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Freitag, 19.01.2018
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Errungenschaft mit Schattenseiten

Nobels Dynamit bringt Fortschritt – und Tod

Fast ein Jahrtausend lang haben die Menschen nur Schwarzpulver als Explosivstoff gekannt. Für große Sprengungen ist die Substanz aber zu schwach. Nobels Dynamitsprengstoffe läuten nun eine neue Ära ein: Sie sind die ersten Stoffe, die die Kraft des Pulvers bei weitem übertreffen und gleichzeitig vergleichsweise gut handhabbar sind – auch wenn es immer wieder zu Unfällen damit kommt.

In kürzester Zeit wird Nobels Dynamit zum führenden Produkt auf dem weltweiten Sprengstoffmarkt.

In kürzester Zeit wird die Erfindung Nobels zum führenden Produkt auf dem weltweiten Sprengstoffmarkt. Mit ihrer Hilfe lassen sich Eisenbahnen und Straßen bauen, Tunnel, Kanäle und Bergwerke errichten. Das Dynamit ermöglicht Vorhaben, von denen ehrgeizige Bauherren zuvor nur träumen konnten.

Türöffner für den Gotthard-Tunnel


Die neuen Sprengstoffe bewähren sich bei so großen Projekten wie dem Bau des 15 Kilometer langen Gotthard-Tunnels, der sich unter den Gipfeln des gleichnamigen Gebirgsmassivs in der Schweiz hindurchwindet. Für das Vorhaben werden rund einen Meter tiefe Löcher in den Berg gebohrt, anschließend mit Dynamit gefüllt und gesprengt. Auch beim Bau des Panamakanals kommen die Sprengstoffe zum Einsatz.

Gotthard-Tunnelportal bei Göschenen um 1889

Doch mit dem Dynamit ist nicht nur ein kraftvolles Sprengmittel für den industriellen Einsatz erfunden, sondern auch eine gefürchtete Waffe. Noch bevor Nobel seinen Sprengstoff in Form der Sprenggelatine perfektioniert und damit noch explosionsstärker macht, kommt das Dynamit im Deutsch-Französischen Krieg erstmals zur grausamen Anwendung.

Gefährliche Waffe


Auch bei einer Welle terroristischer Anschläge, die Ende des 19. Jahrhunderts über Europa rollt, spielt das Dynamit eine Schlüsselrolle. Zahlreiche Revolutionäre und Anarchisten aus der Arbeiterklasse erheben sich gegen die Regierenden und richten mit dem Sprengstoff erheblichen Schaden an – es kommt so häufig zu Dynamitanschlägen, dass für die Attentäter der Begriff Dynamitarden geprägt wird.

Ihr prominentestes Opfer wird Zar Alexander II. von Russland. Ihn tötet eine Dynamitbombe während einer Kutschfahrt durch St. Petersburg. Angesichts des massenweisen Missbrauchs des Sprengstoffs sehen sich viele Staaten in Europa dazu gezwungen, den Zugang zu Dynamit und anderen Sprengstoffen zu reglementieren.

Das Deutsche Reich etwa erlässt 1884 das sogenannte Dynamit-Gesetz gegen den "verbrecherischen und gemeingefährlichen Gebrauch von Sprengstoffen". Obwohl Nobel seine Erfindung nie für den blutigen Einsatz vorgesehen hat, wird sie schließlich doch genau zu diesem Zweck immer häufiger eingesetzt. Seine Erfindung – sie ist Fluch und Segen zugleich.
Daniela Albat
Stand: 29.09.2017
 
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