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Donnerstag, 21.09.2017
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Lernen im Schlaf

Schlummerphasen legen den Grundstein für Lernprozesse

Im Schlaf wird unser Gehirn entrümpelt, Eindrücke des Tages werden sortiert und verworfen oder abgespeichert. Damit wird auch der Grundstein für Lernprozesse gelegt. Erst beim Schlafen gelangen neue Erkenntnisse vom Arbeits- ins Langzeitgedächtnis – das ist schon bei Säuglingen so.

Babys brauchen viel Schlaf - nur so können sie neu Gelerntes verarbeiten.

Experimente zeigen, dass sich Babys nur nach einem anschließenden Nickerchen an neu gelernte Dinge erinnern. Ihr Schlafbedürfnis ist in den ersten Monaten so hoch wie in keiner anderen Lebensphase. Denn im Gehirn laufen in dieser Zeit enorme Wachstums- und Reifungsprozesse ab. Nie wieder lernt der Mensch so viel wie in den ersten Wochen und Monaten seines Lebens.

Bewusst und unbewusst


Während des Schlafs festigen sich unter anderem Erinnerungen im sogenannten prozeduralen Gedächtnis. Dank dieses Speichers können wir einmal gelernte Bewegungsabläufe, etwa beim Gehen, Fahrradfahren oder Klavierspielen, später unbewusst ausführen: Wir machen uns über die Tretbewegungen, die Balance oder die Fingerfolge keine Gedanken mehr. Sie funktionieren automatisch, obwohl wir sie nicht bewusst abrufen.

Auch im bewussten, dem deklarativen oder Wissensgedächtnis genannten Erinnerungsspeicher verankert sich neu Gelerntes im Schlaf besonders gut. Ob Vokabeln, Rechenregeln oder die Erinnerung an den ersten Kuss: All diese Inhalte können wir bewusst wiedergeben, wenn sie einmal im Gedächtnis gelandet sind.

Im Schlaf Vokabeln zu hören, kann beim Lernen helfen.

Nächtliches Vokabelnbüffeln


Dass eine erholsame, tiefe Schlummerphase bei diesem Prozess hilft, belegen zahlreiche Studien. So beherrschen Versuchspersonen zuvor gelernte Vokabeln besser, wenn sie ein paar Stunden geschlafen haben. Und: Durch nächtliches Vokabelhören lässt sich dieser Effekt sogar verbessern. Allerdings funktioniert das Büffeln im Schlaf nur, wenn das Gehirn dabei nicht mit zu vielen Informationen konfrontiert wird und noch genügend Zeit hat, ungestört zu arbeiten.

Klar scheint: Schlaf fördert das Gedächtnis und hilft dabei, bereits Gelerntes zu festigen. Doch können wir während der Schlummerphase auch vollkommen Neues lernen? Nachts einfach die Kopfhörer in die Ohren zu stecken und im wahrsten Sinne des Wortes schlafend eine neue Sprache zu lernen, ist eine verlockende Vorstellung. Noch streiten Wissenschaftler allerdings darüber, ob das wirklich möglich ist. Untersuchungen zu dieser Frage liefern höchst widersprüchliche Ergebnisse.

Schlafend Neues lernen?


Forscher um Thomas Andrillon von der École Normale Supérieure in Paris haben kürzlich jedoch eine mögliche Erklärung für die merkwürdigen Diskrepanzen gefunden. Sie spielten schlafenden Probanden Tonfolgen vor, die diese am nächsten Tag aus einem Meer von Hintergrundrauschen heraushören sollten.

Dabei zeigte sich: Studienteilnehmer meisterten die Aufgabe nach der Lerneinheit im Schlaf besser als bei Kontrollversuchen, bei denen das Gehirn zuvor nicht mit den Tonfolgen konfrontiert worden war. Jedoch stellte sich dieser Lerneffekt nur unter bestimmten Bedingungen ein. Es klappte nur dann, wenn den Probanden die zuvor unbekannten Tonsequenzen wiederholt während der Traumschlafphase oder im Leichtschlaf vorgespielt worden waren.

Schlafphase ist entscheidend


Die gleiche Prozedur im Tiefschlaf führte dagegen zu einem gegenteiligen Ergebnis. In diesem Fall schnitten die Teilnehmer sogar schlechter ab als "unbeschallte" Kontrollpersonen. Die Wissenschaftler schlussfolgern daraus: Ob nächtliche Lerneinheiten mit völlig neuen Informationen von Erfolg gekrönt sind oder nicht, könnte entscheidend von der Schlafphase abhängen.

Demzufolge finden im Schlaf komplexe Prozesse statt, die das Gedächtnis auf vielfältige Weise beeinflussen. "Dabei kann die Bildung neuer Erinnerungen gefördert, aber auch unterdrückt werden – abhängig von der Schlafphase", so das Fazit der Forscher.
Daniela Albat
Stand: 08.09.2017
 
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