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Freitag, 10.02.2012
Ein Klimaphänomen lässt Korallen erblassen
El Nino und seine Folgen

Das größte Lebewesen der Welt liegt im Sterben. Schuld daran sind mehrere Faktoren, die teilweise voneinander abhängig sind.

Vor allem das Klimaphänomen El Nino - was so viel bedeutet, wie das Christkind - das alle paar Jahre um die Weihnachtzeit auftaucht hat einen entscheidenden Anteil an dieser Situation. Eine Folge von El Nino ist unter anderem die großflächige Meereserwärmung entlang des Äquators, die über Monate hinweg vom Ost- zum Westpazifik langsam zunimmt. Dabei können die Wassertemperaturen um bis zu fünf Grad von den Normalwerten abweichen.

Korallenbleiche 
Korallenbleiche
© NOAA
Für die anspruchsvollen und sensiblen Korallen bedeutet so eine entscheidende Veränderung ihrer Lebensbedingungen puren Stress. Das so genannte "coral bleaching" - das Ausbleichen der Korallen setzt ein. Dabei wird die Symbiose zwischen Korallenpolypen und Algen empfindlich gestört. Die Algen fallen in eine Art Schockzustand und produzieren durch die Photosynthese keinen Zucker wie normalerweise, sondern aggressive Moleküle. Daraufhin werden sie von den Korallenpolypen abgestoßen. Als Folge zerbricht die Symbiose, die Korallen erblassen und die Riffe sterben ab.

Im Jahr 1998 wurde das bisher größte coral bleaching-Ereignis festgestellt. Hervorgerufen wurde es durch die längsten El Nino und La Nina-Klimaveränderungen, die jemals aufgezeichnet wurden. Zuerst ging man von einer lokalen Erscheinung im polynesischen Tuamotu-Atoll aus. Doch die Korallenbleiche breitete sich wie eine Seuche auf der ganzen Welt aus. Am Ende waren 70 Prozent der Malediven-Riffe, 75 Prozent der Seychellen-Riffe und die kenianischen Korallenriffe sogar zu 80 Prozent geschädigt. Vor der Küste des mittelamerikanischen Staates Belize starb sogar ein ganzes Korallenriff bis in große Tiefen vollständig ab. In 32 Ländern verloren die ehemals bunten Riffe ihre Farbe. Weltweit wurde ungefähr ein Sechstel aller Korallenriffe in nur neun Monaten zerstört. Während einige der beschädigten Riffe gute Chancen haben sich langsam wieder zu erholen, wird die Hälfte der Riffe es vermutlich nicht mehr schaffen. Weltweit gelten heute schon 27 Prozent aller Riffe als verloren.

Aber nicht nur die El-Nino-Klimaanomalie mit der damit verbundenen Erwärmung des Meeres, sondern vor allem auch die globale Klimaerwärmung, die erhöhte Intensität der UV-Strahlung und die veränderte Wasserchemie bedrohen die Existenz der Korallenriffe überall in den Ozeanen.

Auch für das Great Barrier Reef, noch das größte Korallenriff der Welt, sehen Experten eine düstere Zukunft voraus. Wenn die Wassertemperaturen weiterhin ansteigen, könnten die Korallen in 50 Jahren zerstört sein und letztendlich zum Tod des Riffs führen. Das alles hätte aber nicht nur ökologische Auswirkungen, sondern auch Konsequenzen für den lokalen Fischfang und den Tourismus.

Eine andere Gefahr sind die Dornenkronen-Seesterne. Bei diesem Vielfrass stehen die winzigen Korallenpolypen ganz oben auf dem Speiseplan. Der Seestern hat einen Durchmesser von bis zu 60 Zentimetern und ist mit Giftstacheln besetzt. Während er tagsüber den Schutz der Korallenstöcke sucht, "überfällt" er sie nachts hinterrücks. Dabei saugt er die riffbildenden Korallenpolypen aus ihren Kalkgehäusen und hinterlässt eine Spur der Verwüstung im Korallenriff. Die Ursachen für die Massenvermehrung der Dornenkronen-Seesterne sind bis heute nicht geklärt - wirksame Bekämpfungsmethoden noch nicht gefunden. Tatsache ist aber, dass den gefräßigen Seesternen bereits ein Viertel der Riffe des Great Barrier Reef zum Opfer gefallen ist.

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