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Freitag, 10.02.2012
Wolkenschleier und Asteroiden
Radioastronomie im Sonnensystem

Normalerweise versteckt sich die Venus, der heiße Schwesterplanet der Erde, hinter einem dichten Wolkenschleier. Optische Teleskope haben keine Chance, bis zur Oberfläche des Planeten durchzudringen, die einzige Möglichkeit für Beobachtungen bieten daher Radar-und Radioastronomische Untersuchungen. Unter anderem deshalb birgt die rund 50 Millionen Kilometer von der Erde entfernte Venus noch immer weitaus mehr Rätsel als der vergleichsweise "nackte" und leicht zugängliche Mars.

Venusoberfläche aus Radardaten modelliert 
Venusoberfläche aus Radardaten modelliert
© NASA
Den ersten und bisher letzten näheren Einblick verschaffte den Planetenforschern vor rund zehn Jahren die Raumsonde Magellan, die die Venus umkreiste und dabei deren Oberfläche mittels Radar kartierte. Doch die "heiße" Schwester der Erde ist keineswegs statisch, sondern geologisch äußerst aktiv - inzwischen könnte ihre Oberfläche vollkommen anders aussehen. Gewaltige Vulkanausbrüche, Erdrutsche und andere Prozesse formen das Gesicht des Planeten fortwährend um.

Doch dank eines neuen Radioteleskops in West Virginia haben Astronomen und Planetenforscher nun die Möglichkeit, erneut hinter die Wolkenschleier der Venus zu blicken. Das neue, im Jahr 2000 offiziell in Betrieb genommene Green Bank 100 Meter-Teleskop ist nicht nur das größte bewegbare Radioteleskop der Welt, es läßt sich auch mit dem Radioteleskop von Arecibo so zusammenschalten, dass beide ihre Auflösung kombinieren.

In einem ersten Versuch wurde starkes Radarsignal von Arecibo zur Venus gesendet und die reflektierte Strahlung von beiden großen Radioteleskopen aufgefangen. Die resultierenden Aufnahmen zeigen die Venusoberfläche mit einer Auflösung, die Bodenstrukturen auf einen Kilometer genau abbildet. Wenn die Radioastronomen mithilfe der Interferometrie die Signale beider Teleskope kombinieren, können sie sogar Höhenmessungen der Oberfläche vornehmen, die selbst die Genauigkeit der Orbit-Messungen der Magellansonde übertreffen.

Noch genauere Messungen gelange den beiden kombinierten Radioteleskopen im März 2001, als beide ihre "Ohren" auf einen vergleichsweise winzigen, nur 150 Meter großen Asteroiden richteten, der in achtfacher Mondentfernung an der Erde vorbeiflog. Die Radiobilder des Asteroiden zeigten Details von nur 15 Metern auf seiner Oberfläche und halfen bei der Bestimmung seiner Rotationsperiode.

"Ein so großes Teleskop nutzen zu können, um die Radarechos von Planeten oder kleinen Asteroiden zu empfangen wird ein echter Fortschritt für die Erforschung des Sonnensystems mithilfe von Radio- und Radarwellen sein", erklärt der Leiter des Forschungsteams der amerikanischen Cornell Universität.

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