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Lebendiger Flickenteppich
Von Inseln, Barrieren und Trittbretthabitaten...

Wenngleich die Stadt häufig als ein großer Lebensraum betrachtet wird, ist sie doch eher eine Ansammlung von unzähligen kleinen und kleinsten Mikrohabitaten. Jede Häuserfassade, jeder begrünte Hinterhof oder Straßenbaum bietet Tieren und Pflanzen jeweils spezifische Lebensbedingungen. Auf engstem Raum finden sich in der Stadt Habitate für die unterschiedlichen Ansprüche von Felsbrütern, Höhlenbewohnern, Wassertieren und Wald- und Wiesenarten zusammen.

Mikrohabitat 
Mikrohabitat
© Podbregar
Diese große Strukturdiversität hat die Stadt mit einigen der wertvollsten und artenreichsten Lebensräume der Erde wie dem tropischen Regenwald und den Korallenriffen gemeinsam. Je vielfältiger die Strukturen sind, desto mehr Möglichkeiten der Einnischung stehen für die Pflanzen und Tiere des jeweiligen Ökosystems zur Verfügung. Prinzipiell gilt diese positive Bewertung auch für die Stadt. Die im Vergleich zum Umland höhere Artenzahl geht zum großen Teil sicher auch auf diesen Mosaikeffekt zurück.

Allerdings git es auch eine Reihe von Einschränkungen:
Die einzelnen Habitate dürfen eine bestimmte Größe nicht unterschreiten. Sind sie zu klein, kann sich in ihnen keine stabile Population aufbauen. Schon kleinste Störungen genügen sonst, um die Art an dieser Stelle verschwinden zu lassen. Einige Habitate können erst ab einer gewissen Größe günstige Lebensbedingungen für Tierarten schaffen.

Ein Waldstück in der Stadt bietet beispielsweise erst ab 80 Metern Durchmesser einen geeigneten Lebensraum für echte Waldtiere. Nur wenn die von Störfaktoren wie zum Beispiel Lärm, Staub, Abgase und Menschen stark beeinflußten Randzonen nicht mehr überlappen, sondern eine relativ ungestörte Kernzone umgeben, ist das Stadtwäldchen wirklich ein echtes Refugium für dierse Tiere.

 Rand- und Kernzone eines Habitats
Rand- und Kernzone eines Habitats
© Podbregar
Natürlich hängt die nötige Mindestgröße eines Mikrohabitats immer von der Sensibilität , den Ansprüchen und der Körpergröße der jeweiligen Art ab. Für eine Milbenpopulation kann schon ein einziger Straßenbaum ein riesiges Habitat bedeuten, für einen Fuchs muß es schon mindestens ein kleines Wäldchen sein. Die Kenntnis des jeweiligen Flächenbedarfs ist vor allem dann wichtig, wenn ein neuer Flächennutzungsplan erstellt wird und dabei Rückzugsgebiete und Lebensräume für bestimmte geschützte oder seltene Stadttiere mit berücksichtigt werden sollen.

Problematisch für viele nicht fliegende Tierarten in der Stadt ist auch der Inselcharakter ihrer Lebensräume: Ein Eichhörnchen, das von einem Park in den nächsten wechseln will oder muß, ist oft gezwungen erst mehrere baumlose stark befahrene Straßen überqueren - schutzlos dem Verkehr, streunenden Hunden und anderen Gefahren ausgesetzt.

Für die meisten Kleinsäuger und Käfer stellt sogar schon eine einzige vierspurige Straße eine unüberwindliche Barriere dar. Versuche mit Laufkäfern zeigten, daß es bei einer normalen Straße mit einem Verkehr von knapp 800 Autos pro Stunde keinem einzigen Tier gelang, lebend die gegenüberliegende Straßenseite zu erreichen.

Straßenbäume, Hecken und grüne Mittelstreifen können die totale Isolation der einzelnen Habitatinseln wenigstens teilweise verhindern, indem sie wie Trittsteine in einer Furt den Tieren auf ihrem Weg zwischen den Habitaten Schutz und Nahrung bieten. DieseTrittbretthabitate und ökologischen Korridore tragen dadurch dazu bei, die „Inseln des Lebens" innerhalb der Stadt zu vernetzen, sie gewährleisten nicht nur Einwanderung und Ausbreitung von Arten, sondern auch den für die langfristige Stabilität wichtigen Genaustausch zwischen verschiedenen Populationen einer Art.

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