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Donnerstag, 23.11.2017
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Eine Lavadecke bis Frankfurt

Die zweite Phase der Ausbrüche

Der Vogelsberg vor 17 Millionen Jahren. Nach einer Pause von rund 1,5 Millionen Jahren beginnt die zweite Phase der Aktivität im ausgedehnten Vulkangebiet. Lange Spalten reißen im Untergrund auf, aus denen große Mengen eher dünnflüssiger Lava quellen. Diese Ausbrüche ähneln denen, die noch heute auf Hawaii häufig vorkommen, beispielsweise am Kilauea.

Die vom Vogelsberg-Vulkanismus abgelagerten Lavaschichten reichen bis fast nach Frankfurt. Ein Großteil ist jedoch erodiert.

So groß wie das Saarland


Wie eine glühende Decke legt sich diese Basaltlava über die gesamte Landschaft und verbreitet sich weit über die heute sichtbare Erhebung des Vogelsbergs hinaus. So findet sich Basalt aus den Vogelsberger Vulkanausbrüchen sogar noch in Hanau und im Stadtgebiet von Frankfurt am Main. Nach dem Maximum vor rund 15 Millionen Jahren ebbt die Vulkanaktivität allmählich ab, bis sie vor rund sieben Millionen Jahren endgültig erlischt.

Insgesamt umfasst das Vogelsberger Vulkanmassiv heute rund 2.500 Quadratkilometer Fläche – das ist fast so groß wie das Saarland. Der Vogelsberg ist damit das größte zusammenhängende erloschene Vulkangebiet Mitteleuropas. Die Schichten aus Lava und anderen vulkanischen Produkten erreichen hier stellenweise eine Mächtigkeit von rund 700 Metern. An der Erhebung des Vogelsbergs lässt sich diese Dicke noch erahnen.

Als die Lava erstarrte, bildeten sich eckige Basaltsäulen, wie hier am Hang des Bergs Amöneburg.

Eckige Säulen und eine Basaltorgel


An einigen Stellen haben die vergangenen Ausbrüche sogar echte Kunstwerke der Natur geschaffen – beispielsweise dort, wo die Basaltlava langsam zu Säulen erstarrte. Eindrucksvoll treten diese typisch fünf- und sechseckigen Basaltsäulen unter anderem an der Ostwand des Bergs Amöneburg hervor. Ihre Ausrichtung deutet darauf hin, dass hier einst ein Vulkankrater lag der mit glutflüssiger Lava gefüllt war. Als sich dieser Lavasee langsam abkühlte, bildeten sich senkrecht zur Abkühlungsfläche die Basaltsäulen.

Eine echte "Basaltorgel" bilden die Säulen dagegen in einem Geotop nordwestlich von Kerbersdorf. Etwas versteckt im Wald liegend ragt hier eine Formation von fast senkrecht stehenden, dunklen Basaltsäulen auf. Wie die Orgelpfeifen bilden sie ein verblüffend regelmäßiges Muster – kaum zu glauben, dass hier die Natur und nicht ein Künstler am Werk war.

Pahoehoe-Lava mitten in Deutschland


Wie die dünnflüssige Vogelsberger Lava aussah, als sie noch frisch war, lässt sich dagegen sehr gut in einem kleinen Steinbruch am Glauberg erkennen: Hier flossen einst ganze Ströme dieser Lava aus einem Schlot heraus und erstarrten so schnell, dass ihre Form erhalten blieb. Typisch sind dafür rundliche Vorwölbungen, wo die Lava zungenartig aus dem Strom austrat.

Ähnlich wie die Pahoehoe-Lava auf auf Hawaii war die Vogelsberger Lava eher dünnflüssig

An der Oberfläche des Lavastroms bildeten sich teilweise Falten in der dünnen, schon erstarrten Haut, die sich zu strickartigen Mustern zusammenschoben. Diese auch auf Hawaii häufige Lavaform wird als Stricklava oder Pahoehoe-Lava bezeichnet. Der öffentlich zugängliche Steinbruch ist der einzige Ort in Deutschland, an dem man diese Lavaformen so gut betrachten kann.

In den Ebenen rund um den Vogelsberg herum hat die Erosion im Laufe der Zeit einen Großteil des vulkanischen Materials abgetragen. Die harten Basaltkerne einiger Schlote ragen aber noch immer als Hügel aus der Ebene heraus. Auf ihnen wurden oft Ortschaften gegründet oder Burgen gebaut, weil sie eine weite Aussicht boten – und damit einen strategischen Vorteil. Beispiele sind die mittelalterliche Burgruine Ulrichstein oder die Orte Stornfels und Herbstein.
Nadja Podbregar
Stand: 03.11.2017
 
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