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Dienstag, 19.06.2018
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Aktive Jungs, soziale Mädchen?

Unterschiede gibt es schon bei Neugeborenen

Neugeborene Kinder sind kein unbeschriebenes Blatt - und auch nicht geschlechtsneutral. Entwicklungspsychologen haben bei weiblichen und männlichen Neugeborenen interessante, zumeist aber nur geringfügige Unterschiede in Wahrnehmung, Motorik und Denken beobachtet.

Junge oder Mädchen? Anzusehen ist dies diesem Säugling nicht. Aber es gibt durchaus subtile Verhaltensunterschiede.

Schmerzen, Hören und Sehen


In Bezug auf die Schmerzwahrnehmung scheinen Mädchen beispielsweise etwas empfindlicher zu sein als Jungen. Dies passt gut zu Studien, nach denen Frauen auch im Erwachsenenalter anders und sensibler auf Schmerzen reagieren. Sie leiden häufiger unter chronischen oder wiederkehrenden schmerzhaften Erkrankungen.

Auch hinsichtlich der Fernsinne wurden frühe Geschlechtsunterschiede beschrieben: So reagieren die Gehirne von Mädchen stärker auf akustische Signale im Innenohr und auf veränderte visuelle Muster. Mädchen entwickeln ihre Sehschärfe und ihr räumliches Sehen im ersten halben Lebensjahr etwas früher als Jungen. Dafür scheinen bei Jungen die Kontrastempfindlichkeit und die Anpassung der Pupillen an Helligkeitsunterschiede besser zu funktionieren. In jedem Fall sind entsprechende Unterschiede allerdings nur temporär nachweisbar.

Mamas Stimme, Papas Ball


Anders verhält es sich beim Temperament: Hier finden sich zeitlich stabile Geschlechtsunterschiede. Bereits im ersten Lebensjahr weisen Mädchen im Mittel ein geringeres Aktivitätsniveau auf als Jungen, sie reagieren sensibler auf Veränderungen in der Umwelt und zeigen eher ein ängstliches Verhalten. Dominante Verhaltensreaktionen können kleine Mädchen dagegen besser unterdrücken.

"Schmusiger" als Jungen - Mädchen haben oft schon als kleines Kind mehr Interesse an sozialen Reizen.

Das Interesse kleiner Mädchen an sozialen Reizen wie dem mütterlichen Gesicht, ihrer Stimme oder Berührung scheint stärker ausgeprägt: Sie halten länger Blickkontakt mit ihrem Gegenüber, reagieren deutlicher auf menschliche Reize akustischer oder visueller Art und werden von ihren Bezugspersonen gemeinhin als "schmusiger" beschrieben. Das Interesse der Jungen hingegen richtet sich verstärkt auf alles, was sich bewegt: Mobiles, Bälle, Autos werden in der Regel besonders aufmerksam verfolgt.

Naturgegeben? Oder doch schon angelernt?


Solche Befunde scheinen die Annahme zu bestätigen, dass Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen primär in den Genen liegen. Doch Vorsicht vor voreiligen Schlüssen! Eine generelle Vorliebe von Mädchen für Lebewesen und von Jungen für Artefakte, beispielsweise für Fahrzeuge, lässt sich bis Ende des ersten Lebensjahres nicht nachweisen – so zumindest das Ergebnis der von uns durchgeführten Kategorisierungsexperimente.

Nicht bestätigt werden konnten auch frühere Befunde, die nahelegen, dass kleine Mädchen sich eher vom Weinen anderer Menschen anstecken lassen, dass sie Gefühle im Gesicht der Mutter besser erkennen und dass sie sensibler darauf reagieren, wenn sich die Mutter abwendet und Freude eher mit ihr teilen.

Selbst wenn kleine Mädchen den Jungen in Gefühlsdingen voraus sein sollten, muss man sich fragen: Sind die beobachteten Unterschiede naturgegeben – oder das Resultat von Erziehung?
Sabina Pauen & Miriam Schneider, Universität Heidelberg/ Ruperto Carola
Stand: 25.08.2017
 
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