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Freitag, 10.02.2012
Biopatente im Wandel der Zeit
Ausgewählte Meilensteine der Gentechnik- und Patentgeschichte

1952
Das noch heute gültige Patentgesetz der USA wird beschlossen.

1973
Das europäische Patentübereinkommen wird beschlossen. In ihm sind Pflanzensorten und Tierarten ausdrücklich von der Patentierung ausgenommen.

1980
Das US-Supreme Court fällt eine Grundsatzentscheidung, nach der gentechnisch veränderte Lebensformen patentiert werden können. Anlass ist der Patentantrag der Ölfirma Exxon für einen ölabbauenden Mikroorganismus. Damit ist der Grundstein für die prinzipielle kommerzielle Nutzung der Gentechnik gelegt.

1981
Die Chemiefirma Hoechst zahlt dem Universitätskrankenhaus der amerikanischen Harvard Medical School 70 Millionen Dollar für einen Institutsneubau. Als Gegenleistung sichert sich Hoechst die exklusiven Lizenzrechte auf alle Patente, die dieses Institut anmelden wird.
In Europa erteilt das EPA das erste Patent für einen Mikroorganismus.

1983
Die Firma Eli Lilly erhält ein US-Patent auf die Produktion von Insulin. Das Stanford Research Institute International beantragt ein Patent auf einen Expressionsvektor des Bakteriums Escherischia coli.
Die ersten US-Patente für gentechnisch veränderte Pflanzen werden vergeben.

1984
Die Stanford Universität erhält ein Patent für prokaryotische RNA.

1987
Das Unternehmen Calgene, Inc. erhält ein Patent für eine spezielle Gensequenz der Tomate, die die Haltbarkeit der Frucht deutlich verlängert.

1988
Die Genetiker Philip Leder und Timothy Stewart erhalten das weltweit erste Patent für ein gentechnisch verändertes Säugetier. Die sogenannte "Harvard-Krebsmaus" ist besonders anfällig gegenüber bestimmten Formen des Brustkrebses.
Die Firma SyStemix lässt sich eine Maus patentieren, deren Immunsystem durch gentechnische Eingriffe dem menschlichen ähnelt. Sie soll in der Aidsforschung eingesetzt werden.
Die Firmen Hoffmann-La Roche und Cetus schließen im Austausch einen Lizenzvertag ab, bei dem jede Firma ein Krebsmittel der anderen nutzen darf. Es ist der erste "Crosslicensing" Vertrag dieser Art.

1990
Die Universität Stanford meldet ihr hundertstes DNA-Patent an. Ein Jahr später hat es bereits 40 Milionen Dollar eingebracht.
Das Human Genome Project, das die komplette Entschlüsselung der menschlichen Erbguts zum Ziel hat, beginnt.

1991
Ein Gen für eine Form des erblichen Brustkrebses wird auf Chromosom 17 identifiziert.

1994
Die amerikanische Firma Genentech erhält vom europäischen Patentamt ein Patent auf menschliche Organe, die vor der Transplantation mit einem Wachstumsfaktor behandelt werden sollen.
Die erste, noch grobe aber umfangreiche Linkkarte des menschlichen Genoms wird im Fachmagazin Science veröffentlicht.
Im Humane Genome Projekt müssen erste Besitzansprüche und Verteilungsstreitigkeiten geklärt werden.

1995
Erstmals bildet sich größerer Widerstand gegen die bestehende Praxis der US-Patentierungspraxis. Eine Kampagne der großen Religionsgemeinschaften, der sich auch der Genkritiker Jeremy Rifkin anschließt, fordert eine Verschärfung der Patentrichtlinien für Gene. In Europa klagt die Umweltorganisation Greenpeace erfolgreich gegen ein Patent auf genmanipulierte Pflanzen der Firma PGS.

1996
Eine Forschergruppe sequenziert erstmals vollständig das zwölf Millionen Basenpaare umfassende Genom der Hefe Saccharomyces cerevisiae.

1997
Forscher des schottischen Roslin Institutes klonen das Schaf Dolly aus der Euterzelle eines erwachsenen Schafs. Wenig später wird auch Polly geklont, ein Schaf, das ein menschliches Gen trägt.

Eine Grundsatzentscheidung der US-Patentbehörde sorgt für Aufsehen und Empörung. Demnach können ab sofort auch kurze Gensequenzen, sogenannte "Expresse Sequence Tags (ESTs)" patentiert werden. Sie dienen als Marker bei der Entschlüsselung umfangreicherer Gensequenzen.

1998
Die EU verabschiedet eine neue Patentrichtlinie, die die Patentierung von Lebewesen wie Pflanzen und Tieren ausdrücklich erlaubt. Sie ist für das euroäische Patentamt jedoch nicht bindend.
Wissenschftler der Universtität von Hawaii klonen drei Generationen von Mäusen aus dem Kern einer adulten Ovarienzelle.
Das erste komplette Genom eines Tieres, des Fadenwurms Caenorhabditis elegans, wird entschlüsselt.
Eine weitere Rohfassung der menschlichen Genkarte wird veröffentlicht. Sie zeigt die Lage von rund 30.000 Genen.

1999
Das europäische Patentamt entscheidet sich dafür, die EU-Patentrichtlinie zum Teil der eigenen Ausführungsverordnung zu erklären. Damit steht diese im Widerspruch zum noch immer geltenden europäischen Patentübereinkommen. Im Dezember erteilt das EPA - nach eigenen Angaben irrtümlich - ein Patent auf ein Verfahren zur Herstellung einer Chimäre aus Mensch und Tier.

2000
Craig Venter von der Firma Celera verkündet die vollständige Entschlüsselung des menschlichen Genoms.
In Deutschland wird über eine nationale Patentrichtlinie beraten, die die Patentierung von Gensequenzen unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt.
In Grossbritannien fällt die Entscheidung, künftig therapeutisches Klonen menschlicher Embryonen zu gestatten.
Greenpeace entdeckt das Chimären-Patent des EPA und bringt das Thema "Genpatente" in die Diskussion.

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