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Samstag, 25.11.2017
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Was sind Rituale?

Handlungen mit Symbolcharakter

Die Taufzeremonie als Kind, die alljährliche Weihnachtsfeier, der festliche Abschluss am Ende der Studienzeit oder die eigene Hochzeitsfeier: Rituale begleiten uns ein Leben lang – und damit sind wir nicht allein. Es gibt auf der Erde wohl keine menschliche Kultur, die völlig ohne rituelle Handlungen auskommt.

Bei den Hamar macht der Rindersprung aus jungen Männern Heiratsfähige.

Muslime bereiten sich auf jedes Gebet mit einer Waschung vor, gläubige Hindus beginnen den Morgen mit dem Opferritual Puja und bei den Hamar in Äthiopien müssen junge Männer über den Rücken einer Reihe von Rindern laufen, um heiraten und Kinder zeugen zu dürfen. Doch nicht immer finden Rituale in einem religiösen Kontext statt oder markieren den Übergang in einen neuen, wichtigen Lebensabschnitt.

Symbolische Bedeutung


Rituale können sich auch in der Politik oder in der Medizin abspielen – und manchmal kommen sie auf den ersten Blick gar vollkommen alltäglich daher. Fangesänge beim Fußball oder der gemeinsame Beginn des Abendessens etwa können unter bestimmten Voraussetzungen ebenso zum Ritual werden. Wann aber wird eine alltägliche Routine zur rituellen Handlung? Was unterscheidet Gewohnheit von Ritual?

Zuallererst geht es bei Ritualen stets um das Sichtbarmachen einer tieferen, symbolischen Bedeutung: sei es durch bestimmte Gesten, Bewegungen, Sprachwendungen oder auch das Anziehen spezieller Kleidung. Im Gegensatz zur Gewohnheit steckt in jedem Ritual also etwas Besonderes, oft Emotionales oder Feierliches, dem durch beobachtbare Handlungen Ausdruck verliehen wird.

Österliches Ritual: das Anzünden der Osterkerze.

Nach einem festen Muster


Wie sich diese Handlungen zu vollziehen haben, ist fest vorgeschrieben. Sie werden in bestimmten Situationen ganz bewusst immer wieder getan und folgen dabei dem immer gleichen Muster. Rituale haben etwas streng Förmliches, von dem nicht so einfach abgewichen werden darf.

"Ginge es beim Anzünden der Osterkerze nur darum, Licht zu erzeugen, müsste die Kerze sogleich durch bessere oder billigere Leuchtmittel ersetzt werden, etwa eine Neonröhre", schreibt der Ritualforscher Axel Michaels. Doch Pragmatismus spielt bei Ritualen keine Rolle. Vielmehr geht es um Wiederholbarkeit und Beständigkeit.

Routine oder Ritual?


Erst die Kombination aus Standardisierung und Symbolcharakter macht aus einer Alltags- oftmals eine Ritualhandlung: Wer jeden Abend eine Kerze anzündet, ohne sich viel dabei zu denken, vollzieht noch kein Ritual. Wer hingegen jeden Abend eine Kerze anzündet, um einem verstorbenen Menschen zu gedenken, führt sehr wohl ein Ritual durch.

Auch das alljährliche Anzünden und Auspusten von Kerzen auf der Geburtstagstorte ist ein Ritual. Denn es wird jedes Jahr aufs Neue getan und es steht ein größerer Sinnzusammenhang dahinter – symbolisieren die Kerzen doch die Lebensjahre des Geburtstagskindes, das mit dieser Geste besonders gefeiert werden soll.

Bezug auf höhere Werte


Viele Rituale zeichnen sich neben diesen Kernmerkmalen durch zwei weitere Eigenschaften aus: Überhöhung und Transformation. Erstens beziehen sich rituelle Handlungen oft auf eine andere, höher bewertete Welt, heilige Anfänge oder überpersönliche Werte und Ideale. So steht bei kirchlichen Ritualen etwa der Bezug auf das Göttliche im Vordergrund, bei politischen Ritualen wie der Amtseinführung eines Staatspräsidenten sind es die Werte der Verfassung und beim Schmettern einer Fußballhymne ist es vielleicht die altehrwürdige Tradition des besungenen Vereins.

Zweitens zeigen Rituale oft Wirkungen, sie initiieren eine Transformation. Das wird zum Beispiel bei Heilritualen oder sogenannten Initiationsritualen wie der Heirat oder der Promotionszeremonie deutlich. Ein Mensch wird dabei vom Kranken zum Gesunden, vom Mann zum Ehemann oder vom Studenten zum Doktor.
Daniela Albat
Stand: 07.04.2017
 
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