Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 19.03.2010
DNA so schwer wie die Erde...
Hindernisse auf dem Weg zum DNA-Computer

Mit seiner Berechnung des Hamiltonschen Weges für sieben Knoten hatte Adleman erfolgreich bewiesen, dass DNA im Prinzip mathematische Probleme lösen kann. Doch sein primitiver "Rechner" war noch weit davon entfernt, den siliziumbasierten Systemen auch nur annähernd das Wasser reichen zu können, geschweige denn, sie zu überflügeln.

DNA und Erde 
DNA und Erde
© Schmidt-Denter/NASA
DNA-Computer dieser Art schaffen es zwar, innerhalb von nur einer Sekunde mehr Rechenoperationen durchzuführen als jeder Supercomputer, da sie im Gegensatz zu herkömmlichen Rechnern nicht jede Aufgabe einzeln und nacheinander angehen, sondern alle Lösungsmöglichkeiten in Molekülform fast gleichzeitig und in großen Mengen produzieren. Aber bei komplexeren mathematischen Aufgaben liegt genau hier auch das Problem: Schon bei einem Hamilton-Problem mit 200 Knotenpunkten würden die auf diese Weise erzeugten DNA-Sequenzen mehr wiegen als die gesamte Erde.

Für die DNA-Computerforscher tut dies jedoch dem grundsätzlichen Potential der Technologie keinen Abbruch. Sie sind fest davon überzeugt, dass mit dem Voranschreiten der Biotechnologie auch hier eine Lösung gefunden werden kann. Schließlich, so ihr Argument, waren auch "Vorfahren" der heutigen Rechner einst tonnenschwere, raumfüllende Monster. Und das heute noch langsame und mühsame Aussortieren der richtigen Lösung aus den Millionen falschen Sequenzen könnte, so hoffen sie, in Zukunft ebenfalls deutlich beschleunigt werden.

Ein weiterer begrenzender Faktor ist die Fehleranfälligkeit des Systems. Schon bei der DNA-Vervielfältigung in lebenden Zellen passieren hin und wieder Fehler. Die DNA-Polymerase lagert die falsche Base an, eine Sequenz wird aus Versehen rausgeschnitten oder verdoppelt - solche Mutationen können die in der DNA gespeicherte Information stören oder sogar völlig unleserlich machen. In lebenden Systemen werden solche Störungen jedoch zum großen Teil abgepuffert oder repariert. In einem DNA-Computer allerdings gibt es diese Reparaturmechanismen nicht. Da jeder DNA-Schnipsel vielfach abgelesen und vervielfältigt oder angelagert wird, pflanzt sich auch eine Mutation entsprechend unkontrolliert fort. Bei mehr als 100 Wiederholungen hätte man im Extremfall bereits mehr fehlerhafte Stränge als richtige.

Doch auch hier verweisen Adleman und seine Kollegen auf die Fortschritte, die die DNA-Technologie allein in den letzten fünf Jahren erreicht hat. Schon heute arbeiten zahlreiche Firmen in aller Welt an immer schnelleren, immer genaueren Verfahren zur Sequenzierung, Vermehrung und Manipulation von DNA, und die ersten Arbeitsgruppen aus Informatikern und Molekularbiologen beschäftigen sich mit Techniken zur Fehlerkontrolle und -reduktion.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Computer der Zukunft
Rechnen mit Quanten, Licht und DNA
Immer kleiner, immer schneller...
Wo liegen die Grenzen der heutigen Computerarchitektur?
Über die Grenzen hinaus....
Auf der Suche nach Alternativen
Rechnen mit Atomen...
Wo Moores Gesetz endet, beginnt die Quantentechnologie
An zwei Orten zugleich...
Geheimnisse der Quantenwelt
Weder Null noch Eins oder beides zugleich...
Das Prinzip des Quantenbits
"Ups" und "Downs" in Chloroform
Wie rechnet ein Quantencomputer?
Messen ohne hinzuschauen...
Hindernisse auf dem Weg zum Quantencomputer
Aus dem Werkzeugkasten der Natur...
Rechnen mit Biomolekülen
"Donnerwetter, die Dinger können ja rechnen!"
Ein Enzym als Rechenmaschine
Eine spezielle Aufgabe für die DNA...
Das Problem eines Handlungsreisenden
Man nehme einen Teelöffel voll DNA...
Adlemans DNA-Rechenexperiment
Sieben Städte in sieben Tagen...
Suche nach der Nadel im Heuhaufen
DNA so schwer wie die Erde...
Hindernisse auf dem Weg zum DNA-Computer
Kein PC aus Reagenzgläsern...
Mögliche Anwendungen eines DNA-Computers
Leuchtende Computerwelten...
Licht als Informationsträger und Datenspeicher
Die schnellen Energiefresser
Der Stand der Forschung bei optischen Computern
Top-Diaschauen
Hypatia von Alexandria
2012 und die Maya
Erdbeben
Schatzkammer Ozean
Verlierer Mensch?
Aktuelle Dossiers
Hypatia: Tod für die Wissenschaft
Die berühmteste Gelehrte des antiken Alexandria wird wiederentdeckt
Die Wetter-Zurücksage
Wie die Vergangenheit hilft, die zukünftige Reaktion des Klimasystems vorherzusagen
Wunderwelt Ozean
Zehn Jahre Volkszählung im Meer - „Census of Marine Life“
Strom aus der Salzkraft
Osmose-Kraftwerke: von der Vision zur Wirklichkeit
Vancouver 2010
Wie sauber sind die Winterspiele?
Honigbienen: Superhirn im Überlebenskampf
Wie Parasiten, Krankheit und Gift die Fähigkeiten der sozialen Insekten beeinträchtigen
Apophis: Asteroid auf Erdkurs
Einschlag oder knapp daneben? 2029 entscheidet
Vormenschen
Zu Besuch bei Ardi, Lucy & Co
Smarte Etiketten
Auf dem Weg zum “Internet der Dinge”
Der Kommunikations-Code
Die Vielfalt der Sprachen