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Sonntag, 25.09.2016
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Fossile „Zähnchen aus dem Meer"

Conodonten ermöglichen Blick in die Erdgeschichte

Würde man ein Stück Kalkstein nehmen, dass vor 500 Millionen Jahren im Meer abgelagert wurde, und würde es in Säure werfen - zurück blieben viele tausend winziger Zähnchen längst ausgestorbener Meeresbewohner. Diese so genannten Conodonten ("Kegelzähne") finden sich massenhaft in sehr alten Gesteinsschichten. Sie sind mikroskopisch kleine Überreste von wurmähnlichen Meeresbewohnern, die vor etwa 550 bis 230 Millionen Jahren im Kambrium und Trias lebten.

Die Tiere waren die artenreichste Gruppe fossiler früher Wirbeltiere überhaupt und sehr erfolgreich: Sie haben 300 Millionen Jahre in den Ozeanen gelebt; warum sie dann vor 200 Millionen Jahren ausgestorben sind, ist unklar. Der rasche Formenwandel sowie das massenhafte Vorkommen machen die der winzigen Kegelzähne zu sehr bedeutenden Leitfossilien. Mit ihnen lässt sich beispielsweise das relative Alter von Gesteinen recht genau bestimmen. Auch zum Vergleich von Erdschichten aus verschiedenen Fundorten eignen sie sich sehr gut.

Zudem sind Klima- und Umweltveränderungen vor vielen hundert Millionen Jahren im Phosphat der winzigen Conodonten in Form der Isotopenzusammensetzung "archiviert". Mit chemischen Verfahren können Paläontologen heute dieses Archiv auswerten und so wichtige Erkenntnisse über die damaligen Umweltbedingungen gewinnen. Conodonten kann man ebenso als "fossiles Thermometer" benutzen: Sie ändern bei hohen Temperaturen ihre Farbe. Jeder Farbton lässt sich einem bestimmten Temperaturbereich zuordnen und gibt damit Aufschluss über die Erwärmung des Gesteins in der Vergangenheit. Wichtig ist diese Information beispielsweise bei der Erkundung möglicher Erdöllagerstätten.

Conodonten sind ab 1. April im Goldfuß-Museum der Universität Bonn als "Fossil des Monats" zu bestaunen.