausdehnt. Die Temperatur dieser Gasfilamente dagegen war sehr viel geringer als erwartet: „Nur“ 30 Millionen Grad gegenüber dem „Normalwert“ von mindestens einer halben Milliarde.
Für die Astronomen ist damit klar, dass mindestens ein Teil der Energie, die bei der Explosion des Sterns freigesetzt wurde, nicht in die Schockwelle ging. Stattdessen beschleunigte sie Teilchen auf extrem hohe Geschwindigkeiten – und trug so zur kosmischen Strahlung in unserer Milchstraße bei.