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Donnerstag, 20.09.2018
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Fremdlinge unter uns

Das Phänomen Bioinvasion

Man findet sie überall. Am Straßenrand, in Parks, im eigenen Garten, aber auch in Wäldern, Seen, Flüssen und Feldern. Manche sehen sehr hübsch aus, andere wollen wir nicht mehr missen und die allermeisten fallen uns gar nicht auf: Fremde Tier- und Pflanzenarten, die ursprünglich nicht in Deutschland heimisch waren.

Der Nordamerikanische Waschbär (Procyon lotor) ist heute auch bei uns stark verbreitet.

Diese sogenannten Neobiota sind Organismen, die vom Menschen aus ihrer Heimat in neue Regionen gebracht wurden. Prominente Beispiele für Neobiota in Deutschland sind der nordamerikanische Waschbär, der mittlerweile in großen Beständen in hessischen Wäldern lebt, der tropische Halsbandsittich, der vor allem in großen Parkanlagen in Städten wie Mainz und Wiesbaden vorkommt, oder das Indische Springkraut, welches die Ufer vieler Flüsse und Bäche säumt.

Enormes Ausmaß


Die Verbreitung von Arten durch den Menschen nennt man Bioinvasion. Sie ist ein globales Phänomen, das alle Organismengruppen von Bakterien bis zu Elefanten, von Algen bis zu Mammutbäumen betrifft. Das Ausmaß der Bioinvasion ist gigantisch. Eine internationale Studie hat ergeben, dass mittlerweile etwa 13.168 fremde Pflanzenarten weltweit außerhalb ihrer ursprünglichen Heimatregion fester Bestandteil der nativen Flora sind.

Zum Vergleich könnte man sich vorstellen, dass etwa alle einheimischen Pflanzen in Europa aufgrund menschlichen Handelns nun auch außerhalb Europas vorkommen. In Nordamerika weiß man von über 3.000 fremden Insektenarten, wobei die tatsächliche Zahl auf über 4.000 geschätzt wird. Allein auf Hawaii geht man von über 5.000 fremden Tier- und Pflanzenarten aus. In Deutschland gingen Forscher schon im Jahr 2012 von rund 800 Neuzugängen aus - mindestens.

Eine aktuelle Untersuchung eines 45-köpfigen Teams unter Federführung von Hanno Seebens vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) in Frankfurt ergab, dass der Trend für fast alle Tier- und Pflanzengruppen steil nach oben geht, so dass man mit deutlich mehr Arten in den nächsten Jahrzehnten rechnen muss.
Hanno Seebens, Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F)/ Forschung Frankfurt)
Stand: 12.05.2017
 
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