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Freitag, 15.12.2017
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Heimlicher Dickmacher

Wie Fructose zu Fettpolstern wird

"Mit natürlicher Fruchtsüße", " Ohne Zuckerzusatz", "Mit Pflanzensirup gesüßt" – solche Werbesprüche finden sich im Supermarkt auf vielen Verpackungen von Müslis, Joghurts, Wellnessdrinks oder anderen Produkten. Weniger Süßmacher enthalten diese Lebensmittel aber deshalb nicht. Stattdessen ist meist nur der Haushaltszucker durch andere Zuckerarten ersetzt – oft durch fructosehaltige Süßungsmittel.

Obwohl Obst auch Fructose enthält, ist es gesund – auch weil man davon nie so viel konsumiert wie beispielsweise von einer süßen Limonade.

Auf den ersten Blick scheint das positiv, gilt doch der Fruchtzucker als gesunde Alternative zum schnöden Haushaltszucker. Tatsächlich hat er gleich mehrere Vorteile: Weil die Fructose eine um fast 20 Prozent höhere Süßkraft besitzt, braucht man davon beim Süßen weniger. Dadurch nimmt man bei gleichem Süßgeschmack weniger Kalorien zu sich. Günstig auch: Weil Blutzucker und Insulin beim Fruchtzuckergenuss weniger stark und schnell ansteigen, schont dies den Stoffwechsel und die Bauchspeicheldrüse. Das verringert das Risiko für einen Diabetes – so jedenfalls schien es lange Zeit.

Dicker trotz gleich vieler Kalorien


Doch schon vor einigen Jahren beobachteten Wissenschaftler in Versuchen mit Ratten und Mäusen Überraschendes: Reicherten sie das Futter oder Wasser der Tiere mit Fructose oder dem fructosehaltigen Maissirup an, nahmen diese im Laufe der Zeit deutlich zu – sie wurden übergewichtig und teilweise sogar fettleibig.

Das Erstaunliche daran: Diese Gewichtszunahme trat auf, obwohl die Nager nicht mehr fraßen und auch nicht mehr Kalorien aufnahmen als ihre Artgenossen. Seltsam auch: Bekamen die Tiere der Kontrollgruppe statt der Fructose genauso viel Saccharose oder Glucose, wurden sie nicht so fett. Auch viele weitere Tests sind seither zu ähnlichen Resultaten gekommen: Fruchtzucker scheint Übergewicht stärker zu fördern als andere Zuckerarten.

Sowohl bei Ratten und Mäusen als auch bei Menschen zeigt ständiger Fructosegenuss eine dickmachende Wirkung.

Auch Leber und Blut verfetten


"Einige Leute sagen, dass der fructosehaltige Maissirup auch nicht anders ist als andere Süßungsmittel, aber unsere Ergebnisse zeigen deutlich, dass das nicht stimmt", betont Bart Hoebel von der Princeton University. Die Untersuchungen enthüllten zudem, dass die Tiere durch die fructosereiche Kost nicht einfach nur moppeliger wurden. Zusätzlich verfettete ihre Leber stärker und zeigte Schäden, die Blutfettwerte verschlechterten sich und Anzeichen für Gefäßerkrankungen nahmen zu.

"Beim Menschen sind diese Merkmale klassische Risikofaktoren unter anderem für Arteriosklerose, Diabetes, hohen Blutdruck und Krebs", sagt Hoebels Kollegin Miriam Barcsly. Die Verfettung der Leber gilt als Vorstufe für eine Leberzirrhose und damit im Extremfall für eine unumkehrbare Zerstörung des Organs.

Der Abbauweg ist schuld


Was aber steckt dahinter? Nach Ansicht der Forscher liegt der Grund im speziellen Abbauweg des Fruchtzuckers. Bei seiner Verarbeitung in der Leber wird ein Großteil der Abbauprodukte in Fett umgewandelt. Dieses wird nicht sofort wieder verbrannt, sondern im Organ und anderen Fettdepots im Körper gespeichert. Gleichzeitig stimuliert dieser Prozess auch die Produktion neuer Fettzellen in den Geweben. Als Folge wachsen die Fettpolster.

"Die Effektivität zur Erzeugung von Körperfett ist doppelt so hoch wie normal", erklärt Krzysztof Czaja von der University of Georgia. "Ratten, die eine Diät mit wenig Fett und viel Fructose zu sich nehmen, benötigen weniger als halb so viele Kalorien, um die gleiche Menge an Fettpolstern anzulegen." Entgegen des landläufigen Annahme macht demnach offenbar nicht Fett fett, sondern Fruchtzucker.
Nadja Podbregar
Stand: 06.10.2017
 
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