Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
H5N1 wandert weiter
Auch Afrika bedroht

Viren machen vor Ländergrenzen nicht halt: dies hat die Ausbreitung der Vogelgrippe von Asien aus bis nach Europa gezeigt. Um sich vor der Seuche zu schützen, ist deshalb nach Ansicht von Seuchenexperten und Politikern eine gemeinsame Strategie aller EU-Länder notwendig.

Papagei 
Papagei
© IMSI MasterClips
Die EU stoppte deshalb frühzeitig alle regulären Einfuhren von Geflügelfleisch und lebenden Vögeln aus den vom Virus heimgesuchten Ländern bis auf Weiteres. Am 26. Oktober 2005 kam dann noch ein einmonatiges Importverbot für alle Ziervögel hinzu. „Das heutige Importverbot ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, allerdings kann nur ein dauerhaftes Verbot die vielseitigen Probleme lösen“, so Daniela Freyer von der Umwelt- und Naturschutzorganisation Pro Wildlife. „Der Import von Wildvögeln für den Heimtiermarkt ist völlig unverantwortlich – sowohl in Bezug auf die Vogelgrippe als auch auf den Tier- und Naturschutz“.

Ursache der EU-Entscheidung war der Tod einer mit H5N1 infizierten Venezuelaamazone (Papagei) während der Einfuhrquarantäne in England. Rund 1,8 Millionen Ziervögel wie Papageien, Beos, Finken oder Gimpel aus Afrika, Lateinamerika und Asien gelangen jährlich legal in die EU.

Armes Afrika
Während Deutschland und die anderen Länder der EU zumindest mobil machen gegen die Vogelgrippe, droht die Seuche auf Afrika nahezu ungehindert überzuschwappen. Der Kontinent ist das Ziel- und Überwinterungsgebiet von Millionen von Zugvögeln aus Nordost- und Mitteleuropa – und der Südflug der Vögel hat bereits begonnen.

 Zugvögel
Zugvögel
© IMSI MasterClips
Die meisten afrikanischen Länder jedoch sind auf den Kampf gegen H5N1 unvorbereitet. Gefährdet sind nach Ansicht von Wissenschaftlern vor allem Äthiopien, Kenia oder Tansania, in denen noch dieses Jahr Zugvögel aus Osteuropa eintreffen. Sie könnten mit dem Geflügelpest-Erreger verseucht sein.

Das Thema Vogelgrippe kam deshalb auch auf der 3. Vertragsstaatenkonferenz des Afrikanisch-Eurasischen Wasservogelübereinkommens Ende Oktober 2005 zur Sprache. Die rund 150 Teilnehmer der Veranstaltung forderten die internationale Staatengemeinschaft dazu auf, die Länder Afrikas auf die Vogelgrippe vorzubereiten. Information der Öffentlichkeit oder eine rasche Entwicklung von Programmen zur Überwachung der Haustiere und der Wildvögel sollten nach Meinung der Konferenzteilnehmer ganz oben auf der Agenda stehen.

„Gerade die Vogelgrippe und ihre mögliche Verbreitung durch den Vogelzug macht deutlich, dass die internationale Zusammenarbeit zum Schutz des Menschen und der Natur dringlicher denn je ist“, kommentierte Bundesumweltminister Jürgen Trittin den Konferenzbeschluss. Die Delegierten aus 52 Ländern sowie von wissenschaftlichen und Nicht-Regierungsorganisationen waren sich einig, dass Tötungsmaßnahmen oder die Zerstörung bekannter Lebensräume von Wildvogelpopulationen zur Verhinderung der Ausbreitung der Epidemie nutzlos sind.

Auch Menschen von Ansteckung bedroht?
Fast überall in den gefährdeten Ländern mangelt es jedoch an Möglichkeiten Hausgeflügel vor dem gefährlichen H5N1-Virus der Zugvögel zu schützen. Hühner oder Enten leben auf der Straße oder sonst wo im Freien und können aus Geldmangel weder „aufgestallt“ noch anderweitig abgeschottet werden. Bis es zu einer Übertragung der Geflügelpest von den Wildvögeln auf das Hausgeflügel kommt, ist nach Ansicht von vielen Experten daher nur eine Frage der Zeit.

Da die Bevölkerung oft mit den Zuchttieren auf engstem Raum zusammenlebt, ist auch eine Ansteckung von Menschen vermutlich kaum zu verhindern.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Vogelgrippe
Vom Tiervirus zur tödlichen Gefahr für den Menschen
Emerging diseases auf dem Vormarsch
Vogelgrippe ein „alter Hut“?
Gefahr für Mensch und Tier
Ablauf der Infektion
Immer weiter Richtung Westen?
H5N1 erobert Europa
„Knast“ für Hühner
Angst vor der Vogelgrippe in Deutschland
H5N1 wandert weiter
Auch Afrika bedroht
Reale Gefahr oder Hysterie?
Die Bedrohung durch die Vogelgrippe
Holland in Not
Seuchenalarm in Mitteleuropa
Todesursache Vogelgrippe
Weitergabe des Virus von Mensch zu Mensch möglich
Warnung vor dem „Killervirus“
Droht eine neue weltweite Grippewelle?
Die Pandemie kommt…
...aber wann?
Letzte Rettung Tamiflu
Ein Grippemittel macht Karriere
Schlechte Karten im Ernstfall?
Das Geschäft mit der Vogelgrippe
Alles wird gut?!
Streit um den Nationalen Pandemieplan
Wie alles begann…
H5N1 erobert Hongkong
und mehr...
Zum Weiterlesen
Links und Literatur
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen