Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Mit Satelliten und U-Booten
Die Verbreitung des Meereises

Wenn das Meereis in den Polarregionen seine maximale Ausdehnung erreicht hat, sind fast zehn Prozent der ozeanischen Fläche von Eis bedeckt. Anders als bei den Eismassen beispielsweise auf dem antarktischen Festland ist die Eisbedeckung der Ozeane jedoch starken saisonalen Schwankungen unterworfen.

Im Nordpolarmeer, einem tiefen Ozeanbecken zwischen Sibirien und Nordamerika, sind selbst im arktischen Sommer nie weniger als sieben Millionen Quadratkilometer von Packeis bedeckt. Wenn in den Wintermonaten das Eis seine maximale Ausdehnung erreicht hat, liegen bis zu 14 Millionen Quadratkilometer der Meeresoberfläche unter einer Eisdecke. Die Bundesrepublik Deutschland mit einer Fläche von 357.000 Quadratkilometern würde dieses Gebiet fast 40 mal ausfüllen.

Die jahreszeitlichen Schwankungen der Eisbedeckung im Antarktischen Ozean 
Die jahreszeitlichen Schwankungen der Eisbedeckung im Antarktischen Ozean
© Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung
Noch größer als im Nordpolarmeer sind die Unterschiede zwischen der jahreszeitlichen Ausdehnung des Packeises in der Antarktis. Das Südpolarmeer, das den antarktischen Kontinent wie einen Gürtel umgibt, ist im Februar, wenn der Südsommer sich seinem Ende zuneigt, auf einer Fläche von 14 Millionen Quadratkilometern von Eis bedeckt. Wenn der Herbst einsetzt, gefriert das Meer mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit. Jede Minute verwandeln sich dann fast sechs Quadratkilometer Meeresfläche in Eis. Gegen Ende des Winters auf der Südhalbkugel, im September, bedeckt der Eisgürtel die riesige Fläche von 20 Millionen Quadratkilometern, doppelt soviel wie die Fläche der USA. Die Dicke des antarktischen Meereises beträgt durchschnittlich einen Meter, wobei das Schelfeis an den Rändern des Kontinents viel dicker werden kann. Im Nordpolarmeer kann das Packeis Mächtigkeiten von mehreren Metern erreichen.

Die Eisdicke kann lokal sehr variabel sein. Vor allem bestimmt die mittlere, jährliche Windrichtung die Dickenverteilung. Im Nordpolarmeer weht der Wind so, dass das Eis hier gegen die kanadische und grönländische Küste gedrückt wird. Auf diese Weise türmt es sich an den betroffenen Küstenabschnitten auf und erreicht Dicken von mehr als sechs Meter, was weltweit unübertroffen ist. An den Küsten Sibiriens wird das Eis selten mehr als zwei Meter dick. In der Antarktis werden nicht so große Eisdicken erreicht. In der Weddellsee driftet das Eis durch Strömungen und Wind im Uhrzeigersinn, so dass es an der Küste der Antarktischen Halbinsel mehr als zwei Meter dick wird. Auf dem offenen Meer werden aber selten mehr als ein Meter Dicke erreicht. Die Wissenschaftler können Eisdicke und auch Eisausdehnung anhand von Satellitenaufnahmen bestimmen.

Eine andere Methode zur Bestimmung der Dicke des Packeises stammt noch aus der Zeit des Kalten Krieges. Amerikanische und sowjetische U-Boote unternahmen regelmäßig Patrouillenfahrten unter dem Eis des Nordpols. Um im Notfall schnell auftauchen zu können, wurde ständig die Eisdicke mithilfe des Sonars gemessen. Auf diese Weise wurde die Eisdicke des Nordpolarmeers im Lauf der Zeit kartiert und diese Daten werden mittlerweile auch den zivilen Wissenschaftlern zur Verfügung gestellt.

Außer im Nord- und Südpolarmeer tritt winterliches Meereis noch in der Ostsee und im Ochotskischen Meer an der Ostküste Sibiriens auf. Hier kann sich das Eis nach Süden bis an die Nordküste Japans ausdehnen. Die geographische Breite beträgt hier circa 45 Grad Nord, auf der gleichen Breite liegt ungefähr die Atlantikküste Frankreichs. Daran wird deutlich, welche außergewöhnliche Rolle der Golfstrom für die mittel- und nordeuropäischen Küsten spielt. Hammerfest in Norwegen, die nördlichste Stadt der Welt, liegt nahe des 70. Breitengrads, der sich quer durch Nordsibirien, das arktische Kanada und Grönland zieht. Trotzdem ist das Nordmeer hier ganzjährig eisfrei, während es an anderen Orten, zum Beispiel bei Grönland, schon viel weiter südlich zufriert. Ohne Golfstrom wären wohl weite Teile der nordeuropäischen Küstenregionen im Winter von den Weltmeeren abgeschnitten und Russland hätte keinen eisfreien Hafen im Nordatlantik, was enorme strategische Bedeutung hat.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Meereis
Wimmelndes Leben in salzigen Kanälen
Mit Satelliten und U-Booten
Die Verbreitung des Meereises
Von Körnchen und Pfannkuchen
Wie entsteht Meereis?
Ein riesiger Filter
Wodurch sammeln sich die Organismen im Eis?
Kalt, dunkel und salzig
Die Lebensbedingungen im Eis
Der heimliche Herrscher im Meereis
Die Kieselalgen
Überleben im Meereis
Der Diatomeen-Trick: Optimale Anpassung an eisige Kälte
Giftblüte und Meeresleuchten
Dinoflagellaten sind die zweithäufigsten Einzeller im Eis
Winzige Jäger mit Schneckengehäuse
Die Foraminiferen
Die Psychrophilen mögen es kalt
Biochemische Strategien zum Überleben im Gefrierschrank
Kleine Krebse und Eisfische
Die Artenvielfalt im Meereis
Eine ganz besondere Form von "Meereis"
Eisberge stammen von Gletschern ab
Wie ein gigantischer Spiegel
Die Bedeutung des Meereises für unser Klima
Der Nordpol fällt ins Wasser
Die Dynamik des Meereises
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen