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Donnerstag, 24.05.2018
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Mit Blindheit geschlagen...

Folgenreiche Panne der El-Niño-Vorhersage 1982/83

Bis vor wenigen Jahren steckte die El Niño-Vorhersage noch in den Anfängen - mit teilweise fatalen Folgen. Noch im Spätsommer 1982 waren sich Klimaforscher darin einig, dass im folgenden Winter kein El Niño-Ereignis bevorstehe. Zwar hatten einige Messschiffe eine Erhöhung der Meerestemperatur im östlichen Pazifik beobachtet, die Satellitendaten zeigten jedoch keinerlei signifikante Veränderungen. Und auch die Computermodelle der Klimaforscher blieben stumm. Eine Warnung blieb aus.

Computermodell des El Niño

Noch bis in den Herbst 1982 hinein wähnten sich die Klimatologen - und mit ihnen der Rest der Welt - in Sicherheit. Mögliche Vorkehrungen und Vorbeugungsmaßnahmen unterblieben. Und prompt trat das Unerwartete ein: Im Dezember 1982 kam der totgesagte El Niño nicht nur mit voller Macht, er entwickelte sich auch zu einem der stärksten El Niños des 20. Jahrhunderts. In seiner Folge gab es Dürren und Buschbrände in Australien, Überschwemmungen und Erdrutsche in Südamerika und Stürme an der gesamten amerikanischen Westküste. Tausende von Menschen wurden Opfer der von El Niño ausgelösten Naturkatastrophen, die Schäden gingen in die Milliarden.

Wie hatte eine solche Vorhersagepanne passieren können? Spätere Analysen zeigen, dass gleich mehrere Faktoren eine richtige Vorhersage vereitelten: Zum einen verließen sich die Klimaforscher bei der Messung der Meerestemperatur zu diesem Zeitpunkt fast ausschließlich auf Satellitendaten, weil diese als zuverlässiger galten als die bis dahin nur vereinzelt durchgeführten Messungen von Schiffen oder Bojen aus. Und die Satelliten gaben seltsamerweise keinerlei Hinweis auf eine Erhöhung der "ozeanischen Fieberkurve".

Doch dies hatte ganz andere, nicht mit El Niño zusammenhängende Gründe: Kurze Zeit vorher hatte der Ausbruch des mexikanischen Vulkans El Chichon große Mengen Staub und Schwefel in die Atmosphäre geschleudert, die sich zwischen Satelliten und Meeresoberfläche schoben und so die Messungen um bis zu sechs Grad verfälschten. Ein Effekt, den die Klimaforscher schlicht übersahen. Die alarmierenden Ergebnisse von einzelnen Schiffsmessungen galten deshalb als Ausreißer.

Und auch die Computermodelle - die damals stolzeste neue Errungenschaft der Klimaforschung - mussten scheitern: Die verschiedenen Modelle konnten zwar Veränderungen des Meeres oder aber der Winde erfassen und modellieren, nicht aber das für den El Niño so entscheidende Zusammenspiel beider Sphären: das komplexe und dynamische Rückkopplungssystem zwischen Ozean und Atmosphäre.

Für die Klimaforscher war der katastrophale El Niño von 1982/83 ein tiefsitzender Schock. Trotz aller Hochtechnologie hatte die Vorhersage komplett versagt. Sie mussten erkennen, wie weit der Weg zu einer erfolgreichen Frühwarnung noch war und wie wenig sie noch über das komplexe System wussten...

Stand: 23.08.2001
 
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