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Freitag, 10.02.2012
Eisberg voraus!
Räumkommando Iceberg Patrol

Meeresströmungen transportieren die in Grönland gekalbten Eisberge entlang der amerikanischen Ostküste gen Süden. Nach einer meist einjährigen Reise passieren sie auf ihrem Weg die berühmt berüchtigte "Iceberg Alley". Diese "Strasse der Eisberge" wurde vor rund 90. Jahren bereits der "unsinkbaren" Titanic zum Verhängnis. Die Kollision des Luxusliners mit einem Eisberg kostete in der Nacht zum 14. April 1912 mehr als 1.500 Menschen das Leben.

Heute wird die Schifffahrtsroute im Gebiet der Neufundlandbank von einer Spezialeinheit der kanadischen und US-amerikanischen Küstenwache überwacht. Seit 1913 registrieren die Männer der in St. John´s stationierten "International Ice Patrol" mittels Radartechnik und Beobachtungsflugzeugen jeden auch noch so kleinen Eisberg, der den 48. Breitengrad überschreitet. Die größte Gefahr geht dabei aber nicht von den riesigen, sondern vielmehr von den kleineren aus. Denn die "nur" etwa haushohen Eisberge, die auch Bits genannt werden, ragen kaum sichtbar aus dem Meer empor und sind von dem empfindlichen Radarsystem nur schwer erfassbar. Besonders in der Hauptsaison von März bis Juli werden die Positionen der Eisberge zweimal täglich an Tanker, Segelschiffe und Bohrinseln weitergegeben.

Liegen Tanker und Eisberg bereits auf Kollisionskurs, kommt es zu einem spektakulären Einsatz. Ein Hauch von Wildwest liegt in der Seeluft, wenn die Rettungskräfte von Spezialschiffen aus mit Lassos die weißen "Störenfriede" einfangen. In der Regel sind die Lassos aber nicht aus Leder, sondern Stahlseile, die sich festgezurrt in das Eis schneiden. Je nach Umfang des Eisbergs versuchen nun ein oder zwei Schleppboote die Eisriesen in eine andere Strömung und somit auf einen neuen Kurs zu bringen. Dieses Frühwarn- und Rettungssystem bändigt die Gefahr, die von den Eisbergen ausgeht, offenbar sehr effektiv. Seit der Gründung der "International Ice Patrol" gab es nach dem Untergang der Titanic nur noch drei Schiffskollisionen im Nordatlantik. Menschen kamen seitdem nicht mehr ums Leben.

Treibende Eisberge erreichen in den Meeresströmung eine Geschwindigkeit von immerhin bis zu fünf Stundenkilometern. Daher wird die Lage besonders brenzlig, wenn sie auf ihrer Route Ölborhinseln ansteuern. Die fest im Meeresboden verankerten Plattformen können nicht ausweichen. Versuche die Eisberge mit Dynamit zu zerstören, schlagen regelmäßig fehl. Denn bei Temperaturen von minus 20 bis 25 Grad Celsius hat das Eis eine äußerst kompakte Masse, so dass keine kontrollierte Sprengung möglich ist. Schließlich muss der Abschleppdienst wieder ran. Es ist daher kaum verwunderlich, dass neben den reichen Industrienationen, unter anderem auch Deutschland, besonders Ölkonzerne für den "Service" der "Ice Patrol" zahlen, um eine Image schädigende ökologische Katastrophe zu vermeiden.

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