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Samstag, 21.10.2017
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Gegen die Symptome

Medikamente und Operationen lindern die Beschwerden

Wenngleich die eigentlichen Ursachen der Parkinson-Krankheit noch weitestgehend unverstanden sind, herrscht immerhin über das Zustandekommen der Symptome Klarheit: Muskelsteifheit, Zittern und verzögerte Bewegungsabläufe werden im Wesentlichen durch das fortschreitende Absterben bestimmter Nervenzellen und einem dadurch bedingten Mangel des Neurotransmitters Dopamin ausgelöst - was liegt da näher, als den Körper von außen mit dem nicht mehr produzierten Botenstoff zu versorgen?

Genau dieser Ansatz gilt bereits seit über 40 Jahren als Goldstandard der Parkinson-Therapie. Levodopa, eine Vorstufe von Dopamin, kann Patienten in Form von Tabletten, Pflastern oder Spritzen verabreicht werden und passiert - anders als der Botenstoff selbst - problemlos die Blut-Hirn-Schranke. Im Gehirn wird das auch als L-Dopa bekannte Medikament dann zu Dopamin umgewandelt und entfaltet dort seine gewünschte Wirkung.

Medikamente mit Levodopa helfen gerade zu Beginn der Erkrankung gut gegen die Parkinson-Symptome.

Medikamente mit Levodopa helfen gerade zu Beginn der Erkrankung gut gegen die Parkinson-Symptome.

Wirkung lässt nach


Vor allem in den ersten fünf bis zehn Jahren nach der Diagnose gelingt es recht gut, das Gleichgewicht der Neurotransmitter durch die Gabe von Levodopa wiederherzustellen. Nach langjähriger Einnahme beginnt die Wirkung des Mittels jedoch spürbar zu schwanken und lässt insgesamt nach.

Das liegt unter anderem daran, dass die Dopamin-Vorstufe im Gehirn zwar verstoffwechselt werden kann. Überschüssige Neurotransmitter speichern und diese erst nach Bedarf freisetzen, das können jedoch nur die vom Niedergang betroffenen dopaminergen Nervenzellen. Diese Speicherfunktion führt bei gesunden Menschen zu einer ausgeglichenen Stimulierung der Rezeptoren. Je weniger dieser Zellen im Krankheitsverlauf überleben, desto stärkeren Schwankungen ist die Wirkung des Medikaments unterlegen. Hinzu kommt, dass sich die Dopamin-Rezeptoren offenbar durch die ungleichmäßige Stimulation verändern und immer schlechter auf den Botenstoff reagieren.

Problematische Nebenwirkungen


Um diese Folgen der Langzeitbehandlung zu vermeiden, setzen Mediziner heute auf sogenannte Retard-Mittel, die den Dopamin-Ersatzstoff gleichmäßig über den Tag verteilt freisetzen. Auch sogenannte Dopaminagonisten kommen als Alternative für Levodopa zum Einsatz. Diese Wirkstoffe verfügen über eine Dopamin-ähnliche Struktur und sind daher in der Lage, die gleichen Rezeptoren zu stimulieren wie der Neurotransmitter selbst.

Sowohl Levodopa als auch Dopaminagonisten können insbesondere bei langfristiger Einnahme jedoch zu starken Nebenwirkungen führen: Diese reichen von Übelkeit und Erbrechen, über extreme Müdigkeit, bis hin zu psychischen Problemen wie Halluzinationen oder Verwirrtheit.

Hirnschrittmacher im Gehirn eines Parkinson-Patienten.

Hirnschrittmacher im Gehirn eines Parkinson-Patienten.

Option Hirnschrittmacher


Wenn die gängigen Medikamente nicht mehr wirken oder die Nebenwirkungen zu heftig werden, stellt die sogenannte tiefe Hirnstimulation einen möglichen Ausweg dar. Patienten werden dafür dünne Elektroden implantiert, über die ein Impulsgeber Signale an das Gehirn sendet. Dieser Hirnschrittmacher kann der durch den Botenstoffmangel bedingten veränderten Nervenzellaktivität gezielt entgegenwirken.

Weil der operative Eingriff nicht ohne Risiken ist, wird die Methode in der Regel nur in fortgeschrittenen und besonders schweren Krankheitsstadien eingesetzt. Doch Studien zeigen, dass Patienten von einem frühen Einsatz womöglich stärker profitieren. Beginnt man frühzeitiger, lindert dies die Symptome und erhöht die Mobilität überraschend deutlich. Darüber hinaus vertragen Patienten in einem früheren Krankheitsstadium das Implantieren der Elektroden meistens besser als ältere Betroffene.

Künftig könnten auch Kosten und Risiken als Argumente gegen einen frühen Einsatz der Methode wegfallen. Denn vor Kurzem haben Wissenschaftler im Versuch mit Mäusen erstmals tiefliegende Hirnregionen durch auf dem Kopf aufliegende Elektroden gezielt stimuliert. Das bedeutet, dass die tiefe Hirnstimulation prinzipiell auch ohne operativen Eingriff - und damit weniger riskant und kostengünstiger - möglich ist. Lassen sich die Ergebnisse am Menschen wiederholen, könnte die Option Hirnschrittmacher in Zukunft mehr Patienten zur Verfügung stehen.
Daniela Albat
Stand: 04.08.2017
 
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