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Sonntag, 18.11.2018
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Was tun?

Welche Waffen hat die Medizin gegen neue Seuchen?

Emerging Diseases sind unberechenbar. Niemand weiß im Vorhinein, wo und wann der nächste Ausbruch einer neuen Seuche droht und welcher Art diese Krankheit sein wird. Noch während Sie dies lesen, könnte irgendwo auf der Welt ein Mensch der "Patient Zero" einer neuen Epidemie oder gar Pandemie werden.

Eine Maßnahme zu Epidemie-Eindämmung: das Fiebermessen am Flughafen

Was tun bei einem Ausbruch?


Zwar sorgen weltweite Meldesysteme und Organisationen wie die WHO oder die US Seuchenbehörde CDC dafür, dass lokale Ausbrüche neuer Krankheiten möglichst schnell erkannt und untersucht werden. Um die Ausbreitung zu stoppen, werden dann vor allem Quarantäne-Maßnahmen eingeleitet, wie beispielsweise bei der Ebola-Epidemie in Westafrika im Jahr 2014. Auch Fiebermessungen in Flughäfen sollen dafür sorgen, dass infizierte Reisende erkannt werden.

Doch oft sind diese Maßnahmen nicht lückenlos – oder kommen zu spät. Denn dank des Flugverkehrs und der weltweiten Vernetzung von Handel, Gütern und Dienstleistungen ist heute selbst der entlegenste Ort der Erde nur maximal eine Tagesreise von den dicht besiedelten Metropolen und Bevölkerungszentren entfernt. "Die Welt ist ein kleiner Ort: Es ist heute sehr leicht, an einem Tag im Dschungel Afrikas oder Südamerikas zu sein und am nächsten in einer Großstadt der westlichen Welt", erklärte der US-Infektionsforscher Amesh Adalja unlängst gegenüber CNN.

Ebola-Impfung in Liberia – dieser Impfstoff kam für die Epidemie von 2014 leider zu spät.

Medizin hinkt hinterher


Ein weiteres Problem: Bei den meisten Emerging Diseases hinkt die Medizin hinterher. Vor allem, wenn der neue Erreger ein Virus ist, existiert meist noch kein wirksames Heilmittel und auch keine Impfung. Doch bis diese entwickelt werden, kann es Monate bis Jahre dauern. Für die aktuelle Epidemie kommen diese Mittel daher meist zu spät. Sie können aber helfen, künftige Ausbrüche einzudämmen – ein Beispiel dafür ist der nach der Epidemie in Westafrika entwickelte Ebola-Impfstoff.

Und selbst wenn die neue Seuche nur eine Variante längst bekannter Erreger ist, kommt die Medizin nicht immer dagegen an. Im Fall der sogenannten "Schweinegrippe" hatten die Ärzte immerhin noch Glück im Unglück: Weil es sich um eine rekombinierte Form schon bekannter Influenza-Viren handelte, wirkten die antiviralen Arzneimittel Tamiflu und Relenza gegen die Infektion. Dennoch starben im Jahr 2009 an dieser Pandemie weltweit mehr als 200.000 Menschen.

"Der Kampf gegen Infektionskrankheiten ist ein kontinuierlicher Prozess", erklären David Morens und Anthony Fauci von den US National Institutes of Health. "Jede neue Krankheit bringt einzigartige Herausforderungen mit sich und zwingt uns dazu, uns an sich ständig verändernde Bedrohungen anzupassen. Wir gewinnen schon, wenn wir gegenüber der nächsten neuen Infektionskrankheit halbwegs die Nase vorn haben."

Hotspots: Ausbruchsrisiko neuer Infektionskrankheiten in verschiedenen Regionen weltweit

Hotspots: Ausbruchsrisiko neuer Infektionskrankheiten in verschiedenen Regionen weltweit

Wo liegen die Hotspots?


Klar scheint: Verhindern lässt sich das Auftreten von Emerging Diseases nicht. Um im Ernstfall besser vorbereitet zu sein, versuchen Epidemiologen jedoch, mögliche Hotspots der Seuchenentstehung schon im Vorhinein zu identifizieren. "Wenn wir damals schon den Kongo im Blick gehabt hätten – die dortigen Menschenaffen und die Menschen – dann hätten wir vielleicht HIV erkannt, bevor es zur Pandemie wurde", sagt Toph Allen von der EcoHealth Alliance.

Damit Ausbrüche künftig schneller erkannt werden, haben die EcoHealth-Forscher 2017 eine neue Karte der Hochrisikozonen für zoonotische Infektionskrankheiten erstellt. Demnach ist die Gefahr für das Auftreten neuer Zoonosen vor allem in Asien sehr hoch. Länder wie Indien, Bangladesch und China gelten vor allem wegen der hohen Bevölkerungsdichte und dichter, immer weiter gerodeter Wälder als Hotspots. Aber auch einige Gebiete in Zentralafrika und Mittelamerika stufen die Wissenschaftler als potenzielle Ausbruchsorte neuer Seuchen ein.

"Unsere Hotspots-Karte ist aber kein Grund zur Panik", betonen die Forscher. "Stattdessen sollte sie Virenjägern als Wegweiser zu den Gebieten dienen, in denen sie am meisten gebraucht werden."
Nadja Podbregar
Stand: 02.11.2018
 
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