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Samstag, 25.11.2017
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Sicherheitsnetz und Gerüst fürs Leben

Warum Rituale auch heute noch wichtig sind

In den modernen Gesellschaften scheinen Rituale auf den ersten Blick ihren einstigen Stellenwert verloren zu haben. So wurden sie ab dem 20. Jahrhundert zunehmend als Ausdruck überholter Traditionen, irrationalem Hokuspokus und starren Stereotypen betrachtet. Mehr noch: Durch ihre Pervertierung in der Zeit des Nationalsozialismus bekamen Rituale hierzulande sogar etwas Bedrohliches. Und ihr schlechter Ruf blieb: Auch im Zuge der 68er-Bewegung kritisierten junge Menschen etwa den "Muff von tausend Jahren".

Auch in der heutigen Zeit halten Menschen an Ritualen fest - zum Beispiel bei der Hochzeit.

Auch in der heutigen Zeit halten Menschen an Ritualen fest - zum Beispiel bei der Hochzeit.

Trotzdem zeigt sich, dass Menschen in den unterschiedlichsten Kulturen auch in der heutigen Zeit an Ritualen festhalten. Manche wurden umgedeutet, manche verstecken sich im Alltag - doch ganz ohne rituelle Handlungen scheint auch der moderne Mensch nicht leben zu können: "Rituale werden gesucht und gebraucht", schreiben die Psychologen Martin Brentrup und Gaby Kupitz.

Gestärkte Familie


Im Prinzip erfüllen Rituale heute immer noch denselben Zweck wie vor Tausenden von Jahren: Sie vermitteln kulturelles Wissen, stiften Identität und fördern das Gemeinschaftsgefühl. Aus diesem Grund sind Rituale zum Beispiel für Familien unverzichtbar, sagen Experten. Denn gemeinsame Rituale stärken den Zusammenhalt zwischen Partnern, Eltern und Kindern oder unter Geschwistern.

Nicht umsonst hat etwa das Weihnachtsfest auch heute noch in vielen Familien einen hohen Stellenwert und wird mit stark ritualhaftem Charakter zelebriert – obwohl der Glaube inzwischen bei vielen eher eine untergeordnete Rolle spielt. Anstelle der religiösen Bedeutung rückt vermehrt die Betonung der familiären Gemeinschaft in den Vordergrund. Die Symbolkraft des Festes aber bleibt bestehen.

Besonders für Kinder sind Rituale wichtig.

Halt in schwierigen Lebenslagen


Insbesondere Kinder profitieren von der Kraft der Rituale: Sie geben ihnen im Alltag immer wieder ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, das für ihre gesunde Entwicklung so wichtig ist. Doch auch Erwachsenen geben Rituale im Leben wichtigen Halt - vor allem in unsicheren, stressigen oder emotional schwierigen Situationen.

Wer zum Beispiel zu einer Beerdigung gehen muss und den Verlust eines geliebten Menschen betrauert, ist oft verzweifelt und fühlt sich hilflos. Der gewohnte Ablauf der Trauerfeierlichkeiten kann helfen, diese Situation zu überstehen, weil er einzelne Schritte und Handlungsanweisungen vorgibt. Zudem helfen die Rituale dabei, Abschied zu nehmen und einen symbolischen Abschluss zu finden.

Stress lässt nach


Wie sehr Rituale uns in schwierigen Situationen stärken, belegen auch wissenschaftliche Untersuchungen. Forscher um die Psychologin Alison Wood Brooks von der Harvard University in Cambridge haben zum Beispiel gezeigt, dass rituelle Handlungen Aufregung und Ängste mindern können. Dafür ließen sie Probanden jeweils vor einer Gesangsprüfung oder einem Mathematiktest ein Ritual vollführen. Die Anweisung: Zeichne auf ein Papier, wie du dich gerade fühlst! Streue Salz auf das Papier! Zähle laut bis fünf! Falte das Papier zusammen, und wirf es in den Müll!

Das Ergebnis: Wer dieses scheinbar sinnlose Ritual absolviert hatte, schnitt tatsächlich besser ab, hatte weniger Angst und einen ruhigeren Herzschlag als Teilnehmer, die kein Ritual vollführt hatten. Das galt selbst für Probanden, die zuvor nicht so recht an die Wirkung ihres rituellen Handelns geglaubt hatten.

Wichtig allerdings: Die Teilnehmer mussten mit ihrer Handlung eine höhere Bedeutung verbinden. Das Ritual half nur, wenn es auch als solches benannt war, berichtet Brooks. Es musste demnach als Symbol zur Beseitigung der eigenen Ängste wahrgenommen werden. Wahllose Aktionen zur Ablenkung stellten sich hingegen als wirkungslos heraus.
Daniela Albat
Stand: 07.04.2017
 
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