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Freitag, 20.01.2017
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Wem gehört es?

Territorien und Nutzungsrechte in der Arktis

Auch wenn der Rohstoffreichtum der Arktis gerade zu einem Run auf die Ressourcen einzuladen scheint – längst nicht jeder darf hier mitspielen. Denn im Prinzip sind die Territorien in der Arktis klar zugeteilt. Weite Teile der Schelfgebiete gehören den fünf Anrainerstaaten Russland, den USA, Kanada, Norwegen und Dänemark über Grönland.

Wer dabei wie viel Anteil bekommt und wo, regelt das internationale Seerechts-Übereinkommen (SRÜ). Nach diesem gehört jeweils ein zwölf Seemeilen breiter Streifen vor der Küste jedes Landes zum nationalen Territorium. Noch weiter nach außen reicht die sogenannte ausschließliche Wirtschaftszone. Sie erstreckt sich vom Land 200 Seemeilen weit ins Meer hinaus und beinhaltet das Recht, alle natürlichen Ressourcen in und unter diesem Gebiet auszubeuten.

Karger Klumpen: Blick auf die umstrittene Hans-Insel zwischen Grönland und Kanada

Aquavit gegen Whiskey


So weit klar, scheint es. Doch in der Praxis gibt es selbst bei diesen Gebieten erste Konflikte. So streiten sich Dänemark und Kanada seit Jahren um die Hans-Insel – ein gerade einmal zwölf Quadratkilometer kleines, kahles und unbewohntes Eiland zwischen der kanadischen Ellesmere-Insel und der Nordwestküste Grönlands.

Weil die Insel genau zwischen beiden Territorien liegt, gibt es bisher keine Einigung, wem sie gehören soll. Seit Jahrzehnten tragen die beiden Länder dabei ihren Streit auf ziemlich skurrile Art aus: Jedes Mal, wenn eine kanadische Expedition an der Insel vorbeikommt, pflanzt sie die Ahornblatt-Flagge auf und deponiert daneben eine Flasche kanadischen Whiskeys. Kommen dann Grönländer vorbei, wird die Flagge gegen eine dänische getauscht und statt des Whiskeys eine Flasche Aquavit deponiert.

Bohrplattform Northstar Island in der Beaufort See nördlich von Alaska

Streit gibt es auch um ein keilförmiges Gebiet in der Beaufort-See zwischen dem kanadischen Yukon-Territorium und Alaska. Weil auch hier größere Erdölvorkommen unter dem Meeresboden liegen, diskutieren Kanada und die USA seit 1976 über die "korrekte" Grenzziehung – bisher ohne Einigung. Einer der Gründe dafür: Die USA hat als einziger Anrainerstaat das Seerechts-Übereinkommen nicht ratifiziert. Eine gerichtliche Entscheidung ist daher kaum möglich.

Spitzbergen und die 47 "Mitesser"


Wichtiger für Europa und Deutschland könnte jedoch die Uneinigkeit über Spitzbergen sein. Zwar gehören diese Inseln zu Norwegen, durch den 1920 geschlossenen Spitzbergen-Vertrag wurde die Souveränität aber eingeschränkt – und allen Unterzeichnerstaaten das Recht auf eine Nutzung der Ressourcen eingeräumt.

Spitzbergen gehört zwar zu Norwegen, steht aber unter einem eigenen Vertrag - und das sorgt für Uneinigkeit.

Mit dem Abtauen der Barentssee weckt dies bei den 47 Unterzeichnerländern Begehrlichkeiten. Auch Deutschland könnte über diesen Vertrag ein Stück vom arktischen Kuchen abbekommen. Norwegen allerdings ist der Ansicht, dass sich der Spitzbergen-Vertrag nur auf das Festland der Inseln bezieht. Die ausschließliche Wirtschaftszone um Svalbard herum sei dagegen daher klar norwegisches Gebiet. Bisher gibt es dazu jedoch kein eindeutiges Urteil.

"Die Spitzbergen-Frage ist von grundlegender Bedeutung hinsichtlich der künftigen Nutzung der prognostizierten Erdöl- und Gasressourcen in der nördlichen Barentssee", heißt es in einem aktuellen Bericht der deutschen Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). "Die europäische Arktis wird aufgrund der geografischen Nähe auch für die künftige Versorgung Deutschlands mit Rohstoffen von besonderer Bedeutung sein."

Aber diese eher begrenzten Streitigkeiten sind noch lange nicht die ganze Geschichte…
Nadja Podbregar
Stand: 18.11.2016
 
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