Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Mittwoch, 08.02.2012
Sieben Städte in sieben Tagen...
Suche nach der Nadel im Heuhaufen

Adleman hatte nach Abschluss des ersten Schrittes zwar die gesuchte Lösung, aber leider auch einen ganzen "Heuhaufen" aus falschen Antworten drumherum. Entsprechend dem für die technische Lösung des Hamilton-Problems gängigen Algorithmus machte sich Adleman nun daran, zunächst die Stränge mit den richtigen Anfangs- und Endstädten mit der Technik der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) gezielt zu vermehren.

An  
An "Lockmolekül" angedockte DNA-Stränge
© N.Podbregar
Auch wenn er damit die falschen Sequenzen nicht eliminierte, so übertraf nun zumindest die Anzahl der "Nadeln" im Heuhaufen die der "Heuhalme". Unter den Sequenzen mit der richtigen Anfangs- und Zielstadt sortierte Adleman mithilfe der Gel-Elektrophorese nun alle diejenigen Moleküle aus, die kürzer oder länger als genau sieben Stadtsequenzen waren. Übrig blieb ein Gemisch aus DNA-Strängen, die die richtige Länge, die richtigen Start- und Zielpunkte, aber eine unterschiedliche Abfolge von Zwischenstationen aufwiesen. Aus diesen nur diejenigen auszusondern, die jede Stadtsequenz jeweils einmal enthielten, erwies sich als der langwierigste Teil des gesamten Experiments.

Nacheinander setzte Adleman winzige Eisenkugeln mit jeweils einer Sorte von angehängten komplementären Stadtsequenzen als Sonden ein. Die jeweils passenden Sequenzen der Moleküle aus der Lösung lagerten sich an diese "Lockstränge" an und wurden mithilfe eines Magneten im Reagenzglas festgehalten, während der Rest der Lösung weggekippt wurde. Die Lösung wurde wieder aufgefüllt und der gleiche Vorgang mit Eisenkugeln, die die Komplementärsequenz einer weiteren Zwischenstation trugen, wiederholt.

Waren alle möglichen Zwischenstationen einmal durch, durften in der Lösung nur noch die Moleküle übriggeblieben sein, die alle Stadtsequenzen genau einmal trugen, also die Lösung für das "Handlungsreisenden-Problem darstellten. Zu Adlemans Erleichterung war dies tatsächlich der Fall: "Zu meiner Freude ergab die abschließende Analyse, dass die verbliebenen Moleküle tatsächlich den Hamiltonschen Weg darstellten - nach sieben Tagen im Labor war die erste DNA-Berechnung vollendet."

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Computer der Zukunft
Rechnen mit Quanten, Licht und DNA
Immer kleiner, immer schneller...
Wo liegen die Grenzen der heutigen Computerarchitektur?
Über die Grenzen hinaus....
Auf der Suche nach Alternativen
Rechnen mit Atomen...
Wo Moores Gesetz endet, beginnt die Quantentechnologie
An zwei Orten zugleich...
Geheimnisse der Quantenwelt
Weder Null noch Eins oder beides zugleich...
Das Prinzip des Quantenbits
"Ups" und "Downs" in Chloroform
Wie rechnet ein Quantencomputer?
Messen ohne hinzuschauen...
Hindernisse auf dem Weg zum Quantencomputer
Aus dem Werkzeugkasten der Natur...
Rechnen mit Biomolekülen
"Donnerwetter, die Dinger können ja rechnen!"
Ein Enzym als Rechenmaschine
Eine spezielle Aufgabe für die DNA...
Das Problem eines Handlungsreisenden
Man nehme einen Teelöffel voll DNA...
Adlemans DNA-Rechenexperiment
Sieben Städte in sieben Tagen...
Suche nach der Nadel im Heuhaufen
DNA so schwer wie die Erde...
Hindernisse auf dem Weg zum DNA-Computer
Kein PC aus Reagenzgläsern...
Mögliche Anwendungen eines DNA-Computers
Leuchtende Computerwelten...
Licht als Informationsträger und Datenspeicher
Die schnellen Energiefresser
Der Stand der Forschung bei optischen Computern
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen