Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Montag, 21.05.2012
Tagebau in aller Welt
Sibirische Diamanten und chilenisches Kupfer

Nicht nur die Braunkohle wird im Tagebau gefördert. Weltweit werden auch andere, oberflächennah lagernde Rohstoffe auf diese Weise gewonnen. Häufig unter widrigen Bedingungen und ohne anschließende Rekultivierung:

Diamantenkrater in Sibirien 
Diamantenkrater in Sibirien
© Andreas Heitkamp
Tatort Mirny, mitten im sibirischen Jakutien. Der nördliche Polarkreis ist nicht weit entfernt, die Winter unter 60 Grad kalt und die kurzen Sommer über 25 Grad warm. Der Permafrostboden ist hier noch stellenweise über 1.000 Meter mächtig und wenn dieser im Sommer oberflächennah antaut, geraten auch schon einmal die Häuser in der entstehenden Schlammwüste ins Rutschen. Für Mitteleuropäer wäre ein Leben unter solchen Bedingungen undenkbar. Und doch leben 40.000 Menschen in dieser Bergbaustadt, nur über einen Transportflughafen mit dem Rest des Landes verbunden. Der Grund: im Boden verbirgt sich eines der größten Diamantenvorkommen der Welt.

Eiskalte Diamanten
Die Dimensionen des Tagebaukraters sind ebenso gigantisch wie die Gegend abgelegen ist: Fast zwei Kilometer misst das kreisrunde Loch an der Oberfläche und ist zugleich über 700 Meter tief. Serpentinenartig führt eine Geröllpiste am Rande des Trichters in den Schlund hinab. Immer wieder lösen sich kleine Gerölllawinen, wenn die Lastwagen ihre Fracht vom Grund des Kraters hinaufbefördern. Für die acht Kilometer Kurvenfahrt benötigen die Fahrer knappe 25 Minuten. Auch im Winter wird gefördert, bei fast 70 Grad Minus im Krater halten die Arbeiter nur 15 Minuten durch, dann gibt es 15 Minuten Pause. Gefahrenvoll ist die Arbeit, doch beklagen tun sich nur wenige. Immerhin bezahlt die Fördergesellschaft Alrosa ihre Mitarbeiter pünktlich, fast schon eine Seltenheit in Russland.

Staubiges Kupfer
Ganz andere Bedingungen herrschen in der Kupfermine Chuquicamata, nahe dem südlichen Wendekreis. Hier, mitten in der chilenischen Atacama-Wüste, hat es seit Jahrzehnten nicht einen Tropfen geregnet. Staub hängt in der Luft und macht das Atmen schwer. Die Mine liegt auf 3.000 Meter Höhe, was für die industrielle Rohstoffgewinnung fast schon Weltrekord ist. Diesen Titel kann die Mine für ihre Größe jedoch mit Sicherheit beanspruchen: Denn mit elf Quadratkilometern Ausdehnung und einer Tiefe von über 700 Metern ist dies der größte Tagebaukrater der Welt.

 Lastwagen in Chuquicamata
Lastwagen in Chuquicamata
© Andreas Heitkamp
Täglich werden am Grund der Grube über 600.000 Kubikmeter erzhaltiges Gestein gesprengt und dann über Serpentinen an die Oberfläche gefahren werden. Die hierbei eingesetzten Laster können bis zu 300 Tonnen Ladung aufnehmen und wirken trotzdem verloren in der großen Mine. Verarbeitet werden die Gesteinsmengen direkt vor Ort, eine große Fabriklandschaft unterbricht das eintönige rostbraun des Wüstensandes. Chile gilt als größter Kupferproduzent der Welt, zeitweise hatte der Verkauf des Kupfererzes einen Anteil von mehr als 80 Prozent an den gesamten Deviseneinnahmen des Landes. Die Arbeit gilt als kräftezehrend und gesundheitsschädlich, wird aber für chilenische Verhältnisse gut entlohnt.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Garzweiler II
Ein Tagebau sorgt für Aufregung
Politischer Zündstoff
Siebzehn Jahre Streit
Tagebau im Wohngebiet
Zwangsumsiedlung von Otzenrath
Feuchtgebiete am Tropf
Auswirkungen auf die Landschaft
Rekultivierung
Landschaftskunst oder nur Kulisse?
Schaufelnde Riesen
Förderung im Tagebau
Qualmende Stromerzeugung
Verwertung der Braunkohle
Alles wegen der „Kohle“
Braunkohle als Wirtschaftsfaktor
Riesenfarne am Niederrhein
Wie die Braunkohle entstand
Tagebau in aller Welt
Sibirische Diamanten und chilenisches Kupfer
und mehr...
Zum Weiterlesen
Links und Literatur
Top-Diaschauen
Tiefseegräben
Bernstein
GAU in Fukushima
Das Geheimnis der Elemente
Weltraumschrott
Aktuelle Dossiers
Neutrinos
Den Geisterteilchen auf der Spur
Der unsichtbare Baumeister
Wind als Urheber von Staubstürmen, Singdünen und Felskulpturen
Der virtuelle Patient
"Gesundheit 2050" - Preisgekrönter Beitrag zum Essay-Wettbewerb
Informationsspeicher Gehirn
Den Mechanismen des Lernens auf der Spur
Titanic: Untergang eines Mythos
Spurensuche hundert Jahre nach der Katastrophe
Kräfte zwischen Kern und Kruste
Der Entstehung des Süddatlantik auf der Spur
Lego mit Lebensbausteinen
Was ist synthetische Biologie?
Bestens eingefügt
Anpassung an einen Lebensraum – die Schleiereule als Modelltier
Die zivilen Verwandten der Seekrieger
Ein echter Knochenjob
CeBIT 2012
Neues aus der Welt des digitalen Arbeitens und Lebens