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Freitag, 10.02.2012
Wird es wärmer oder kälter?
Schmelzende Eisberge, steigender Meeresspiegel und auslaufende Gletscher

Bis vor wenigen Jahren schätzten Glaziologen, dass etwa alle 50 bis 100 Jahre ein Eisberg der Größe von Larsen B oder dem Filchner-Eisberg abbrechen würde. Heute kalben Eisberge von der Grundfläche Londons im südlichen Polarmeer fast jährlich. Ist dies eine Folgeerscheinung des Treibhauseffekts und der zunehmenden Klimaerwärmung?

Schelfeispanzer 
Schelfeispanzer
© NOAA
Die Antwort der Klimaforscher ist "Jein", denn das Wegbrechen der Eisschollen scheint nur ein regionales Klimaphänomen zu sein. Während im Westen der Antarktis die Temperatur seit den 1940er Jahren um 2,5 Grad angestiegen ist, wird es in manch anderen Gegenden um den Südpol kälter. Besonders in den Trockentälern des "sechsten Kontinents" haben Geologen in jüngster Zeit sinkende Temperaturen gemessen.

Wachsender Eispanzer
Einige Wissenschaftler schätzen sogar, dass es in den nächsten Jahrzehnten im Inneren der Antarktis zu einer verstärkten Eisbildung und nicht, wie bislang vermutet, zu einer Abschmelzung der Eiskappen kommen könnte. Die Ursache dafür ist die durch die globalen Klimaerwärmung steigende Lufttemperatur über der südlichen Hemisphäre. Dadurch können feuchte Luftmassen weiter in den eisigen Kontinent vordringen. Dies führt schließlich zu vermehrten Niederschlägen.

Fällt jedoch mehr Schnee, würde der Eispanzer in den nächsten Jahrzehnten nicht nur anwachsen, sondern durch die Speicherung von Wasser auch den weltweiten Anstieg des Meeresspiegels abbremsen. Das verdunstete Meerwasser wird somit über Jahre an den Polkappen "eingefroren". Das gleiche gilt für die Eismassen des Nordpols, die im Gegensatz zur Antarktis fast "nur" aus einigen hunderttausend Kubikkilometern gefrorenen Meerwassers bestehen. Hier verdrängt das Eis exakt nur die Menge Wasser, die es zu seiner Entstehung benötigt. Schmilzt also das Meereis am Nordpol, steigt der Meeresspiegel nicht an. Eisberge hingegen transportieren Süßwasser. Schmelzen die von den grönländischen Gletschern abgebrochenen Wasserspeicher, steigt der Meeresspiegel.

Fehlende Eisbarriere
Daher wird die Ursache für den steigenden Meeresspiegel heute neben der Ausdehnung des erwärmten Wassers der Ozeane vor allem dem Schmelzen der Gletscher Grönlands und des Inlandeises der Antarktis zugeschrieben. Verliert der "sechste Kontinent" mit dem Wegbrechen immer größerer Eisschollen seine weiße Kontur, das Schelfeis, könnte dies das Schwinden der Gletscher aber noch zusätzlich beschleunigen:

Neuere Luftbilder und Satellitenaufnahmen zeigen, dass nach dem Zusammenbruch des Schelfeises rund um Larsen B viele Gletscher förmlich auslaufen. Ihnen fehlt vor der Küste der nötige Gegendruck einer schwimmenden Eisdecke. Denn das Schelfeis ist direkt mit dem Land oder dem Grundeis verbunden und bildet so einen natürlichen Widerstand für das nachfließende Geltschereis. Ohne diese Stabilisierung beschleunigen die Ausflussgletscher, wie beispielsweise der Drygalski-Gletscher, ihre Fliesgeschwindigkeit in Richtung Meer von einem auf inzwischen rund drei bis vier Meter pro Tag.

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