Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Auch in Europa?
Desertifikation - nicht nur ein Problem der Entwicklungsländer

Wenn wir an Wüste und Desertifikation denken, kommen uns zumeist die Sahara und das Sahelgebiet, die asiatische Wüste Gobi oder die Kalahari in Südafrika in den Sinn. Aber auch in Industrieländern entstehen überwiegend selbstverschuldete Wüsten. Große Teile des Mittelmeerraums, der ursprünglich von dichten Eichenwäldern bedeckt war, sind akut von Desertifikation bedroht. Heute findet man rund ums Mittelmeer nur noch niedrige Buschwälder.

Ein Beispiel aus Südfrankreich: Die meisten Touristen, die die Region der "Calanques" zwischen Cassis und Marseille bewundern, ahnen wahrscheinlich nicht, wie ruiniert ihre Traumlandschaft in Wirklichkeit ist. Die karstigen Felshügel der Calanques lassen sie sich in einem Stück unberührter Natur wähnen. In Wirklichkeit aber besichtigen sie das Resultat einer ökologischen Katastrophe. Früher war die "Calanques" von einem dichten Wald aus Steineichen bedeckt. Mehr als 3000 Jahre lang haben die Menschen den Wald gerodet, und dort, wo das Holz für sie wertlos war, haben sie ihn angezündet, um Weideland für Ziegen und Schafe zu gewinnen.

Die heftigen Regenfälle im Winter schwemmten den ungeschützten Boden weg. Zurück blieb nur der nackte Kalkstein. Die Büsche, die zwischen den Felsen wurzeln, werden immer wieder durch Buschbrände vernichtet, kaum daß sie neu ausgetrieben haben. Ob sich hier jemals wieder Wald ansiedelt, ist mehr als fraglich. Allein bis eine ausreichende starke Bodenschicht entstünde, würden Jahrhunderte vergehen. Nur an tiefer gelegenen Stellen, an denen die rote Erde noch nicht fortgespült wurde, hat der Wald noch eine Chance.

Ausgetrockneter Aralsee 
Ausgetrockneter Aralsee
© NASA
Der Aralsee (ehemalige UdSSR) trocknete wegen Ableitung der großen Zubringerflüsse immer mehr und mehr aus. 1960 war er noch das viertgrößte Binnenmeer der Erde - in den letzten knapp 40 Jahren ist der Aralsee auf 40 Prozent seiner ehemaligen Fläche und 20 Prozent seines ehemaligen Volumens geschrumpft. Feiner Sand vom ehemaligen Seegrund zusammen mit Salzstaub überweht weite landwirtschaftliche Flächen.

Auch in Deutschland müssen Bauern beobachten, daß eine rücksichtslose industrielle Landnutzung nahezu sterile Böden hinerläßt - eine Vorstufe der Verwüstung.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Desertifikation
Lässt sich die Wüstenbildung aufhalten?
Mehr als nur Ausbreitung der Wüsten...
Definition und Zahlen zur Desertifikation
Auch in Europa?
Desertifikation - nicht nur ein Problem der Entwicklungsländer
Indikatoren
Woran erkennt man eine drohende Wüstenbildung?
Überleben durch Vielseitigkeit
Die Tuareg
Nachhaltigkeit als Überlebensprinzip
Die Buschleute der Kalahari
Ausweichen und Standhalten zugleich...
Wanderarbeiter in Mali
Ist das Problem "hausgemacht?"
Die Ursachen im Überblick
Von Bodenrechten, Geld und Schulden
Die Rolle der Ökonomie
Verwüstungsschutz Wald
Desertifikation als Folge der Abholzung
Sind die Nomaden schuld?
Überweidung als Ursache der Wüstenbildung
Desertifikation - Hunger - Umweltflüchtlinge
Der Exekutivdirektor des UN-Umweltprogrammes, Klaus Töpfer über die Folgen der Wüstenbildung
Auf der Suche nach effektiven Lösungen
Strategien im Kampf gegen die Desertifikation
Nicht gegen, sondern mit der Bevölkerung...
Das Projekt "Schutz des Waldes" in Abengouru
Einfache Mittel - große Wirkung
Mit traditionellen Anbautechniken gegen die Erosion
Grüne Flecken in der Wüste
Das Kufra-Projekt in Libyen
Schuldenerlaß als Weg aus der Verwüstung?
G 8-Gipfel in Köln beschließt 70 Millionen Dollar Schuldenerlaß
Geld für Schulen, Schulden oder Rüstung
Beispiel Tansania
Geschichte der UN-Wüstenkonvention
Beschlüsse und Protokolle der Vereinten Nationen
und mehr...
Zum Weiterlesen
Links und Literatur
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen