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Donnerstag, 20.09.2018
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Ist der Klimawandel schuld?

Von Einzelereignissen, Häufigkeiten und Prognosen

Ist dieser Hitzesommer noch "normal"? Oder erleben wir hier schon ein Symptom des Klimawandels? Das dürften sich momentan wohl viele Menschen fragen. Dummerweise ist die Antwort darauf nicht ganz so einfach – wie fast immer, wenn es um Wetter und Klima geht.

Hitzewellen sind schon jetzt häufiger - und das geht zum großen Teil auf unser Konto

Zufall oder nicht?


Das Problem: Wetter und Klima sind durch große natürliche Schwankungen gekennzeichnet. Ob ein Einzelereignis wie dieser Hitzesommer nur eine dieser normalen Variationen ist oder nicht, ist deswegen kaum nachweisbar. Wer argumentiert: "Früher hat es auch schon heiße Sommer gegeben", hat durchaus recht. Aber: Entscheidend ist, wie oft solche Hitzeextreme auftreten. Mutiert ein "Jahrtausendsommer" zu einer alle paar Jahre auftretenden Routine, dann steckt mehr dahinter als nur Zufall.

"Ich bin mir relativ sicher, dass wir diese Hitzewelle, die wir momentan haben, ohne den Klimawandel nicht hätten", sagt Klimaforscherin Johanna Hay vom Imperial College London. "Natürlich lässt sich das so nicht direkt beweisen. Aber wir können mit Sicherheit sagen, dass solche früher außergewöhnlichen Ereignisse inzwischen immer häufiger geworden sind." Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) nennt konkrete Zahlen: "Hierzulande haben wir heute im Schnitt doppelt so viele Hitzetage mit einer Maximaltemperatur über 30 Grad als noch in den 1980er Jahren."

75 Prozent sind "hausgemacht"


Dass Hitzewellen inzwischen mehr als nur natürliche Ausreißer sind, haben Forscher bereits 2015 in einer Studie nachgewiesen. Demnach gehen rund 18 Prozent der Starkregen und 75 Prozent der Hitzeextreme weltweit auf das Konto der anthropogenen Erwärmung – und sind damit quasi hausgemacht. "Bei einer zurzeit gemessenen Erwärmung von 0,85°C ist die Wahrscheinlichkeit von Hitzeextremen über Land fünf Mal höher als in präindustriellen Zeiten", so Erich Fischer und Reto Knutti von der ETH Zürich.

Veränderungen in der Häufigkeit und Intensität von Hitzewellen pro Grad Erwärmung.

Auch die Dauer und Häufigkeit von Hitzewellen steigt: Im Herbst 2017 ermittelten Forscher um Peter Gibson vom Climate Change Research Centre in Australien, dass sich je nach Region die Zahl der Hitzetage pro Grad Erwärmung um vier bis 34 Tage verlängern wird. Hitzewellen werden pro Grad im Mittel um zwei bis zehn Tage länger – und ein Grad Erwärmung haben wir bereits.

"In der Summe nur mit dem Klimawandel erklärbar"


"Einzelereignisse können statistisch gesehen zwar keinen Trend bestätigen, aber was wir derzeit an Unwettern und langanhaltender Hitze beobachten, bestätigt die Annahmen der Klimaforscher zu den Folgen der globalen Erwärmung", sagt Fred Hattermann vom PIK. Ähnlich sieht es Paul Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes (DWD): "Wir erleben die letzten Jahre eine Häufung klimatologischer Rekorde, die sich in der Summe nur mit dem Klimawandel erklären lassen."

So brach bisher fast jedes der letzten Jahre neue Klimarekorde und in diesem Jahr sind Mai und Juni die jeweils heißesten und trockensten Monate seit Beginn der Aufzeichnungen. Schon jetzt ist zudem nachweisbar, dass die Monats-Hitzerekorde dank Klimawandel immer schneller fallen. Demnach kommen Rekord-Hitzemonate heute weltweit fünfmal häufiger vor, als es ohne die globale Erwärmung zu erwarten wäre, wie eine Studie unlängst belegte. In Teilen Europas, Afrikas und Süd-Asiens hat sich die Zahl der monatlichen Hitzerekorde sogar schon verzehnfacht.

Bald "Jahrhundertsommer" in Serie?


Hinzu kommt: Nach den "Jahrhundertsommern" 2003 und 2010 ist dies nun schon der dritte Sommer mit langanhaltender und starker Hitze seit Beginn unseres Jahrhunderts. 2015 stellte eine mit einer Rekorddürre verknüpfte Hitzewelle zahlreiche bis heute gültige Temperaturrekorde in Deutschland auf.

Und der Trend wird sich fortsetzen, glaubt man den Prognosen der Klimaforscher. Nach diesen könnten "Jahrhundertsommer" spätestens für unsere Enkel zur Regel werden. Denn in knapp 50 Jahren könnte fast jeder Sommer neue Rekorde brechen.

Das aber heißt: "Neue Rekorde in dem Jahrzehnt ab 2040 werden nicht nur an heutigen Standards gemessen heiß sein: Um als Rekorde zu gelten, müssen sie vielmehr die Rekorde der 2020er und 2030er Jahre noch schlagen, die bereits heißer sein werden als alles, das wir bislang erlebt haben", erklärt Dim Coumou vom PIK. "Und das ist nur der globale Durchschnitt – in einigen kontinentalen Regionen wird die Zunahme neuer Rekorde noch stärker ausfallen."
Nadja Podbregar
Stand: 03.08.2018
 
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