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Dienstag, 13.11.2018
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Die Dolly-Methode

Von geklonten Steinböcken und Gendatenbanken

Die Klontechnik stellt eine weitere Methode dar, mit deren Hilfe ausgerottete Tierarten ins Leben zurückgeholt werden könnten. Mit Schaf "Dolly" fing am 5. Juli 1996 alles an: Seine Geburt bewies, dass die Erzeugung von Klonen aus bereits ausdifferenzierten Körperzellen von Säugetieren möglich ist.

Klonschaf Dolly: Mit ihm fing vor gut 20 Jahren alles an.

Klonschaf Dolly: Mit ihm fing vor gut 20 Jahren alles an.

Für diesen sogenannten somatischen Zellkerntransfer wird der Nucleus einer Körperzelle entnommen und in eine entkernte Eizelle verpflanzt. Dort wird er durch die Umgebung reprogrammiert und in einen undifferenzierten Zustand versetzt. Als Folge kann sich aus der Zelle ein Embryo entwickeln. Das Lebewesen, das daraus entsteht, ist eine genetische Kopie des Zellkernspenders.

Gewebe aus dem Eis


Inzwischen haben Wissenschaftler auf diese Weise bereits Schweine, Rinder, Mäuse, Hunde und zuletzt sogar Affen geklont. Warum sollten sie sich nicht auch einmal an einem ausgestorbenen Tier versuchen? Der Vorteil: Anders als bei einer Rückzüchtung wäre das Ergebnis tatsächlich ein genetisches Abbild anstatt lediglich eine Annäherung. Der Nachteil: Ein Klonversuch ist nur mit weitestgehend intakten Zellen der ausgerotteten Art möglich.

Zum Glück für erst in jüngster Vergangenheit von der Erde verschwundene Spezies lassen sich solche Zellen aus eingefrorenen Gewebeproben gewinnen – so bereits geschehen beim Pyrenäensteinbock (Capra pyrenaica pyrenaica). Wissenschaftler hatten sich von dem letzten lebenden Individuum dieser Art ein Stückchen Haut gesichert, Zellen daraus im Labor kultiviert, sie in flüssigem Stickstoff konserviert und später Kerne daraus in Eizellen von Hausziegen verpflanzt.

Der Pyrenäensteinbock ist bereits zweimal ausgestorben.

Kurzer Erfolg


So kam es, dass mehrere Jahre nach dem Tod des letzten Tiers wieder ein Vertreter dieser Spezies das Licht der Welt erblickte: ein kleines Pyrenäensteinbock-Weibchen. Es war das einzige Tier von 439 Embryonen, das es bis zur Geburt geschafft hatte. Leider litt es jedoch unter einer Lungendeformation und verstarb nur wenige Minuten nach der Geburt. Der Pyrenäensteinbock ist bis dato die einzige Art, die erfolgreich mithilfe der Klontechnik wiederbelebt wurde – und die einzige, die zweimal ausstarb.

Trotz dieses Misserfolgs frieren Forscher überall auf der Welt fleißig Gewebeproben bedrohter und gefährdeter Spezies ein. In Gendatenbanken wie der "Frozen Ark" oder dem deutschen Pendant "Cryo-Brehm" soll ihr Erbgut überdauern und eines Tages möglicherweise die Chance auf eine Rückkehr dieser Arten bieten.

Auch beim Mammut möglich?


Voraussetzung für eine solche Auferstehung aus dem Eis ist jedoch, dass eine geeignete Leihmutter gefunden wird, in deren Gebärmutter die fremde Spezies heranwachsen kann – und noch wichtiger, dass die eingefrorenen Zellen den Frost unbeschadet überstehen. Zwar zerfällt DNA im konservierten Zustand weniger schnell als ohne diesen Schutz. Trotzdem gilt auch hier: Je länger die Zeit im Eis, desto größer ist das Risiko für Zellschäden und desto geringer sind die Chancen auf einen Klonerfolg.

Aus diesem Grund stehen die Vorzeichen für eine Wiederbelebung von Mammuts und anderen Tieren der Eiszeit eher schlecht – zumindest mit dieser Methode. Auch wenn einige Forscher durchaus daran glauben, die im Permafrostboden Sibiriens und anderer arktischer Regionen erhaltenen Relikte dieser Lebewesen einmal erfolgreich für eine "De-extinction" nutzen zu können: Bisher sind 16 Jahre die längste Spanne, die Zellen tiefgefroren waren und danach gesunde Klone hervorbrachten. Die sterblichen Überreste der Mammuts liegen seit Jahrtausenden im Eis.
Daniela Albat
Stand: 06.07.2018
 
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