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Montag, 23.10.2017
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Die Entdeckung

Laser-Fahndung im Regenwald

Den Überlieferungen der Khmer nach hat Phnom Kulen, das heute eher unwegsame Dschungelplateau, eine glorreiche Vergangenheit. Denn in dieser Bergregion soll der Gründer des Khmerreiches, König Jayavarman II, einst seine erste Hauptstadt erbaut haben – Mahendraparvata. Im Jahr 802, so berichten es Inschriften auf Tempeln in Angkor, weihte der König die Stadt in einem feierlichen Ritual ein und wurde gleichzeitig zum gottgleichen "Herrscher der Welt".

Wie Jayavarman II. aussah, weiß man nicht. Dies ist eine Büste seines Nachfahren Jayavarman VII.

Existiert Mahendraparvata?


Jayavarman II hatte zuvor konkurrierende Fürsten durch lange Kämpfe besiegt und gründet nun unter seiner Herrschaft ein neues Reich. Seine auf dem heiligen Berg liegende Hauptstadt Mahendraparvata mit ihren prächtigen Tempeln demonstrierte die Macht des Gottkönigs -so jedenfalls berichten es Inschriften.

Doch ob das sagenumwobene Mahendraparvata tatsächlich in Phnom Kulen lag – und ob es sie überhaupt gegeben hat, blieb bis vor Kurzem ein Rätsel. Zwar hatten Archäologen bereits in den 1960er Jahren einige Tempelruinen im Regenwald entdeckt. Aber konnte sich dabei wirklich um die Überreste der prachtvollen Khmerhauptstadt handeln? Mit der Besetzung des Plateaus durch die Roten Khmer wurden weitere Untersuchungen unmöglich, so dass die Frage unbeantwortet blieb.

Beim Vermessen der Topografie mittels Lidar tastet ein Laserstrahl den Untergrund ab.

Beim Vermessen der Topografie mittels Lidar tastet ein Laserstrahl den Untergrund ab.

Lidar durchleuchtet den Dschungel


Bis zum Jahr 2012. Zum ersten Mal nutzte ein Archäologenteam eine neue Methode, um nach Ruinen in unwegsamen Gelände zu suchen: Light detection and ranging, kurz Lidar. Bei dieser Methode wird die Landschaft vom Helikopter oder Flugzeug aus mit einem Laser abgetastet. Die reflektierten Strahlen werden eingefangen und ergeben ähnlich wie ein Sonar ein Abbild des Terrains und seiner Erhebungen. Der große Vorteil: Selbst Waldgebiete kann das Lidar durchleuchten, weil dem Laserstrahl selbst kleinste Lücken im Laubdach reichen.

"In Mittelamerika haben Lidar-Messungen die Archäologie revolutioniert und bereits ausgedehnte Siedlungsstrukturen auch zwischen den bekannten Tempelstädten der Maya aufgedeckt", erklärt Projektleiter Damien Evans von der University of Sydney. In Asien allerdings wurde das Lidar zuvor noch nicht eingesetzt - die Forscher betraten hier echtes Neuland.

Ein Teil des Phnom Kulen im sichtbaren Licht (oben) und in den Lidar-Daten. Klar sind regelmäßige Erhebungen zu erkennen.

"Geisterhafte Stadtlandschaft"


Als die Archäologen die Laserscans aus Phnom Kulen auswerteten, trauten sie ihren Augen kaum: Dort, wo mit bloßem Auge nur Dschungel zu sehen ist, traten plötzlich die geisterhaften Spuren einer ganzen Stadtlandschaft zutage. Die Aufnahmen enthüllten Relikte von breiten Landstraßen, ganze Reihen von Tempeln und Gebäudeblöcken, aber auch Reste von Dämmen, Gärten, Zisternen und Bewässerungsanlagen.

Damit war klar: Auf dem Phnom Kulen lag einst eine ganze Stadt. "Wir haben zwar vermutet und gehofft, dass sich unter dem Wald eine Stadt verbergen könnte", sagt Evans. "Aber dann die gesamte Struktur mit solcher Klarheit und Präzision enthüllt zu sehen, war einfach erstaunlich."

Und noch etwas enthüllten die Lidar-Aufnahmen: Die Gebäude und Straßen konzentrierten sich um eine besonders große Struktur: ein gewaltiges Areal, das von einem ganzen Netzwerk von Erddämmen umgeben war. Die Form und Größe dieser der Anlage ließ die die Archäologen nur einen Schluss zu: Es musste sich um Mahendraparvata handeln, die so lange verschollene erste Hauptstadt des Khmerreiches.
Nadja Podbregar
Stand: 19.05.2017
 
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