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Donnerstag, 21.06.2018
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Zurück zum Analogen

Die Renaissance des Mikrofilms

Auf der Suche nach haltbaren Archiven erlebt heute eine scheinbar längst veraltete Technologie eine Renaissance: der Mikrofilm. Früher waren diese mittels Fotobelichtung hergestellten, verkleinerten Abbilder von Dokumenten in Bibliotheken und Zeitungsarchiven allgegenwärtig. Doch mit dem Aufkommen von Computern, Scannern und Internet geriet diese analoge Technik ins Hintertreffen: zu umständlich in der Herstellung, zu schwer zu durchsuchen und vor allem nicht online abrufbar. Im digitalen Zeitalter war der Mikrofilm damit eher eine Art Dinosaurier – dachte man jedenfalls.

Auf Mikrofilm abgelichtete Dokumente und Diagramme eines Meeresforschungsprojekts

Auf Mikrofilm abgelichtete Dokumente und Diagramme eines Meeresforschungsprojekts

Wiedergeburt im Digitalzeitalter


Doch im Zuge der Archivierung erfährt der "Dinosaurier" jetzt eine Wiedergeburt. Denn gegenüber digitalen Datenträgern hat der Mikrofilm gleich mehrere Vorteile. Weil Dokumente und Bilder 1:1 abgebildet werden, werden weder spezielle Hardware noch Software benötigt. Im Prinzip reichen eine Lichtquelle und eine Lupe oder Mikroskop zum Lesen der Information aus.

Viele Archive haben daher begonnen, auch rein digitale Daten zurück in den analogen Zustand zu versetzen und auf Mikrofilm zu konservieren. Digitale Dokumente, E-Mails, Internetseiten oder digitale Bilder werden dafür im Prinzip einfach abfotografiert und auf Film gebannt. Der große Vorteil: Einmal auf dem Mikrofilm gespeichert, halten die Daten mindestens 500 Jahre – die richtige Lagerung vorausgesetzt. Das ständige Umkopieren und Migrieren auf aktuelle Hard- und Software ist damit nicht mehr nötig.

Kulturerbe im Erzstollen


Ein Beispiel für ein Langzeitarchiv auf Mikrofilm-Basis ist der Barbarastollen in der Nähe von Freiburg. Hier, in einem ehemaligen Erzstollen, liegt der "Zentrale Bergungsort der Bundesrepublik Deutschland" – das wichtigste nationale Archiv unseres Landes. Als einziges Objekt in Deutschland ist es in die UNESCO-Liste der Haager Konvention eingetragen – einem Vertrag, der Kulturgut auch im Kriegsfall vor Zerstörung und Plünderung schützen soll.

Mikrofilmbehälter im Barbarastollen, dem Zentralen Bergungsort in Deutschland

Die Mikrofilme des Archivs werden in zwei Seitenstollen aufbewahrt, die unter 200 Meter Fels und knapp 400 Meter vom Stolleneingang entfernt liegen. Die Kammern sind zusätzlich mit Beton verschalt und mit Drucktüren gesichert. All dies trägt dazu bei, den Archivinhalt gegenüber Naturgefahren, aber auch Angriffen durch Menschen zu schützen. Durch ihre Lage tief im Fels herrscht in den Lagerstollen zudem das ganze Jahr hindurch ein gleichmäßiges Klima von zehn Grad und 75 Prozent Luftfeuchte.

Von Otto dem Großen bis zum Grundgesetz


Seit 1975 werden den zwei unterirdischen Lagerkammern Mikrofilme von Dokumenten mit besonderer historischer oder kultureller Bedeutung eingelagert. Darunter sind ein Abbild der Krönungsurkunde Ottos des Großen aus dem Jahr 936, die "Goldene Bulle" von 1356 und der Vertragstext des Westfälischen Friedens aus dem Jahr 1648. Aber auch die Baupläne des Kölner Doms, Handschriften von Johann Sebastian Bach oder die Ernennungsurkunde Adolf Hitlers zum Reichskanzler sind hier auf Mikrofilm archiviert.

Seit dem 3. Oktober 2016 liegt im Barbarastollen auch eine Kopie des deutschen Grundgesetzes samt allen dazugehörigen Akten und Dokumenten. 30.000 Seiten wurden dafür auf Mikrofilm übertragen. Insgesamt enthält das Archiv bisher knapp 30.000 Kilometer Mikrofilm mit mehr als 900.000 Aufnahmen. Gelagert werden die Filme in gut 1.500 luftdicht abgeschlossenen Edelstahlbehältern – jeder Behälter fasst 21.000 Meter Film. Viermal im Jahr werden die Lagerstollen geöffnet und neue Mikrofilmbehälter ergänzt.
Nadja Podbregar
Stand: 23.06.2017
 
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