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Sonntag, 22.07.2018
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Vergängliches Erbe

Wie lange halten unsere Daten?

Ob die fast 2.000 Jahre alten Schriftrollen vom Toten Meer, altägyptische Papyri oder prachtvoll illustrierte Manuskripte aus dem Mittelalter: Viele dieser alten Dokumente sind bis heute erhalten und lesbar – glücklicherweise. Denn oft bekommen wir erst durch solche schriftlichen Zeugnisse Einblick in die Kultur und das Leben unserer Vorfahren.

Vor mehr als 1.700 niedergeschrieben und noch immer erhalten: der Codex Manesse, eine Liederhandschrift aus dem Mittelalter.

Vor mehr als 1.700 niedergeschrieben und noch immer erhalten: der Codex Manesse, eine Liederhandschrift aus dem Mittelalter.

Ähnlich sieht es mit Gemälden, alten Zeichnungen oder den ersten Fotos aus: Auch sie vermitteln uns ein Bild der Vergangenheit, ein Stück Geschichte. So zeigen Höhlenmalereien uns nach fast 40.000 Jahren noch, wie die ersten Jäger und Sammler in Europa ihre Umwelt wahrnahmen. Die gut 500 Jahre alten Zeichnungen Leonardo da Vincis vermitteln nicht nur sein künstlerisches Können, sondern geben auch Aufschluss über die Wissenschaft und Technik der damaligen Zeit.

Digitaler Code statt Holz, Papier und Leinwand


Doch was, wenn es all diese historischen Zeugnisse nicht gäbe? Wenn keines der Dokumente oder Bilder die Zeit bis heute überdauert hätte? Ein großer Teil des kulturellen Erbes der Menschheit wäre dann unbekannt – für immer verloren. Genau das aber könnte vielen kulturellen Errungenschaften unserer heutigen Zeit blühen. Denn ein großer Teil unseres Lebens, unserer Kunst und unserer Wissenschaft findet heute in der digitalen Welt statt.

Und genau hier liegt das Problem: Wenn bei einem Buch eine Seite fehlt oder eine Zeile wegen eines Flecks verschmiert ist, kann man den Rest noch immer lesen – und das Fehlende vielleicht sogar aus dem Kontext rekonstruieren. Auch ein altes Schwarzweiß-Foto, bei dem eine Ecke fehlt, lässt das Motiv meist trotzdem noch erkennen. Zudem benötigen wir zum Entziffern solcher Dokumente meist wenig mehr als unser Auge und entsprechende Sprachkenntnisse.

Schon einzelne veränderte oder zerstörte Bits können eine Datei schlimmstenfalls unlesbar machen.

"Zerbröselnde" Bits


Anders bei digitalen Daten: Um sie auch später noch lesen zu können, müssen gleich mehrere Voraussetzungen erfüllt sein. Zum einen müssen sie völlig intakt erhalten sein. Denn werden einige Bits zerstört, ist nicht selten die gesamte Datei nicht mehr lesbar – und die Information damit verloren.

Dummerweise jedoch sind nahezu alle heutigen Datenträger für diese Art der Datendegradierung sehr empfindlich. So kann der Einfluss eines Magnetfelds oder eine Überspannung die Informationen auf Magnetbändern, Disketten und sogar Festplatten zerstören. Auch simple Materialalterung kann zu Datenverlust führen. So führen UV-Strahlen im Laufe der Zeit dazu, dass sich das Trägermaterial von DVDs oder CD-ROMs zersetzt – und damit gehen auch die per Laser eingravierten Bits verloren.

Wie lange hält was?


Daten, die auf digitalen Trägermedien gespeichert sind, halten allein dadurch oft nur wenige Jahre bis Jahrzehnte. Ein Beispiel: Eine Bildkollektion der Getty Images war seit 2002 auf einem Server gespeichert, ohne abgerufen oder genutzt zu werden. Als Mitarbeiter des Archivs die Sammlung rund zwölf Jahre später kontrollierten, konnten zehn Bilddateien nicht mehr geöffnet werden – entscheidende Bits waren degradiert.

Daten auf CD-ROM oder DVD halten maximal 100 Jahre - beste Bedingungen vorausgesetzt.

Daten auf CD-ROM oder DVD halten maximal 100 Jahre - beste Bedingungen vorausgesetzt.

Nach bisherigen Erkenntnissen halten Daten auf optischen Speichermeiden wie CD-ROMs oder DVDs zwischen fünf und rund 100 Jahren – optimale Bedingungen vorausgesetzt. Magnetbänder, USB-Sticks und andere Flash-Speicher bleiben wahrscheinlich rund 30 Jahre lesbar. Die Festplatten in unseren Rechnern, aber auch externe Festplattenspeicher halten maximal zehn Jahre, wenn sie häufiger genutzt werden. Ungenutzt liegt ihre Lebensdauer nach Expertenschätzungen bei rund 30 Jahren.

Das bedeutet: Allein durch diese Form des digitalen Vergessens könnten viele unserer Erinnerungen und Erkenntnisse schon in ein bis zwei Generationen lückenhaft sein.

Doch das ist noch nicht alles…
Nadja Podbregar
Stand: 23.06.2017
 
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