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Freitag, 10.02.2012
Zuflucht Stadt?
Wenn Konkurrenz und natürliche Feinde fehlen...

Trotz der scheinbar so ungünstigen Lebensbedingungen kann die Stadt für einige Tier- und Pflanzenarten auch ein Refugium sein. Unter normalen Umständen ist die Ausbreitung und die Populationsdichte einer Art nicht nur von der Verfügbarkeit von Nahrung und Lebensraum bestimmt, sondern vor allem auch von der Konkurrenz durch Artgenossen und dem Druck durch die natürlichen Feinde. Dadurch wird die Fähigkeit der Art, sich an Umweltbedingungen anzupassen beschränkt, die realisierte Nische ist enger als die optimalerweise mögliche.

Mit Beginn der Urbanisierung entstand in den Städten ein neuer Lebensraum, indem es zunächst keinerlei Konkurrenz gab. Die ersten einwandernden Arten konnten sich daher ungehindert ausbreiten und ihre realisierte Nische ausweiten. Alle notwendigen Fähigkeiten, um in der Stadt zu überleben, hatten diese kulturfolgenden Arten auch vorher schon, sie wurden nur im alten Biotop nicht oder nur teilweise benötigt.

Amsel 
Amsel
© IMSI MasterClips
Die Amsel, ursprünglich ein scheuer Waldvogel, hat ihr Verhalten und ihre Nahrungsgewohnheiten in Dörfern und Städten deutlich geändert. Nur hier legte sie ihre Scheu ab und stellte sich auf die in den Gärten und Parks vorhandene Nahrung um. Die Siedlungsdichte der Amseln liegt heute in der Stadt bis zu zwanzigmal höher als in ihrem ursprünglichen Wald-Habitat. Untersuchungen ergaben in den Außenbezirken von Großstädten wie München und in städtischen Kleingartenkolonien Dichten von bis zu 25 Brutpaaren pro Hektar, in einem noch naturnahen Wald im bayrischen Alpenvorland lag die Zahl dagegen nur bei durchschnittlich 0,36 brütenden Paaren pro Hektar.

Die abnehmende Scheu und die große Verbreitung der Amsel und anderer Singvögel in den Städten geht auch auf den Mangel an natürlichen Feinden zurück. Im Vergleich zu Wäldern und Flur des Umlands ist eine echte Bedrohung durch Greifvögel, Marder und Füchse in im Siedlungsbereich des Menschen eher selten. Während die Amsel sich im Wald nur durch Scheu und große Wachsamkeit vor ihren Feinden schützen kann, sind diese Vorsichtsmaßnahmen in der Stadt kaum nötig.

Seit Jahrhunderten hat der Mensch den Räubern und Jägern unter den Tieren nachgestellt und sie als vermeintliche Nahrungskonkurrenten und Bedrohung für Haus- und Nutztiere bejagt.Für die Singvögel und Kleinsäuger, die dem Menschen in seinen Siedlungsbereich gefolgt sind, ist dies zweifellos ein Vorteil, für das Gleichgewicht der Organismen im Lebensraum Stadt aber ein gewaltiger Nachteil. Riesige Schwärme von Tauben, Spatzen und Amseln können sich ungehindert vermehren und haben sich inzwischen zu einer regelrechten Plage entwickelt. Als Folge muß nun der Mensch verstärkt die Rolle der fehlenden natürlichen Feinde übernehmen und versucht mit Gift oder der Antibabypille für Tauben den allzu erfolgreichen Kulturfolgern Herr zu werden.

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