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Dienstag, 09.02.2010
Warmblüter oder Kaltblüter?
Fragen über Fragen...

Velociraptor 
Velociraptor
© Joe Tucciarone
Unterschied zu Warmblütern können kaltblütige Tiere ihre Körpertemperatur nicht verändern und sind auf die Wärmezufuhr von außen angewiesen. Deshalb sieht man häufig sich sonnende Salamander, denn nur ein gut aufgewärmtes Tier kann schnell jagen.
Warmblütige Tiere - Säugetiere und Vögel - können hingegen Wärme selbst erzeugen und so ihre Körpertemperatur konstant halten. Sie sind unabhängig von Tages- und Jahreszeit immer aktiv.

Da nun Dinosaurier auch zu den Reptilien gehörten, ging man lange Zeit davon aus, dass auch sie Kaltblüter beziehungsweise wechselwarme Tiere waren. In den 70er Jahren kam aber die Theorie auf, dass die Riesenechsen möglicherweise doch warmblütig gewesen sein könnten. Verschiedenes deutet darauf hin: Ihre Beine waren so gerade wie die der Säugetiere, ihre großen Brustkörbe deuten auf säugetierartige Herzen und Lungen hin, die Anzahl ihrer Blutgefäße war typisch für Warmblüter und sie hatten vermutlich Röhrenknochen, die eine schnelle Blutzirkulation ermöglichten. Alles Eigenschaften, die auch bei Warmblütern zu finden sind. Ihr Knochenaufbau war allgemein für eine effektive und schnelle Jagd geeignet, wozu träge Kaltblüter meistens nicht in der Lage sind.

Rückensegel zur Wärmeaufnahme
Doch es gab offenbar auch Zwischenstufen auf dem Weg zur Warmblütigkeit. Durch das warme Klima hatten die Dinosaurier sowieso schon eine hohe Körpertemperatur und wenn sie noch mehr Wärme brauchten, sonnten sie sich. Einige Dinosaurier-Arten hatten zur verbesserten Wärmeaufnahme eine vergrößerte Hautoberfläche in Form von Rückensegeln und -platten. Den Riesendinosauriern hätten aber auch diese zusätzliche Hautstücke nicht geholfen, da ihr Körper einfach zu riesig war. Doch bei ihrer Größe sammelte sich ohne Probleme genügend innere Wärme, die durch Muskelbewegungen und Stoffwechselprozesse produziert wurde. Die Wärmeabgabe verzögerte sich zusätzlich aufgrund der Größe - der Weg zur Haut war länger, als bei kleinen Dinosauriern und die Hautoberfläche relativ gesehen kleiner.

Im Zuge dieses Prozesses entwickelten sie sich zu Warmblütern. Jungtiere waren dagegen zu Beginn ihres langen Dinosaurierlebens kaltblütig, da die kleinen Körper nicht genügend Wärme sammeln konnten und auch schneller wieder auskühlten. Die kleinen warmblütigen Dinosaurier-Arten hatten mit einem schnellen Wärmeverlust durch Auskühlung zu kämpfen und so wird vermutet, dass sie zur Isolierung ein Federkleid - wie der Archaeopteryx - trugen. Eine noch andere Form der Warmblütigkeit entwickelten die Raubdinosaurier. Ihre selbst erzeugte Körpertemperatur wurde noch durch zusätzliche Wärme - durch die energiereiche Fleischkost - gesteigert. So war es ihnen möglich flink zu jagen oder schnell zu flüchten.

Anfang der 90er Jahre machten Forscher von der North Carolina State University und der University of Southern California eine spannende Entdeckung: Sie benutzen dafür eine Methode, die aus der Klimaforschung stammt und darauf beruht, dass Sauerstoff in der Natur meistens in zwei Isotopen vorkommt. Das Verhältnis dieser Isotope - 0-16 und 0-18 - ist temperaturabhängig, wobei bei höheren Temperaturen der Anteil von 0-16 überwiegt. Auch bei der Bildung von Phosphaten - einem Teil der Knochensubstanz - kommen beide Isotope temperaturabhängig vor. Die Wissenschaftler stellten fest, das sich Knochen bei Warmblütern bei gleichbleibender Temperatur bilden. Bei Kaltblütern ist im Gegensatz dazu der Rumpf wärmer als die Extremitäten.

Knochenanalyse mit überraschendem Ergebnis
Bei der Untersuchungen von Dinosaurierknochen konnten ebenfalls keine großen Temperaturunterschiede festgestellt werden - ein Hinweis für die Warmblütigkeit? Noch erstaunlicher waren die Ergebnisse bei der Knochenanalyse eines großen Pflanzenfressers, denn bei ihm wurde sogar ein Wechsel der Stoffwechselaktivität festgestellt. Danach muss er in seiner Jugend warmblütig, aber als ausgewachsener Dinosaurier kaltblütig gewesen sein. So konnte er in der Phase, in der er am verletzlichsten war, schnell wachsen, später aber ein ruhiges und behäbiges Leben führen.

Ein weiteres Indiz für die Warmblütigkeit der Dinosaurier sind Funde aus den kalten Polarregionen. Wenn sich die Dinosaurier nicht nur während der Sommermonate dort aufgehalten haben, mussten sie entweder im Polarwinter Winterschlaf halten oder - und das ist wahrscheinlicher - sie konnten ihre Körpertemperatur regulieren, was wiederum bedeuten würde, dass sie Warmblüter waren.

Doch die Diskussionen sind weiterhin kontrovers, da andere Paläontologen auch schon die Hypothese aufstellten, dass Dinosaurier nicht nur doch Kaltblüter, sondern eventuell ein Mittelding zwischen Warm- und Kaltblütern waren. Die Debatte wird wohl so lange andauern, bis der überzeugende Beweis für oder gegen die Warmblütigkeit der Dinosaurier erbracht wird...

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