Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Spielwiese Europas
Die touristische Entdeckung der Alpen

Lange galten die Alpen als heile Welt mit glücklichen Kühen und zufriedenen Bergbauern. Natürlich, dieses Bild ist längst überholt. Auch die Wanderer in kariertem Hemd und Kniebundhose sind rar geworden. Heute sind die Alpen die größte Spielwiese Europas, Tummelplatz für Snowboarder, Mountainbiker, Riverrafter, Paraglider und dergleichen mehr. Nicht mehr so sehr das Naturerlebnis beim Wandern steht im Vordergrund, die alpine Landschaft wurde zur Sportarena umfunktioniert.

Die großen Tourismuszentren überbieten sich dabei beim Kundenfang und locken mit Megaevents. Der moderne Aktiv- und Funurlaub schlägt sich in der alpine Landschaft nieder: In Form überdimensionierter Hotelkomplexe, ausufernder Feriensiedlungen, Straßengewirr, Parkplätzen und Skianlagen, die als bauliche Fremdkörper das Landschaftsbild zerstören. Doch während einige Zentren boomen, verzeichnen besonders kleine Alpengemeinden einen dramatischen Bevölkerungsrückgang - unter Aufgabe der traditionellen Landwirtschaft.

Wie kam es zu dieser Entwicklung? Noch bis Mitte des 18. Jahrhunderts galten die Alpen als "montes horribles", deren mächtige Berggipfel den Menschen aus dem Flachland gehörig Furcht einflössten. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts wandelte sich das Bild der Alpen, denn "Schöngeister" wie Schriftsteller und Maler entdeckten sie zunehmend als Objekt ihrer Romane und Bilder. Die Hochgebirgslandschaft wurde plötzlich als schön empfunden und die "Belle-Epoque" des Alpentourismus begann. Zunächst wurden die Felsgipfel zwar noch aus sicherer Distanz genossen, aber mit der Zeit drangen mutige Bergsteiger immer weiter vor.

Der Berg rief und Millionen kamen. Die "Belle-Epoque" des frühen 20. Jahrhunderts leitete den Massentourismus ein. 1938 zog es jährlich bereits zehn Millionen Urlauber - überwiegend Sommerfrischler - in die Alpen. Ab 1965 ersetzen Seilbahnen und Lifte zunehmend das Skibergsteigen - die Geburtstunde des Wintermassentourismus. Heute sind die Alpen mit jährlich über 100 Millionen Urlaubern die bedeutendste Fremdenverkehrsregion Europas geworden.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Gebirge als Lebensraum
Bedeutung und Bedrohung
Lebensraum Gebirge
Riesen in Gefahr
Das Jahr der Berge
Schutz des sensiblen Ökosystems
Die Stellung der Alpen in Europa
Erholungs- und Transitraum
Die Zukunft der Alpen in Europa
Der Weg zur Alpenkonvention
Die Gestalt der Gebirge
Auf der Suche nach Gemeinsamkeiten
Globale Klimaänderung
Die Gletscher schmelzen
Lawinen und Muren
Katastrophe für die Bergwelt
Spielwiese Europas
Die touristische Entdeckung der Alpen
Skizirkus und Bauernsterben
Die Auswüchse des Massentourismus
Auf der Alm da gibt's koa Sünd
Die Wiederbelebung des Bergbauerntums
Europäischer Transitraum
Die Alpen als Verkehrsgasse
Im Huckepack über die Alpen
Im längsten Eisenbahntunnel der Welt
Die Vermarktung der Bergwelt
Lockruf der Achttausender
und mehr...
Zum Weiterlesen
Links und Literatur
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen