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Donnerstag, 23.11.2017
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Wozu Rituale?

Die Theorie der teuren Signale

Was aus kulturwissenschaftlicher Sicht sinnvoll erscheint, war aus einem evolutionsbiologischen Blickwinkel heraus lange Zeit rätselhaft. Denn Rituale sind oft mit Prunk und erheblichem Aufwand verbunden. Da werden prächtige Kostümierungen angelegt, körperlich anstrengende Tänze vollführt oder sich selbst mitunter sogar Schmerzen zugefügt.

Wozu aber diese Verschwendung von Energie, Zeit und Ressourcen, wenn sie weder die Überlebenschancen des Individuums, noch seine Reproduktionschancen maximiert? Eine Erklärung dafür bietet die "Theorie der teuren Signale", die auf einen Ansatz des Evolutionsbiologen Amotz Zahavi zurückgeht und auf den Mechanismen der sexuellen Selektion beruht.

Schmuckes Rad: Der Pfau nimmt gewisse Nachteile in Kauf, um als attraktiver Partner wahrgenommen zu werden.

Schmuckes Rad: Der Pfau nimmt gewisse Nachteile in Kauf, um als attraktiver Partner wahrgenommen zu werden.

Lohnenswerter Extraaufwand


Die Idee: Gute Gene, Gesundheit und andere Eigenschaften, die einen potentiellen Partner attraktiv machen, sind nicht ohne weiteres sichtbar. Sie müssen deshalb werbewirksam zur Schau gestellt werden. Am besten gelingt das, wenn ein Individuum Extraaufwand investiert, der im Sinne der natürlichen Selektion einen klaren Nachteil darstellt. So zeigt es glaubwürdig: Ich kann mir diesen Luxus leisten und bin als Sexualpartner deshalb besonders geeignet. Ein Paradebeispiel für dieses sogenannte Handicap-Prinzip ist das Pfauenrad.

"Im Laufe der Evolution der Gattung Homo hat sich dieses Prinzip von seiner ursprünglichen Domäne der Sexualität und Partnerwahl dann in andere Lebensbereiche der sozialen Interaktion ausgebreitet", schreibt der Archäologe Rimtautas Dapschauskas von der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.

Wichtige Überlebensstrategie


Im Kontext von Ritualen bedeutet das: Durch aufwändige Handlungen stellen Mitglieder einer Gemeinschaft gewissermaßen teure Signale zur Schau. Damit beweisen sie, dass sie bereit sind, sich für die Gruppe zu engagieren - kurzum: attraktive Partner sind. Je größer die dabei getätigte Investition, desto besser. Denn: Wer sich um der Werte der Gemeinschaft willen zum Beispiel verletzt, ist glaubwürdiger, als wenn er sich nur mit Worten dazu bekennt.

Die Bereitschaft, sich auf eigene Kosten für andere einzusetzen, könnte bei unseren Vorfahren eine wichtige Überlebensstrategie gewesen sein. Nur so konnten sie bedrohliche Situationen meistern und in Konflikten mit anderen Gruppen bestehen. Die Chancen, durch Kooperation zu überleben und eine gemeinsame evolutionäre Zukunft zu haben, waren dabei wahrscheinlich von größerer Bedeutung als die Vorteile des Einzelnen.
Daniela Albat
Stand: 07.04.2017
 
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