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Freitag, 10.02.2012
Genpatente- Ausverkauf des menschlichen Erbguts?
Genpatente auf dem Vormarsch

Nachdem nun die Rohdaten der "Blaupause des Lebens" vorliegen, sollen sie mithilfe von Patenten nun auch wirtschaftlich Früchte bringen. Biotech-Unternehmen in aller Welt arbeiten mit Hochdruck daran, aus der verwirrenden Abfolge von immergleichen Basenpaaren einzelne Genomsequenzen zu isolieren, ihnen auf Verdacht hin eine Funktion zuzuordnen und sie dann schleunigst zum Patent anzumelden.

Patent auf Gene 
Patent auf Gene
© NIH/MMCD
In den USA wurden bereits 660 "Patente auf Leben" erteilt, weltweit sind es bisher rund 2.500. Im europäischen Patentamt in München warten bereits weitere rund 15.000 Patentanmeldungen im Bereich Gentechnologie auf ihre Bearbeitung, 2.000 von ihnen sind speziell auf menschliche Gene bezogen. Jeden Monat kommen weitere 40 Anträge auf Genpatente hinzu, Tendenz steigend. Hat der Ausverkauf des menschlichen Genoms begonnen?

Craig Venter, der als Besitzer der Gentechnikfirma Celera selbst an dem Wettlauf um Patente teilnimmt, prognostiziert sogar einen regelrechten Handelskrieg um den Rohstoff Genom: "Es werden derzeit alle wirtschaftlich verwertbaren Einheiten [des Genoms] systematisch aufgesucht und auf Verdacht hin zum Patentamt getragen, und es ist zu erwarten, dass letztendlich viele Gensequenzen des Menschen tatsächlich von irgendwelchen Firmen zu ihrem geistigen Eigentum oder ihrer Erfindung erklärt werden." Vor einer solchen im Extremfall monopolartigen Verteilung der Nutzungsrechte warnt auch der Gentechnik-Kritiker Jeremy Rifkin, der von zukünftigen "Kriegen um Gene" spricht.

Verschärft wird dieses Szenario noch durch die vielerorts herrschende Rechtsunsicherheit in Bezug auf die Biopatente. Nach Ansicht vieler Kritiker deckt das zur Zeit geltende Patentrecht den Bereich der Biopatente nur unzureichend und nicht eindeutig genug ab, in welche Richtung die dringende Reform des Gesetzes allerdings zu gehen hat, darüber wird noch gestritten. Politik und aktuelles Patentrecht hinken damit den aktuellen Entwicklungen in der Forschung wieder einmal deutlich hinterher...

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