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Dienstag, 13.11.2018
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Rätselhafte Wurzeln

Ursprung und Vorgeschichte der Vandalen

Sie sind in vieler Hinsicht ein fast vergessenes und noch immer rätselhaftes Volk: Obwohl die Vandalen rund 150 Jahre lang ein wichtiger Akteur im spätantiken Europa waren, weiß man bis heute nur wenig von ihnen.

Tracht der Przeworsk-Kultur, zu der Vandalen ursprünglich gehörten

Einer der Gründe dafür: Schriftliche Aufzeichnungen über das Leben und die Kultur der Vandalen gibt es fast nur von ihren Gegnern – und diese zeichnen meist ein wenig schmeichelhaftes Bild. Vor allem bei den römischen Geschichtsschreibern spielen die barbarischen Vandalen eine prominente und unrühmliche Rolle. Die Sichtweise der Vandalen jedoch bleibt mangels überlieferten Dokumenten oder Inschriften unbekannt. Zudem gibt es nur wenige archäologische Funde, die Aufschluss über Ursprung und Entwicklung dieses Volkes geben.

Bauern und Viehzüchter


Klar scheint: Ursprünglich waren die Vandalen ein Volk von Bauern und Viehzüchtern, wie es sie im Mitteleuropa der römischen Antike viele gab. Im ersten Jahrhundert nach Christus siedelten sie im Gebiet des heutigen Polen an den Ufern der Oder. Etwa aus dieser Zeit stammt auch das erste Zeugnis dieses Volks: Der römische Geschichtsschreiber Plinius der Ältere erwähnt die "Vandili" als einen der germanischen Stämme.

Bis zum dritten Jahrhundert hatten sich die Vandalen nach Süden bis an die Ufer der Theiß und in die Karpaten ausgebreitet. Sie bildeten dort vermutlich einen Teil der ostgermanischen Przeworsk-Kultur. Funde von Graburnen, Gräbern und Siedlungsresten belegen, dass diese Kultur zwar weitgehend bäuerlich geprägt war, es gab aber auch schon Krieger und von den Kelten inspirierte Waffen.

Verbreitungsgebiete der Vandalen und anderer germanischer Volksgruppen um 50 n. Chr.

Verbreitungsgebiete der Vandalen und anderer germanischer Volksgruppen um 50 n. Chr.

Vertrieben von der Völkerwanderung


Mit dem Beginn der Völkerwanderung hatte diese Idylle jedoch ein Ende: Von Nordosten her drängten die Westgoten in das Siedlungsgebiet der Vandalen und zwangen sie immer weiter nach Süden. An der Donau gelangten die Vandalen in römisches Herrschaftsgebiet und lösten gemeinsam mit weiteren südwärts ziehenden Germanenstämmen die Markomannenkriege und später weitere kriegerische Konflikte aus. Im dritten Jahrhundert schließlich sicherte Kaiser Konstantin den Vandalen offiziell ein Siedlungsgebiet in der römischen Provinz Pannonien zu, dem heutigen Westungarn.

Doch auch dieser Friede hielt nicht lange: Um das Jahr 400 stießen die Hunnen von Osten her immer weiter nach Europa vor und vertrieben erst die Westgoten, dann auch die Vandalen. Auch ein Klimawechsel, der die Nahrungsmittel in den östlichen Provinzen knapp werden ließ, trug vermutlich zu diesen Wanderungen bei. Ihrer Heimat beraubt, wurden die Vandalen nun zu einer der vielen Volksgruppen, die während der Völkerwanderung durch Europa zogen – Konflikte waren vorprogrammiert.
Nadja Podbregar
Stand: 20.07.2018
 
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