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Donnerstag, 18.10.2018
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Spurensuche im Körper

Welche Gründe gibt es für die Erkrankung?

Infektionen, Immundefekte oder doch eine hormonelle Störung: Was sind die Ursachen und Auslöser der rätselhaften Müdigkeit? Diese Frage treibt Forscher seit vielen Jahren um. Mehrere tausend Studien haben sie bereits durchgeführt, um dem Geheimnis hinter der Erkrankung auf die Schliche zu kommen.

Lösen Viren das Erschöpfungssyndrom aus?

Viren im Visier


Lange Zeit hatten sie dabei Viren im Verdacht. Doch zumindest einige zunächst ins Visier geratene, von Mäusen bekannte Retroviren sind inzwischen wieder freigesprochen worden. Es hat sich nicht bestätigt, dass eine Infektion mit diesen Erregern das Erschöpfungssyndrom verursacht.

Zwar werden auch andere Viren als Auslöser der Erkrankung diskutiert. Zunehmend rücken daneben jedoch weitere mögliche Ursachen in den Fokus von Forschern. Es scheint sich abzuzeichnen, dass Fehlfunktionen des Immunsystems und des Stoffwechsels hinter dem Syndrom stecken könnten.

Erhöhte Immunbotenstoffe


So zeigen Untersuchungen, dass das Frühstadium der Erkrankung bei vielen Betroffenen mit auffallend hohen Werten von Immunbotenstoffen wie dem Cytokin Interferon Gamma einhergeht. Normalerweise aktiviert dieser Botenstoff bei einer Infektion die körpereigenen Fresszellen. Womöglich könnte CFS daher das Ergebnis einer fehlgesteuerten Reaktion auf einen Infekt sein.

Auffälligkeiten in der Darmflora könnten auf eine Beteiligung des Immunsystems hindeuten.

Auf eine Beteiligung des Immunsystems deuten auch Befunde aus der Darmflora von Patienten hin. Demnach ist das Mikrobiom bei ihnen im Vergleich zu gesunden Menschen verarmt. Diese Auffälligkeit kennen Mediziner von entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn. Sie ging in der Studie mit erhöhten Entzündungsmarkern im Blut einher. Für die Forscher ist diese Beobachtung ein Hinweis darauf, dass bei CFS Bakterien durch eine undichte Darmschleimhaut ins Blut gelangen und dort eine Immunreaktion auslösen.

Leben auf Sparflamme


Anzeichen für Entzündungsprozesse fand ein weiteres Team auch im Gehirn von Betroffenen: Bei ihnen war die weiße Hirnsubstanz deutlich kleiner als bei gesunden Personen. Es ist schon länger bekannt, dass sich unspezifische Entzündungen besonders auf diese Substanz auswirken.

Noch umfassendere Unterschiede stellten Wissenschaftler kürzlich im Stoffwechsel von Patienten fest. Demnach sind sage und schreibe 60 Metabolite in 20 Signalwegen bei CFS verändert. Diese Anomalien zeigen an, dass bestimmte Prozesse bei den Betroffenen heruntergeregelt sind. Sie laufen quasi auf Sparflamme – ähnlich wie bei manchen Tieren, die bei ungünstigen Umweltbedingungen in solche Ruhezustände fallen.

Hormonmangel schuld?


"Den Tieren hilft dies, unter Bedingungen zu überleben, die sonst zu erhöhtem Zelltod führen könnten", erklärt Studienautor Robert Naviaux von der University of California in San Diego. "Für Patienten mit CFS aber bedeutet dieses Herunterfahren ein Leben mit Schmerzen und Behinderungen."

Jüngste Ergebnisse sprechen dafür, dass ein Teil der Stoffwechselfunktionen womöglich aufgrund eines Mangels an Schilddrüsenhormonen heruntergefahren wird. Doch wie alle anderen bisherigen Erkenntnisse auch ist dies höchstens ein kleiner Mosaikstein in einem großen Bild. Die eigentliche Ursache des Chronischen Erschöpfungssyndroms bleibt weiter unbekannt.
Daniela Albat
Stand: 11.05.2018
 
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