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Freitag, 10.02.2012
Die zwanzig Sekunden von Kobe
Das große Beben von 1995

Nur zwanzig Sekunden sollten das Schicksal einer ganzen Stadt verändern. Länger dauerte das Erdbeben nicht, das mit einer Stärke von 6,9 auf der Richterskala die japanische Stadt Kobe in weiten Teilen zerstörte. Mit mehr als 5.000 Toten und über 150.000 eingestürzten Gebäuden war es das folgenreichste Erdbeben in Japan in den letzten 72 Jahren - nur das große Beben von 1923 in Tokyo hatte verheerendere Auswirkungen.Eine Fläche von über 100 Hektar brannte in Kobe ab, der Sachschaden lag bei 200 Milliarden DM. Dies alles war im Januar 1995.

Mittlerweile geht scheinbar alles wieder seinen gewohnten Lauf. Die Straßen sind wieder instand gesetzt, die Häuser neu gebaut, niemand spricht mehr über das Unglück. Aber etwas hat sich doch verändert. Die Angst vor unvorhersehbaren Naturkatastrophen ist den Japanern wieder ein wenig mehr ins Bewußtsein gerückt. Denn das Beben war eine Überraschung.

Auch wenn die japanische Insel in einer der am meisten gefährdeten Regionen der Erde liegt, galt der Westen Japans doch immer als relativ sicher. Eher hatte man mit einem erneuten Beben in Tokyo gerechnet. Entsprechend unvorbereitet zeigten sich auch die zuständigen Behörden, entsprechende Rettungsmannschaften verharrten zunächst einmal tatenlos. Auch die Feuerwehr war hoffnungslos überfordert mit den zahlreichen, über das ganze Stadtgebiet verteilten Brandherden. Die Informationslage war unzureichend, Hilfsmaßnahmen griffen nur langsam. Japan, das leuchtende Vorbild in Sachen Krisenbewältigung nach Erdbeben, erlebte hier sein Waterloo.

Weil niemand wirklich an ein so heftiges Erdbeben in dieser Region geglaubt hatte, lagen einfach keine konkreten Katastrophenpläne vor. Aber auch in anderer Hinsicht zeigte sich, dass man die Gefahren der Natur unterschätzt hatte. Die angeblich erdbebensichere Trasse der vierspurigen Autobahn brach innerhalb von Sekunden ein, als erdbebensicher geltende Häuser stürzten zusammen. Aber auch zahlreiche niedrige Holzbauten, die in den meisten Vierteln vorherrschten, brachen ein und rissen andere wie Dominosteine mit sich. Nach dem Beben waren mehr als 300.000 Menschen obdachlos.

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