Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Süßwasserreservoire Eisberg
Exklusivgetränk und Bewässerungssystem der Zukunft?

Eisberge sind im Meer schwimmende, abgebrochene Randstücke des antarktischen Schelfeises oder polarer Gletscher. Da sie von den Inlandeismassen abstammen bestehen sie im Gegensatz zum Meer- und Packeis aus Süßwasser.

Longdrinks auf Eisberg-Eis
Ein recht großer, aber doch transportabler und leicht zugänglicher Eiswürfel, dachten sich auch findige Neufundländer und gründeten die Firma Iceberg Industries. Sie wurden zum ersten Getränkehersteller der neben Eisberg-Bier, Eisberg-Wodka und Eisberg-Wasser auch Eisberg-Eiswürfel in sein Sortiment aufgenommen hat. Die exklusiven Getränke finden besonders in Japan reißenden Absatz.

Um das "reinste Wasser" aus dem mehrere tausend Jahre altem Eis zu gewinnen, müssen die Neufundländer nicht weit fahren. Der kalte Labradorstrom transportiert die vor Grönland gekalbten weißen Riesen quasi direkt vor die Haustür des Herstellers. Mit in Pflanzenöl getränkten Kettensägen werden dann große Stücke aus den schwimmenden Eiskolossen herausgeschnitten und auf Schiffe verladen. Das geschmolzene Eis wird anschließend gefiltert und gereinigt, ein paar Spritzer Zitrone hinzu und voilà - fertig ist der Eistee.

Eiskalte Quelle
Vielleicht brachte ja gerade solch ein luxuriöser Eisberg-Cocktail Prinz Mohammed al Faisal aus Saudi-Arabien Ende der 1970er Jahre auf die Idee der "Eisbergernte": Warum nicht die schwimmende Süßwasserreserve aus den Polarmeeren einfangen und zur Bewässerung von trockenen Wüstenregionen nutzen? Gesagt, getan: Der Prinz gründete 1977 eine Gesellschaft zur Durchführung dieses einzigartigen Wassergewinnungsprojektes. Als unlösbares Problem erwiesen sich dabei allerdings - nicht ganz überraschend - die hohen Schmelzverluste durch Sonne, Wind und Wellen. Denn bis die abgeschleppten Eisberge aus der Antarktis das Rote Meer erreichten, schmolz ihre Masse um mehr als 50 Prozent dahin.

Der Transport erheblich größerer Eisberge erwies sich ebenfalls als unmöglich. Mit einem Tiefgang von 100 bis 200 Metern schleiften die Eisberge regelrecht über den Meeresgrund und spätestens vor der Hafeneinfahrt blieben sie stecken. Die Firma "Iceberg Transport International" entwickelte daraufhin Transporttechniken, um die Erosion durch Meereswellen und das Schmelzen durch die wärmende Sonneneinstrahlung zu mindern. Doch die Anwendung von "Eisgürteln" als Zuggeschirr, Kunststofffolien oder Isoliermasse war nur mit kleineren Eisbergen möglich und trieb die Transport- und Energiekosten immens in die Höhe.

Auch der Einsatz alternativer Technologien zur Kostensenkung wurde erwogen: Angetrieben von solarbetriebenen Propellern und gesteuert über Satellit sollten Hunderte, ja Tausende von "Self Propelled Icebergs" ins Morgenland schippern. Doch bei all diesem Aufwand schien dem Prinzen aus Saudi Arabien irgendwann die Süßwassergewinnung aus Meerwasserentsaltzungsanlagen weitaus rentabler und er stellte sein ehrgeiziges Eisberg-Projekt letztendlich ein.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Eisberg ahoi!
Vergängliche Kolosse der Polarmeere
Vorboten des Klimakollapses?
Gigantische Eisschollen in der Antarktis
Wird es wärmer oder kälter?
Schmelzende Eisberge, steigender Meeresspiegel und auslaufende Gletscher
Im Schatten des Eisbergs
B-15 gefährdet marines Leben
Süßwasserreservoire Eisberg
Exklusivgetränk und Bewässerungssystem der Zukunft?
Aus Nord und Süd
Eisberg ist nicht gleich Eisberg
Süß oder salzig?
Lebensraum Eis
Chronik eines Schiffsunglücks
Zum Untergang der Titanic
Eisberg voraus!
Räumkommando Iceberg Patrol
und mehr...
Zum Weiterlesen
Links und Literatur
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen