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Freitag, 10.02.2012
Hüterin der Weisheit oder lautloser Todesvogel?
Eulen

Eulen haben in jedem Kulturkreis eine andere Bedeutung, dennoch dominieren in fast allen Sagen und Geschichten zwei Extreme: Entweder sind Eulen unheilvolle Nachtvögel, die Unglück und Verderben bringen oder sie verkörpern Weisheit und bringen dem Menschen Glück.

Short eared owl 
Short eared owl
© Dave Menke / U.S. Fish and Wildlife Service
In vielen Geschichten sind Eulen mit Hexen befreundet oder sogar selbst verwandelte Hexen. Weit verbreitet und ein bißchen ekelhaft ist auch die Sage, dass man besser sehen kann, wenn man Eulenaugen ißt. In Indien konnten sich die Menschen lange Zeit nicht entscheiden, ob Eulenschreie in der Nacht ein gutes oder ein schlechtes Omen sind. Daher haben sie im Laufe der Zeit ein ausgeklügeltes System entwickelt: Ein Eulenschrei bedeutet einen bevorstehenden Todesfall; zwei Schreie bedeuten Erfolg in einer bald beginnenden Sache; drei Schreie bedeuten, dass demnächst eine Frau in die Familie einheiratet; vier Schreie verheißen Unruhen, fünf Schreie, daß eine Reise bevorsteht ... - und neun Schreie bedeuten schließlich, dass man einfach Glück hat. Offensichtlich gehören auch die Eulen, wie schon Katzen und Fledermäuse, zu den nachtaktiven Tieren, die magische und mysteriöse Geschichten geradezu anziehen.

Weltweit gibt es etwa 140 verschiedene Eulenarten. Die meisten Eulen sind in der Dämmerung oder nachts auf Beutefang, einige jagen aber auch am Tag, wie z.B. die Sperbereule. Eulen sind die lautlosen Jäger der Nacht. Während tagaktive Raubvögel als Jagdstrategie oft den schnellen Überraschungsangriff nutzen, sitzen die Nachtvögel mit den Riesenaugen meist "nur" beobachtend und horchend auf den Bäumen. Und wenn sie potentielle Beute gesichtet haben, ist der leise Flug der Eulen die größte Überraschung für die Beute.

Damit das auch gut funktioniert, haben Eulen einige besondere Anpassungen entwickelt. So ist ihr Flügelschlag im Gegensatz zu einem tagaktiven Raubvogel fast lautlos. Das Gefieder der Eulen ist sehr weich. Ein besonders dichtes und samtartiges Polster auf der Oberseite der Flügel und kammartige Zähnchen an den Kanten der Schwingen verwirbeln den Luftstrom beim Fliegen und unterdrücken so jedes Geräusch. Außerdem sind die Tiere trotz ihrer Größe und Flügelspannweite extrem leicht. Das hat nicht nur den Effekt, dass die Beute nicht durch Flügelschlagen gewarnt wird, sondern bewirkt auch, dass das Gehör der Eule durch ihre eigenen Fluggeräusche nicht gestört wird.

Typisch für Eulen ist der dicke Kopf mit den großen nach vorn gerichteten Augen. Die Augen liegen in teleskopartigen, nach vorne verengten Knocheröhren. So sind die Augen besonders gut für das räumliche Sehen geeignet, was bei der Einschätzung von Entfernungen wichtig ist. Ein Nachteil ist, dass sich die Augen in ihren Augenhöhlen fast gar nicht bewegen können. Aber da Eulen ihren Kopf bis zu 270 Grad drehen können, entgeht ihnen trotzdem keine einzige Bewegung in der Nacht. Die Anzahl der lichtempfindlichen Zellen (Stäbchen) auf der Netzhaut ist bei den Eulen, wie auch schon bei den Katzen, zudem weitaus größer als bei tagaktiven Vögeln.

Eulen sind aber vor allem deshalb so erfolgreiche Nachtjäger, weil ihre Augen und Ohren so gut zusammenarbeiten. Die Anordnung der Federn um das Gesicht der Eule, der sogenannte "Gesichtsschleier" leitet die Schallwellen eines potentiellen Opfers zu den Ohren. Die Ohren liegen bei den rein nachtjagden Arten leicht asymmetrisch am Kopf. Daher kommt ein Ton bei einem Ohr immer um ein drei Hunderttausendstel Sekunden früher an als bei dem anderen.

Diese minimale Zeitdifferenz nutzt die Eule, um die Ursache des Geräusches, die potentielle Beute, genau zu orten. Eulen sind, anders als Katzen, sogar noch in der Lage, bei stockdunkler Nacht nur mit Hilfe der Ohren zu jagen. Mit einer solchen pysiologischen Ausstattung kann fast jede Beute bestens geortet werden und das Abendessen ist der Eule - in den meisten Fällen - sicher.

Ruf eines Uhus
Ruf einer Schleiereule

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