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Freitag, 10.02.2012
Fremde Welt im Untergrund
Wimmelndes Leben und jede Menge Fragen

Die ersten Funde von lebenden Mikroben in der Tiefe lösten einen weltweiten "Run" auf den Untergrund aus: Überall begannen Geologen und Mikrobiologen nun, Bohrkerne zu ziehen und auf Spuren von Leben zu analysieren.

 Bakterien und Diatomeenschalen in Sedimentprobe
Bakterien und Diatomeenschalen in Sedimentprobe
© Herbert Cypionka
Und tatsächlich gab es kaum einen Ort, an dem sie nicht fündig wurden: Ob im Sediment der Meere, in Basalt und vulkanischer Lava oder sogar im steinharten Granit der kontinentalen Kruste, noch kilometertief unter der Oberfläche tummelte sich das Leben. Inzwischen weiß man, dass sich sogar bis in 3,5 Kilometer Tiefe Bakterien, Viren und Pilze finden. Sie sitzen in den winzigen Spalten und Poren zwischen den Bodenstrukturen - und das in gewaltigen Mengen.

Eine neue Welt...
Bis zu hundert Millionen Mikroben können sich in einem einzigen Gramm Sediment oder in einem Milliliter Grundwasser aufhalten. Dies entspricht weitaus mehr als die gesamte Bevölkerung Deutschlands. Getrocknet und gewogen bringen diese Mikrobenmengen allerdings nur wenige Mikrogramm auf die Waage. Der Wissenschaftler Thomas Gold von der amerikanischen Cornell-Universität schätzt jedoch, dass die Masse aller unterirdischen Lebensformen die der oberirdischen locker erreicht, vielleicht sogar übertreffen könnte. Andere Forscher schätzen die Biomasse der tiefen Biosphäre auf immerhin mindestens ein Drittel der oberirdischen.

Und das was dort lebt, ist der Wissenschaft bislang größtenteils noch völlig unbekannt. Allein in den letzten Jahren haben Mikrobiologen schon zwischen 10.000 und 15.000 veschiedene Lebensformen im "Keller der Erde" entdeckt - und ein Ende ist nicht abzusehen.

...und viele Fragen
Die Menge und Vielfalt des unterirdischen Lebens hat nicht nur alle bisherigen Annahmen über das Leben über den Haufen geworfen, für die Wissenschaft hat sich hier mit einem Schlag eine ganz fremde Welt aufgetan, die aber auch jede Menge offener Fragen mit sich bringt: Wie schaffen es die Mikroben, quasi aus dem "Nichts" Energie zu produzieren? Könnte man sich diese Methode vielleicht "abgucken" und, in abgewandelter Form, eines Tages auch zur Energiegewinnung für die Menschheit nutzen? Und wie tolerieren sie die große Hitze im Untergrund? Welche Enzyme und Proteine helfen ihnen dabei?

Auch ganz praktische Fragen stellen sich: Wie beeinflussen die Bewohner der tiefen Biosphäre beispielsweise die Lagerung von radioaktiven Abfällen im Untergrund? Sind sie eine Gefahr oder lassen sie sich vielleicht sogar nutzen? Oder könnten sie möglicherweise als "Schadstofffresser" oder Rohstofflieferanten eingesetzt werden?

Bis heute ist kaum eine dieser Fragen beantwortet. Noch ist die Tiefe Biosphäre ein weißer Fleck auf der Landkarte der Wissenschaft...

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