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Freitag, 25.05.2018
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Januskopf Klima

War der Monsun schuld am Untergang der Indus-Kultur?

Welche Rolle spielte das Klima für den Niedergang der Indus-Bewohner? Immerhin brachten Trockenzeiten auch schon andere Hochkulturen zu Fall wie die Maya und das Reich der Khmer in Angkor Wat. Tatsächlich stießen Forscher im Jahr 2012 auch für die Indus-Kultur auf Hinweise, die dies nahelegen.

Figur einer Fruchtbarkeitsgöttin aus der Indus-Kultur

Liviu Giosan von der Woods Hole Oceanographic Institution und ihre Kollegen erstellten für ihre Studie zunächst ein digitales Geländemodell des ehemaligen Siedlungsgebiets der Indus-Bewohner. In Ausgrabungen vor Ort, Bohrungen und zahlreichen Sedimentproben erkundeten die Forscher dann, wie sich dieses Gebiet und vor allem die dortigen Flussläufe im Laufe der Zeit verändert haben. "Nachdem wir einmal diese geologischen Informationen hatten, konnten wir sie mit dem kombinieren, was wir über die Siedlungen, das Klima und die von den Indus-Bewohnern angebauten Pflanzen wussten", erklärt Mitautor Dorian Fuller vom University College London.

Vom Klima begünstigt - zunächst


Wie die Auswertungen ergaben, hatte das Klima tatsächlich einen starken Einfluss auf die Indus-Kultur - möglicherweise verdankt sie ihm sogar ihr Entstehen. Denn bereits einige Jahrhunderte bevor die Bewohner dieser Region die ersten Städte errichteten, begann das Klima dort trockener zu werden. Etwa um 3200 v.Chr. war der Höhepunkt dieser Trockenperiode erreicht - ungefähr dann, als auch die Indus-Kultur zu florieren begann, wie die Forscher berichten.

Ihrer Ansicht nach ist das kein Zufall: Der Klimawechsel sorgte damals dafür, dass die heftigen Sturzfluten entlang des Indus und seiner Nebenflüsse etwas nachließen, es aber immer noch ausreichend Überschwemmungen gab, um den Boden entlang der Flussufer fruchtbar zu machen. Vor allem die Ebenen am Zusammenfluss von Indus und den drei vereinigten Nebenflüssen Jhelam, Chenab und Ravi bot optimale Bedingungen, um reiche Ernten zu erzielen.

Zentraler Brunnen in Harappa - einige Jahrhunderte gab es Wasser genug.

Zentraler Brunnen in Harappa - einige Jahrhunderte gab es Wasser genug.

In diesem Gebiet lag auch die Stadt Harappa - geschützt auf einem Hügelzug, aber nahe genug an den fruchtbaren Überflutungsbereichen der Flussufer. Ein zweites Zentrum der Besiedlung entwickelte sich etwas weiter nordöstlich, im Einzugsgebiet des Ghaggar-Hakra-Flusssystems. Diese Flüsse transportierten kaum Schmelzwasser, ihre Hauptwasserquelle war der Monsunregen. Dadurch fehlten die heftigen Frühjahrshochwasser, der Nachschub in der Regenzeit reichte aber aus, um die Wasserversorgung sicherzustellen, wie die Forscher erklären.

Zuflucht am Fuß des Himalaya


Aber bei dieser Idylle blieb es nicht. Stattdessen verschärfte sich die Dürre weiter. Der Monsun verlagerte sich weiter nach Osten, sodass ein Großteil der Niederschläge nun im Gangesgebiet und nicht mehr im Indusbecken fiel. Um 1900 v.Chr. fielen Teile des südlichen Ghaggar-Hakra-Flusssystems über Monate hinweg trocken und auch entlang des Indus nahmen die so wichtigen Überschwemmungen ab.

"Dies könnte auch erklären, warum sich in der späten Zeit der Indus-Zivilisation die Siedlungen nahe am Ursprung des Ghaggar-Hakra-Systems ausdehnten", erklärt Giosan. Denn dort, am Fuß des Himalaya, gab es trotzdem noch kleinere Überschwemmungen, die zumindest eine Ernte pro Jahr ermöglichten. Für die großen Städte im Tiefland mit ihren Tausenden Bewohnern war dieser erneute Klimawandel jedoch fatal. Denn die allmählich austrocknenden Felder konnten den enormen Nahrungsbedarf der Bevölkerung immer weniger decken.

Obwohl sie den Wasserbau beherrschten, wanderten die Indus-Bewohner lieber aus, statt zu bewässern.

Auswandern statt bewässern


Aber warum entwickelten die Bewohner Harappas und der anderen Städte nicht wenigstens dann ein System der Bewässerung, um das knapper werdende Wasser maximal zu nutzen? Nach Ansicht von Giosan ist die Antwort darauf simpel: Weil sie eine einfachere Alternative hatten. "Im Gegensatz zu den Bewohnern Mesopotamiens und Ägyptens, die von Wüsten und trockenem Land umgeben waren, konnten die Indus-Bewohner ausweichen - in die feuchteren Gebiete weiter östlich, Richtung Ganges", so die Forscher. Diese Auswanderung führte aber dazu, dass die Bevölkerung im Kernland der Indus-Zivilisation immer weiter ausdünnte.

Die Städte wurden nach und nach verlassen, es entstanden nur noch kleinere Dörfer in den wenigen Gebieten, in denen der Wassernachschub noch ausreichte. Das Ausmaß der Umweltveränderungen muss die damalige Gesellschaft schwer getroffen haben und machte sie mit Sicherheit auch anfälliger für andere Störfaktoren. Allerdings: "Auch das liefert keine einfache, deterministische Erklärung für alle Umwälzungen, die sich im gesamten Gebiet dieser Zivilisation ereigneten", betonen die Forscher. Wie genau das Ende der Indus-Kultur vonstatten ging, bleibt daher noch immer unklar.
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Nadja Podbregar
Stand: 09.05.2014
 
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