Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Sonntag, 21.03.2010
Über die Grenzen hinaus....
Auf der Suche nach Alternativen

Ein Computer braucht im Prinzip nur zwei Bauteile: eines zum Speichern von Information und eines zur Verarbeitung der gespeicherten Information. Dieses, schon in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts durch Alan Turing und andere Pioniere des Computerzeitalters erkannte Prinzip, ist der Ansatzpunkt für die Suche nach Alternativen zur Siliziumtechnologie.

 Chip mit Transistoren
Chip mit Transistoren
© DOE
Zwei Computerwissenschaftler, die sich an dieser Suche beteiligen, sind Charles Bennett und Rolf Landauer vom IBM-Forschungslabor im amerikanischen Bundesstaat New York. Seit mehr als einem Jahrzehnt beschäftigen sie sich mit den grundsätzlichen Bedingungen und Grenzen von Rechenvorgängen. Dem scheinbar so einfachen Zweischritt - Speichern und Verarbeiten - rücken sie dabei mit Fragen wie: Was ist - physikalisch gesehen - der kleinstmögliche Apparat, auf dem Rechenvorgänge ablaufen können? Welche Rolle spielen dabei die Thermodynamik und Quanteneffekte? Gibt es ein Mindestmaß an Energie für Rechenoperationen? zu Leibe.

Ausgehend von theoretischen Überlegungen und physikalischen Grundregeln suchten Bennet und Landauer dabei unter anderem nach Möglichkeiten, die bei herkömmlichen Berechnungen unweigerlich anfallende Reibungswärme zu reduzieren. Ihre Frage: Gibt es ein Rechenmodell, dass reibungslos und reversibel funktioniert? Ihre Antwort: Theoretisch schon.

Um dies zu beweisen rechneten die beiden Forscher mit Billardkugeln, mikroskopisch kleinen Teilchen und sogar bestimmten Enzymen des Stoffwechsels - allerdings leider nur in der Theorie. Die eigentliche Frage nach einem auch in der Praxis gangbaren Weg blieb offen. "Bis jetzt ist es einfacher, diese Fragen zu stellen, als sie zu beantworten", lautet dementsprechend auch der Kommentar der beiden Wissenschaftler.

Doch diese und andere theoretische Überlegungen bildeten die entscheidende Grundlage für andere Forscher, die die ersten experimentellen Schritte unternahmen. Dazu angeregt, auch in den scheinbar entferntesten und "untechnischsten" Gebieten nach Lösungen zu suchen, entwickelten Wissenschaftler innerhalb kurzer Zeit gleich mehrere völlig unterschiedliche Ansätze. Während die einen in DNA, Enzymen und anderen Biomolekülen die Hardware der Zukunft sehen, wollen andere die Quanteneffekte, die die Siliziumtechnologie begrenzt, zähmen und zu Rechenoperationen nutzen.

Noch ist keine dieser Technologien weit genug entwickelt, um die heutigen Silizium-basierten Rechner ablösen zu können, aber schon jetzt prophezeien Experten, dass solche exotisch anmutenden Technologien eines Tages zum Alltag gehören könnten.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Computer der Zukunft
Rechnen mit Quanten, Licht und DNA
Immer kleiner, immer schneller...
Wo liegen die Grenzen der heutigen Computerarchitektur?
Über die Grenzen hinaus....
Auf der Suche nach Alternativen
Rechnen mit Atomen...
Wo Moores Gesetz endet, beginnt die Quantentechnologie
An zwei Orten zugleich...
Geheimnisse der Quantenwelt
Weder Null noch Eins oder beides zugleich...
Das Prinzip des Quantenbits
"Ups" und "Downs" in Chloroform
Wie rechnet ein Quantencomputer?
Messen ohne hinzuschauen...
Hindernisse auf dem Weg zum Quantencomputer
Aus dem Werkzeugkasten der Natur...
Rechnen mit Biomolekülen
"Donnerwetter, die Dinger können ja rechnen!"
Ein Enzym als Rechenmaschine
Eine spezielle Aufgabe für die DNA...
Das Problem eines Handlungsreisenden
Man nehme einen Teelöffel voll DNA...
Adlemans DNA-Rechenexperiment
Sieben Städte in sieben Tagen...
Suche nach der Nadel im Heuhaufen
DNA so schwer wie die Erde...
Hindernisse auf dem Weg zum DNA-Computer
Kein PC aus Reagenzgläsern...
Mögliche Anwendungen eines DNA-Computers
Leuchtende Computerwelten...
Licht als Informationsträger und Datenspeicher
Die schnellen Energiefresser
Der Stand der Forschung bei optischen Computern
Top-Diaschauen
Hypatia von Alexandria
2012 und die Maya
Erdbeben
Plastikmüll
Schatzkammer Ozean
Aktuelle Dossiers
Hypatia: Tod für die Wissenschaft
Die berühmteste Gelehrte des antiken Alexandria wird wiederentdeckt
Die Wetter-Zurücksage
Wie die Vergangenheit hilft, die zukünftige Reaktion des Klimasystems vorherzusagen
Wunderwelt Ozean
Zehn Jahre Volkszählung im Meer - „Census of Marine Life“
Strom aus der Salzkraft
Osmose-Kraftwerke: von der Vision zur Wirklichkeit
Vancouver 2010
Wie sauber sind die Winterspiele?
Honigbienen: Superhirn im Überlebenskampf
Wie Parasiten, Krankheit und Gift die Fähigkeiten der sozialen Insekten beeinträchtigen
Apophis: Asteroid auf Erdkurs
Einschlag oder knapp daneben? 2029 entscheidet
Vormenschen
Zu Besuch bei Ardi, Lucy & Co
Smarte Etiketten
Auf dem Weg zum “Internet der Dinge”
Der Kommunikations-Code
Die Vielfalt der Sprachen