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Freitag, 10.02.2012
Wenn die Gletscher weg sind
Folgen des Klimawandels in den Alpen

Wenn man den Forschern und deren Klimamodellen glauben darf, sieht es für die Zukunft der Alpen schlecht aus: Klimasimulationen mit einem regionalen Klimamodell (RCM) haben für die Alpen ein Klima vorausberechnet, bei dem innerhalb weniger Dekaden die meisten Alpengletscher abschmelzen würden. Angenommen wurde dabei eine Verdoppelung des Kohlendioxidgehaltes in der Atmosphäre, wie sie für das Jahr 2030 prognostiziert wird. Als Folge könnten die Sommer heisser und trockener, die Winter wärmer und feuchter werden. Eine solche Erwärmung ist in hohen Lagen proportional stärker - und trifft damit die für die Gletscher entscheidenden Firnregionen besonders stark.

Gletscher in den Alpen 
Gletscher in den Alpen
© Harald Frater
Welche Folgen hätte ein Klimawandel für die Schweiz? Diese Frage stellten sich Wissenschaftler innerhalb eines nationalen Forschungsprojektes über "Klimaänderung und Naturkatastrophen". Sie sind zu dem Schluss gekommen, dass nicht nur die punktuellen Katastrophen wie Lawinen, Murengänge und Hochwasser die Alpen beeinträchtigen werden, sondern vor allem die feinen Umstellungen eines saisonalen Klimas. "Ändert sich das Klima, wiegen die schleichenden Verschiebungen schwerer als extreme Katastrophen."

Die Veränderungen des Lokalklimas sollen nach Meinung der Wissenschaftler zu einer Instabilisierung der Gebirgsökosysteme führen. Besonders die Vegetation würde sich entscheidend verändern. Die spezialisierten Hochgebirgspflanzen könnten durch "Fremdlinge" verdrängt werden. Der Anteil der heimischen - standortgerechten - Waldflächen könnte von heute 70 Prozent auf 40 Prozent absinken.

Weit auffälliger als die "schleichenden" Prozesse werden allerdings die Katastrophen sein. Es schmelzen nicht nur die Gletscher ab sondern die Fläche des gefrorenen Bodens (Permafrost) geht immer gleichfalls weiter zurück. Die Frostgrenze ist in den letzten Jahrhundert um 100 bis 250 Meter hangaufwärts gewandert. Dadurch tauten große ehemals gefrorene Böden auf und immer mehr Schuttlager werden freigegeben. Bei starken Niederschlägen können sich diese Schuttmassen in Bewegung setzen und mit zerstörerischer Kraft abwärts schießen.

Durch einen solchen sogenannten "Murgang" bedroht ist zum Beispiel das Engadiner Dorf Pontresina. 1987 riss ein Geröllsturz dort über 10.000 Kubikmeter Schutt zu Tal. Und die Gefahr ist noch nicht gebannt: Weitere Mengen Gerölls drohen auf den Ort hinunterzustürzen. Situationen wie diese könnten sich in Zukunft immer mehr häufen, wenn sich die Gletscher weiter zurückziehen und dadurch immer größere Flächen der jahrhundertelang mit Eis bedeckten Schuttmassen freilegen.

Wenn die Gletscher durch die erhöhten Temperaturen schmelzen, wird auch maßgeblich in den Kreislauf des Wassers eingegriffen. Hochwasser wie 1987 in Uri und 1993 in Brig könnten vermehrt auftreten. Die Saison der über die Ufer tretenden Wildbäche und Flüsse würde sich verlängern. Naturkatastrophen wie Hochwasser und Murgänge verursachen bereits heute Schadensummen zwischen 135 und 450 Millionen Franken pro Jahr.

Aber auch mit Einbußen im Tourismusgewerbe ist zu rechnen. Die "schneesicheren" Skigebiete verlagern sich bis zum Jahr 2050 von 1200 Meter auf 1500 Meter Höhe, da innerhalb der Klimaprognosen mit wärmeren Wintern gerechnet wird. Die Schweizer Forscher gehen dann von einem jährlichen Einkommensverlust von 2,3 Milliarden Franken aus. Um die finanziellen Schäden durch ein sich wandelnden Klimas im Rahmen zu halten, sollten Schutzmaßnahmen gegen extreme Hochwasser und Murgänge in das Blickfeld gerückt werden.

Die Schweizer Wissenschaftler beklagen in ihrer Studie, dass die Orts- und Regionalplanung nicht die Gesamtheit der Naturgefahren in ihre Planungen einbezieht. Die Planung beschränke sich auf bekannte, relativ häufig auftretende Naturgefahren wie zum Beispiel Lawinen. Die Lawinenabgänge sollen aber gerade nicht durch eine Klimaveränderung beeinflusst werden.

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