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Dienstag, 23.10.2018
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Geheimnisvolle Zeichen

Die nicht entschlüsselte Schrift der Indus-Kultur

Dreiecke, Kreise mit kreuzartigen Zeichen darin oder pflanzenähnliche Symbole - die Schrift der Indus-Bewohner erinnert an eine Mischung aus ägyptischen Hieroglyphen und der sumerischen Keilschrift. Aber verwandt ist sie mit keiner der beiden - und was ihre Zeichen bedeuten, ist noch immer unbekannt.

Typisch für Funde mit Indus-Schrift: kurze Zeichenfolgen

Ein Grund dafür: Im Gegensatz zu den langen Texttafeln aus Mesopotamien tauchen die Schriftzeichen der Indus-Kultur häufig nur in kurzen Folgen aus fünf bis sechs Zeichen auf. Diese finden sich in der Regel auf tönernen Siegeln, kleinen Tafeln und einer Art Amulett. Vor allem auf den Siegeln sind sie zudem häufig mit Tierfiguren kombiniert.

Tiersymbole und rätselhafte Zeichen


"Die Tiersymbole repräsentierten möglicherweise bestimmte Personen oder Clans, die Schrift könnte dann den Namen des Eigentümers oder seine Legitimation nennen", mutmaßt der Archäologe Jonathan Kenoyer von der University of Wisconsin-Madison. Aber auch auf Tongefäßen, Bronzewerkzeugen und Goldschmuck haben er und seine Kollegen die rätselhaften Schriftzeichen gefunden. Auch dort könnten es Namen sein, die die Bewohner der Indus-Region vor fast 5.000 Jahren hinterließen.

Aber trotz jahrzehntelanger Versuche, die Indus-Schrift zu entziffern, ist sie heute noch genauso rätselhaft wie bei ihrer Entdeckung. Bis heute ist nicht einmal klar, ob alle gefundenen Zeichenfolgen in einer einheitlichen Sprache abgefasst waren, oder ob vielleicht eine Schrift für mehrere Sprachen genutzt wurde. Inzwischen bezweifeln sogar einige Forscher, dass es sich dabei überhaupt um eine echte Schrift handelt, und halten die Zeichen für religiöse oder politische Piktogramme.

Tafel mit Hieroglyphen aus dem Indusgebiet

Tafel mit Hieroglyphen aus dem Indusgebiet

Hilfe durch die Mathematik


Dem allerdings widerspricht Mayank Vahia vom Tata Institut für Grundlagenforschung in Mumbai. Er ist den Rätselzeichen schon vor einigen Jahren mithilfe der Mathematik auf den Leib gerückt - und hat dabei Indizien dafür entdeckt, dass es sich sehr wohl um eine echte Schrift mit festgelegten Zeichenfolgen und einer Grammatik handelte.

Die Analyse von Vahia und seinen Kollegen basiert auf dem sogenannten Markow-Modell, einer statistischen Methode, die die Wahrscheinlichkeit eines zukünftigen Ereignisses aufgrund von Mustern der Vergangenheit ermittelt. „Das statistische Modell liefert uns Einblicke in die zugrunde liegende grammatikalische Struktur der Indus-Schrift” erklärt Rajesh Rao von der University of Washington. „So ein Modell kann bei der Entzifferung wertvoll sein, weil jede Bedeutung, die dabei einem Symbol zugeordnet wird, im Kontext mit den vorangehenden oder folgenden Symbolen einen Sinn ergeben muss.“

Keine willkürliche Abfolge


Die Analysen zeigen, dass die Reihenfolge der Zeichen tatsächlich eine Bedeutung hat. Wenn die Forscher in ihrem Modell willkürlich Zeichen vertauschten oder eine Hieroglyphe von einer Zeichenreihe willkürlich in eine Folge auf einem anderen Artefakt übertrugen, dann ergab dies sofort eine geringere Wahrscheinlichkeit, dass diese neue Folge zu der hypothetischen Sprache und ihren Mustern passt. „Diese Ergebnisse geben uns Bestätigung, dass der Indus-Schrift eine klare Logik zugrunde liegt“, erklärt Vahia.

Die Symbolfolgen ändern sich

Und diese scheint durchaus flexibel zu sein. Denn Siegel mit Abfolgen dieser Zeichen sind nicht nur am Indus, sondern auch bei Ausgrabungen in Mesopotamien gefunden worden. Dort aber sind die Zeichen anders angeordnet als die aus dem Indus-Tal - möglicherweise dort die gleichen Symbolfolgen ene andere Bedeutung hatten. „Die Entdeckung, dass die Indus-Schrift flexibel genug gewesen sein könnte, um in Westasien andere Themen darzustellen ist provokant“, sagt Rao. „Sie ist schwer damit vereinbar, dass es sich bei den Hieroglyphen nur um religiöse oder politische Symbole handeln soll.“

Ob die rätselhaften Symbole wirklich eine echte Schrift waren und was sie bedeuten - diese Fragen bleiben bisher unbeantwortet. Die Archäologen und Linguisten hoffen hier auf den Zufall oder schlicht Glück - in Form neuer Funde, die vielleicht mehr Licht ins Dunkel bringen. "Wir werden es niemals sicher wissen, bis jemand eine zweisprachige Tafel findet, eine Art Rosetta-Stein des Indus", konstatiert Kenoyer.
Nadja Podbregar
Stand: 09.05.2014
 
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