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Sonntag, 20.08.2017
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Lohnt es sich überhaupt?

Warum der "Run" nur zögerlich anläuft

Den Prognosen der Klimaforscher nach könnte das Nordpolarmeer bis 2040 oder 2050 im Sommer komplett eisfrei sein. Denn die Erwärmung lässt die arktischen Meereisflächen immer weiter schrumpfen - im Schnitt um drei Quadratmeter für jede Tonne vom Menschen emittiertes Kohlendioxid. Im Sommer 2016 gab es selbst nahe am Nordpol bereits offene Wasserflächen.

Die vom russischen Konzern Gazprom betriebene Prirazlomnaya-Bohrinsel ist die erste eisfeste Offshore-Förderplattform.

Eis, Sturm und Kälte


Damit werden immer mehr Meeresgebiete zugänglich, unter denen sich reiche Erdöl- und Erdgasvorkommen verbergen. Doch diese auch auszubeuten, ist alles andere als einfach. Denn selbst wenn kein Meereis mehr den Ozean bedeckt, sind die Bedingungen harsch. Mensch und Material müssen enormer Kälte und schweren Stürmen standhalten. Zudem sind die Bohrplattformen in ständiger Gefahr, von treibenden Eisschollen und Eisbergen gerammt zu werden – vom Zufrieren des Polarmeeres im Winter ganz zu schweigen.

"Im Winter, in der Polarnacht, wird es immer eine Eisbedeckung geben", erklärte der deutsche Polarforscher Roland Bauer kürzlich im Deutschlandfunk. "Zum Beispiel Ölplattformen werden immer so konstruiert sein müssen, dass sie auch Eis aushalten – und das ist eine sehr, sehr große technologische Herausforderung." Hinzu kommt die Schwierigkeit, die weitab der Zivilisation liegenden Förderplattformen mit Vorräten zu versorgen oder das geförderte Öl und Gas abzutransportieren.

Niedriger Ölpreis bremst Erkundungseifer


All dies treibt die Kosten für eine Erkundung und Förderung der Energierohstoffe im Nordpolarmeer enorm in die Höhe. All dies lohnt sich nur, wenn die Öl- und Gaspreise so hoch sind, dass die Konzerne trotzdem Gewinne machen können. Genau dies ist jedoch im Moment nicht der Fall – noch nicht. Vor allem durch das Fracking in den USA gibt es momentan reichlich Öl und Gas auf dem Weltmarkt und die Preise sind vor einigen Jahren abgestürzt.

Das von Shell unter anderem in der Tschuktschensee eingesetzte Eplorationsschiff Arctic Challenger.

Das von Shell unter anderem in der Tschuktschensee eingesetzte Eplorationsschiff Arctic Challenger.

Die Öl- und Gaskonzerne reagierten prompt: Bereits 2012 stoppte der russische Gaskonzern Gazprom seine Erschließung des Shtokman-Gasfelds in der südlichen Barentssee – obwohl dieses Feld als eines der größten noch unerschlossenen Lagerstätten weltweit gilt. Der Grund: Zu hoher Aufwand und zu wenig künftige Abnehmer. 2014 legte Chevron seine Pläne auf Eis, in der kanadischen Beaufort-See eine Multimillionen US-Dollar teure Tiefsee-Erkundungsbohrung durchzuführen. Begründung: Der Preisverfall erzwinge Budgetkürzungen.

2015 entschieden sich auch ConocoPhilips und HuskyEnergy dafür, ihre im Nordpolarmeer geplanten Probebohrungen vorerst aufzugeben. Shell hat zwar in der Tschuktschensee erste Explorationsarbeiten begonnen, diese aber Ende 2015 aufgegeben. Gleich fünf Ölkonzerne, darunter auch Statoil und Shell, haben zudem auch ihre Lizenzen für dieses Gebiet zurückgegeben.

"Das kann sich schnell ändern"


Doch diese Zurückhaltung kann schnell vorbei sein: Sollte der Ölpreis wieder steigen, wird auch die Rohstoffförderung in der Arktis wieder attraktiver. "Das kann sich innerhalb von Wochen und Monaten oder ein, zwei Jahren radikal verändern", sagte Tobias Münchmeyer von Greenpeace im Deutschlandfunk. "Ein Ölpreis, der nach oben schießt, würde die ökonomischen Rahmenbedingungen für arktische Bohrungen ganz erheblich verbessern – und darauf muss man sich einstellen."

Spätestens, wenn die Ressourcen anderswo knapper werden, dürfte auch die Motivation zur Ausbeutung der arktischen Ressourcen wieder steigen. Für die Umwelt der Polarregion allerdings könnte dies gravierende Folgen haben.
Nadja Podbregar
Stand: 18.11.2016
 
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