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Dienstag, 24.10.2017
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Schleichender Beginn

Parkinson manifestiert sich erst "verspätet"

Parkinson beginnt schleichend. Dem amerikanischen Filmschauspieler Michael Fox zuckte bei Dreharbeiten plötzlich der kleine Finger der linken Hand - ein erstes auffälliges Zeichen der Erkrankung. Doch noch jahrelang überspielte es der "Zurück in die Zukunft"-Star erfolgreich. Erst allmählich hinterließ die Krankheit deutlichere Spuren: Das Zittern breitete sich weiter aus, die Muskeln wurden steif und die Bewegungen langsamer.

Der langsame, schlurfende Gang ist ein typisches Parkinson-Symptom.

Der langsame, schlurfende Gang ist ein typisches Parkinson-Symptom.

Parkinson beschreibt die "Schüttellähmung"


Zwei dieser drei Kardinalsymptome beschrieb der englische Arzt James Parkinson bereits 1817 in seiner "Abhandlung über die Schüttellähmung": das rhythmische Zittern von Händen und Füßen, auch Tremor genannt, und die als Bradykinese bezeichnete Verlangsamung alltäglicher Bewegungen wie Gang, Gestik oder Mimik, die im Endstadium bis hin zur Bewegungslosigkeit führen kann.

Das dritte typische Symptom der Erkrankung wurde rund 50 Jahre später von dem französischen Neurologen Jean-Martin Charcot identifiziert: der Rigor. Diese Versteifung der Muskeln weisen Ärzte heute durch das sogenannte Zahnradphänomen nach. Versucht man beispielsweise den angewinkelten Arm des Patienten zu strecken, folgt dieser nur mit abgehackten und ruckartigen Bewegungen.

Eine neurodegenerative Erkrankung


Bereits Parkinson, der später zum Namensgeber für das Krankheitsbild wurde, vermutete hinter den von ihn beobachteten Symptomen eine gemeinsame Ursache. Schnell kam der Verdacht auf, dass Veränderungen im Gehirn dahinterstecken könnten. Doch welche? Diese Frage haben Mediziner erst Mitte des 20. Jahrhunderts geklärt. Heute wissen sie: Parkinson zeichnet sich durch ein Absterben von Nervenzellen aus und gehört damit zu den neurodegenerativen Erkrankungen.

Die fortschreitende Degeneration betrifft vor allem Dopamin-prodzierende Neuronen im Mittelhirn.

Die fortschreitende Degeneration betrifft vor allem Dopamin-prodzierende Neuronen im Mittelhirn.

Betroffen von dem Hirnschwund sind die Basalganglien, insbesondere die Substantia Nigra im Mittelhirn. Ihren Namen hat die Schwarze Substanz, weil etliche der dort vorkommenden Neuronen den dunklen Farbstoff Neuromelanin enthalten. Bei Parkinson-Patienten verblasst die Substantia Nigra jedoch. Denn der Farbstoff kommt vor allem in jenen Neuronen vor, die im Verlauf der Erkrankung vorwiegend zugrunde gehen: den Dopamin-produzierenden Nervenzellen.

Zelltod führt zu Dopaminmangel


Dopamin ist ein wichtiger neuronaler Botenstoff: Gemeinsam mit weiteren Neurotransmittern wie Acetylcholin und Glutamat ist Dopamin für die Nachrichtenübertragung im Gehirn zuständig und spielt auch eine zentrale Rolle für die Regulierung von Bewegungen. Sterben dopaminerge Zellen ab, kommt es zu einem Dopaminmangel. Als Folge gerät das fein austarierte Gleichgewicht von Botenstoffen durcheinander. Dadurch werden vom Gehirn unter anderem falsche Signale an die Muskulatur weitergeleitet.

Das wiederum ruft die klassischen motorischen Beschwerden der Parkinson-Krankheit hervor, zu denen neben Tremor, Rigor und Bradykinese im späteren Verlauf auch das Fehlen sogenannter Halte- und Stellreflexe gehört. Betroffene haben Schwierigkeiten, ihren Körper auszubalancieren und können zum Beispiel drohende Stürze nicht mehr abfangen. Nicht selten kommt es darüber hinaus zu weiteren Störungen. So entwickelt jeder zweite Betroffene Depressionen, viele Patienten leiden unter Beeinträchtigungen der Darmfunktion und auch die kognitiven Fähigkeiten können nachlassen.

Späte Krankheitszeichen


Wenn die ersten typischen Parkinson-Symptome sichtbar werden, ist der Degenerationsprozess im Gehirn jedoch bereits seit Jahren oder Jahrzehnten in vollem Gange. Denn die Krankheit zeigt sich in der Regel erst dann, wenn 50 bis 80 Prozent der dopaminergen Nervenzellen verloren sind. Davor lässt sich der Beginn der Erkrankung lediglich durch unspezifische Frühzeichen erahnen. Forscher wissen inzwischen etwa, dass viele Patienten lange Zeit vor der Diagnose an Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Verstopfungen, Rückenschmerzen oder Beeinträchtigungen des Geruchssinns leiden.
Daniela Albat
Stand: 04.08.2017
 
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