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Montag, 19.11.2018
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Tropenklima in Deutschland

Zu heiß, zu trocken und zu sonnig

Temperaturen von über 30 Grad, kaum Regen und seit Monaten ständig Sonne – gefühlt herrscht hierzulande seit Monaten Dauersommer. Wer kann, flüchtet sich ans Meer oder an den Badesee, alle anderen müssen so gut es geht mit den tropischen Bedingungen klarkommen. Aber ist das deswegen schon ein Jahrhundertsommer?

Tatsächlich hat dieser Sommer bereits einige Rekorde gerissen: Im April und Mai erreichten die Monatstemperaturen für Deutschland neue Rekorde, wie der Deutsche Wetterdienst berichtet. Auch der Juli war heißer und sonniger als im langjährigen Durchschnitt. Nach Abgaben des DWD war der Juli 2018 mit einem Monatsmittel von 20,2 Grad nach 2006, 1994, 1983 und 2010 der fünftwärmste Juli seit Beginn der Messungen. Mit einer Sonnenscheindauer von 305 Tage ist dieser Juli sogar der zweitsonnigste.

Europa trocknet aus: Von Grün zu Braun in nur einem Monat

Extreme Trockenheit


Noch drastischer fällt die Bilanz beim Niederschlag aus: Schon seit Mai hat es viel zu wenig geregnet. Auf Satellitenbildern erscheint inzwischen selbst das normalerweise ganzjährig grüne Mittel- und Nordeuropa bräunlich verfärbt. Und auch im Alltag sind die Anzeichen für die Dürre kaum zu übersehen: Viele Bäume haben schon jetzt angefangen, ihr Laub abzuwerfen, viele Wiesen sind vertrocknet und der Wasserstand in Flüssen und Seen sinkt.

Besonders schwer trifft dies die Bauern: Vor allem im Norden und Osten Deutschlands müssen sie beim Getreide mit bis zu 40 Prozent Ernteeinbußen leben, auch bei Mais und Raps drohen Missernten. Ähnlich schlecht sieht es bei den Kartoffeln aus, weil viele Knollen wegen der Dürre zu klein geblieben sind. Eng wird es zudem für Landwirte, die Futter für Rinder und andere Pflanzenfresser brauchen: Wegen der Trockenheit ist kaum Gras auf Weiden und Grünfutterflächen nachgewachsen. "Die aktuellen Futterreserven drohen knapp zu werden, da der zweite und dritte Schnitt bei Grünland teilweise ausfiel", sagt Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV).

Gefährliches Grün: Algenblüte in einem See.

Kein Badespaß: Algen, Keime und Parasiten


Viele Gewässer in Deutschland kommen an ihre Belastungsgrenzen: Bei Wassertemperaturen von bis zu 28 Grad und niedrigem Wasserstand herrscht in vielen Seen und Flüssen bereits alarmierende Sauerstoffnot. Als Folge mehren sich Fischsterben und auch andere Wasserbewohner drohen zugrunde zu gehen. Um gegenzusteuern, versuchen einige Regionen, durch Sauerstoffpumpen oder das Öffnen von Wehren und Talsperren gegenzusteuern.

Hinzu kommt, dass das warme Wasser das Wachstum von Blaualgen fördert. Viele Badestellen an Seen mussten bereits wegen giftiger Algenblüten geschlossen werden. An der Ostsee sind ebenfalls einige Strände gesperrt worden – hier haben sich zusätzlich Bakterien der Gattung Vibrio vermehrt. Sie können bei immunschwachen Menschen Durchfälle und Wundinfektionen auslösen.

Von der ungewöhnlichen Wasserwärme profitieren momentan auch Parasiten, die viele wohl eher in den Tropen vermuten würden: Zerkarien. Diese Larven von Saugwürmern befallen eigentlich primär Wasservögel und Schnecken, wir Menschen sind für sie Fehlwirte. Dennoch können sich die winzigen Wurmlarven durch die Haut bohren und juckende Hautauschläge verursachen.

Sinkende Pegel


An den großen Flüssen Deutschlands sorgt die Hitze und Trockenheit für ein weiteres Problem: Weil die Pegelstände stark gesunken sind, reicht der Tiefgang für voll beladene Lastkähne nicht mehr aus. So hat der Rhein bei Köln nur noch 1,30 Meter Wassertiefe – normal sind dort rund 3,20 Meter. "Viele Schiffe können derzeit nur noch mit halber Ladung fahren, teilweise sogar mit noch weniger", berichtete das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Köln.

Viel zu trocken: Dürre des Bodens in Deutschland am 28.07.2018

Aber auch in der Elbe, Donau und anderen Schifffahrtstraßen müssen Binnenschiffer ihre Ladung reduzieren und dafür häufiger fahren. Für große Industrieanlagen wie Stahlwerke oder Chemiefabriken, die vorwiegend per Schiff beliefert werden, wird damit der Nachschub an Rohstoffen allmählich schwierig. Die Oder ist wegen zu niedriger Pegelstände inzwischen sogar unpassierbar, ebenso Teile der Elbe.

Betroffen sind auch erste Kraftwerke: Sie müssen wegen der niedrigen Pegel und der Erwärmung des Flusswassers die Leistung drosseln. Ab 28 Grad Wassertemperatur ist dies vorgeschrieben. Damit soll verhindert werden, dass das Kühlwasser den angrenzenden Fluss noch stärker aufheizt. Probleme mit der Stromversorgung sind deshalb aber nicht zu erwarten – auch weil dafür die Photovoltaik boomt. Im ersten Halbjahr wurde im Norden und Osten des Landes gut 20 Prozent mehr Sonnenstrom produziert, wie der dortige Netzbetreiber meldete. In anderen Regionen dürfte es dank der sonnenreichen letzten Monate ähnlich sein.

Aber warum ist ausgerechnet dieser Sommer so tropisch?
Nadja Podbregar
Stand: 03.08.2018
 
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